Auf, nach Eorzea – mit Final Fantasy XIV!

Es ist ganz einfach: Die Kombination machts

Nichts lenkt Sie in Pandemie-Zeiten so schön ab wie ein Game, das einen richtig fesselt. Viele Menschen wollen oder müssen während COVID-19 auf sehr viele soziale Kontakte verzichten; zumindest auf die persönlichen.
Es ist ein MMO: Gegen virtuelle Kontakte ist auch in Pandemie-Zeiten nichts einzuwenden; nur haben Sie nach dem vierten Skype-Treffen mit Kolleginnen einander vielleicht doch nicht mehr so viel zu erzählen. Ich selbst fand FFXIV während des Lockdowns speziell tröstlich, weil es eben ein MMO ist. Man weiss, dass hinter jeder der anderen Figuren eine Person steckt, die ebenfalls am PC (Windows oder Mac) oder auf der PS4 am Zocken ist. Schön ist auch, dass Crossplay hier zum Konzept gehört. Egal, ob per Konsole oder PC – man teilt sich dieselben Server. Kontakte finden immer wieder in den Dungeons statt, wenn eine wild zusammengewürfelte Party unter viel Teamplay gemeinsam ein Monster erledigt. Nicht zuletzt gibt es auch direkte Chatmöglichkeiten via Freundeslisten und über die vielen verschiedenen Free Companies, manche mit Schwerpunkt auf sehr schwere Dungeons, andere eher familiär und einsteigerfreundlich.
Wunderschöne Dungeons und Gegner: Auch wer (wie die Autorin) jeden Dungeon immer noch mit etwas Bammel betritt, kann nicht darüber hinwegsehen, wie viel Kreativität, Kunstfertigkeit und Detailliebe in der Gestaltung dieser Kampfarenen und Gewölben sowie in den schillernden, prächtigen, teils herrlich schrägen Hauptgegnern stecken. Es ist vom künstlerischen Aspekt her eine Augenweide, auch wenn das Game grafiktechnisch nicht mit seinem modernen Cousin Final Fantasy XV (kein MMO und erzählt andere Geschichten) mithalten kann.
Die Story: Die Hauptgeschichten sind gut gemacht und bieten Nebenquests, die meistens auch irgendwie Sinn ergeben. Die vielen verschiedenen Wesen, Völker und Charaktere, auf die man trifft, sind unterhaltsam umrissen, ausserdem kommt bei vielen Quests und Figuren auch der Humor nicht zu kurz. Man merkt mit der Zeit auch: nicht alle Gegnerinnen und Gegner sind wirklich böse. Die Welt lässt sich nicht in schwarz und weiss unterteilen.
Gut geleitete Freiheit: Wenn Sie mal eine Woche lang keine Lust auf Dungeons haben, lernen Sie eben stattdessen das Leatherworker-Handwerk oder werden Fischer. Oder Sie schalten die verschiedenen Hunt Boards frei und gehen jagen. Vielleicht werden Sie auch einfach Culinarian und stellen heilsame Leckerbissen her. Alles kein Problem. Trotz dieser Freiheit sagt Ihnen das Game stets unaufdringlich, über welche Quest es bei der Main Story oder bei einer Job Quest weiterginge.
Rechts erscheinen die nächsten Quests. Man kann sich stattdessen aber auch kurz einfach mal ein Feuerwerk ansehen, wenn es gerade eins gibt.
Quelle: Screenshot PCtipp.ch/Spiel ©2010-2020 Square Enix Co. Ltd. Final Fantasy XIV
Tolles Community-Management: World-of-Warcraft-«Flüchtlingen» zufolge ist die Spielergemeinschaft bei FFXIV toleranter und aufmerksamer gegenüber Neulingen. Man darf auch mal einen Fehler machen, ohne angeschnauzt zu werden. Mir, die vor FFXIV so lange kein Spiel mehr in die Finger genommen hat, dürften in den letzten Monaten viele passiert sein; nie gab es deswegen böses Blut. Stattdessen wurde versucht, zu helfen. Neulinge können auch das Novice-Network benutzen; das ist ein separater Chat-Kanal, in dem Fortgeschrittene Fragen beantworten. Square Enix sorgt in FFXIV auch mittels höherer In-Game-Belohnungen dafür, dass alte Hasen Grund haben, sich über Neulinge in Dungeons zu freuen. So haben alle etwas davon. Und wenn jemand seine Sache im Dungeon gut macht, kann man ihm oder ihr am Schluss eine Player Commendation aussprechen.
So viele Commendations erhält man als Fernkämpferin normalerweise nicht (vermutlich lags an einem Witz, den ich während einer Cut-Scene im Party-Chat gemacht hatte). Aber gefreut hat es mich natürlich trotzdem sehr.
Quelle: Screenshot PCtipp.ch/Spiel ©2010-2020 Square Enix Co. Ltd. Final Fantasy XIV
Auf Augenhöhe: Man hat anfangs die Wahl zwischen verschiedenen Rassen. Während etwa Lalafells sehr klein sind und z.B. Elezen sehr hochgewachsen, befindet man sich dennoch stärkemässig auf Augenhöhe, egal, welche Rasse man für sich wählt. Eine kleine Lalafell kann eine mächtigere Kämpferin sein als ein Elezen. Und noch etwas fällt auf: Hier sind die weiblichen Charaktere auch nicht unbedingt in Unterzahl; auch bei den spielrelevanten NPCs (Non Playable Characters, mit denen man interagiert) nicht: Die Stadt-Staaten Gridania, Ul'dah und Limsa Lominsa werden von sehr unterschiedlichen, aber alle auf ihre Art starken Frauen regiert; auch unter der Gegnerschaft hat es ebenso herausragende weibliche wie männliche Figuren. Die Spieler-Avatare, die man herumrennen sieht und mit denen man sich in die Dungeons begibt, sind auch etwa zur Hälfte weiblich. Natürlich werden einige davon von Männern gespielt, aber dies geht logischerweise auch andersherum. FFXIV zieht seit Jahren nicht nur Männer, sondern auch Frauen in seinen Bann.
Und diese Musik! Jedes Gebiet wird mit einer eigenen Musik unterlegt, die meisten Dungeons legen musikmässig noch eins drauf. Die viele, mit Herzblut komponierte und von einem richtigen Orchester eingespielte Musik wird von den Fans so sehr geliebt, dass es zumindest in Japan sogar Konzert-Aufführungen mit den besten Perlen davon gibt – von diesen sind auch BluRays erhältlich. Wenn zu einem Dungeon «Triumph» läuft oder im Kapitelabspann «Answers» oder der schöne «Dragonsong» ertönt, muss man ein Klotz sein, um sich davon nicht rühren zu lassen.

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Einige Eindrücke aus dem MMORPG Final Fantasy XIV

Neugierig geworden? Final Fantasy XIV gibts für Windows, Mac und PlayStation 4. Das Spiel gibts nebst in Englisch und Japanisch auch in Französisch und Deutsch. Ich selbst spiele es am liebsten auf Englisch. Zum einen, weil es manchmal bei kleineren Quest-Hürden («Wo genau finde ich jetzt dieses Jagd-Ziel?)» mehr Resultate gibt, wenn man danach gleich mit den richtigen Begriffen in Englisch googelt. Und natürlich auch, weil bei den zwar nicht vielen, aber dann sehr gut gesprochenen Passagen dieses gestelzte Englisch einfach cooler klingt.
Lange Gratis-Demo: Es lässt sich neuerdings recht lange kostenlos ausprobieren, nämlich bis Level 60. Wenn es Sie danach auch erwischt hat, kostet das Game pro Monat rund 12 Euro. Dafür gibt es aber keine In-Game-Käufe und man wird nicht mit Werbung überschüttet. Bis Heavensward sollte man mit der Demo plus allfälligen Abokosten ab Level 60 durchkommen; die grossen Erweiterungen Stormblood und Shadowbringers müssten später noch dazu gekauft werden. Es gibt übrigens viele Spieler, die ein, zwei Monate lang bezahlen, die Erweiterungen oder die neuen Patch-Inhalte durchspielen und dann das Abo wieder kündigen. Die Charaktere bleiben erhalten, wenn man sich nach ein paar Monaten wieder einloggt, das nächste Abo löst und die neu hinzugekommenen Inhalte weiterspielt.
Man braucht viel Zeit dafür, aber die vergeht wie im Flug.

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