News 26.11.2002, 12:45 Uhr

Getestet: Apple iPod für Windows

Den schicken MP3-Player von Apple gibts jetzt auch für Windows. Dem konnten wir nicht widerstehen und haben das Gerät einem Praxistest unterzogen.
Wer will nicht zu "Music is my Aeroplane" von den Peppers im Tram durch die City fliegen? Oder - von den Stranglers mit "Always the Sun" begleitet - durch den Park tanzen? Kleine, handliche MP3-Player machen es möglich, auf dem PC seine eigene Musikauswahl zusammenzustellen und als akustische Wegzehrung mitzunehmen.
Der iPod von Apple [1] ist ein Vertreter aus dieser Gerätegattung - und ein sehr schicker noch dazu! Der kleine MP3-Player im halb weissen, halb verchromten Kleid passt in jede Hosen-, Hemd- oder Jackentasche und wirkt robust genug für den Alltagsgebrauch. Seine interne Festplatte nimmt über die schnelle FireWire-Verbindung zwischen 5 und 20 Gigabytes an Daten auf - je nach Modell. Die drei erhältlichen Modelle unterscheiden sich natürlich im Preis: Für 549 Franken trägt der Musik-Fan 5 Gigabytes herum, was schon für etwa tausend Musikstücke reicht. Die Version mit 10 Gigabytes kostet bereits 699 Franken, und wer auf grosszügige 20 Gigabytes nicht verzichten will, berappt 849 Franken (Preise: Apple Online-Shop).
In Ermangelung einer Apple iTunes-Version für Windows hat Apple sich entschlossen, den iPod für Windows-Anwender mit der Musikverwaltungssoftware "Musicmatch Jukebox" zu bündeln. Damit lassen sich innert Minuten beliebige Songs ab Audio-CDs auf die Festplatte spielen und anschliessend mit dem iPod synchronisieren. Auf dem iPod selbst erlaubt ein übersichtliches Menü, Playlists (Abspiellisten) für jede Gemütsverfassung zu verwalten und gespeicherte Songs nach Interpreten, Stilrichtungen oder Alben zu suchen.
Der guten Klangqualität kann auch der Spurt auf den Bus nichts anhaben: kein Ruckeln, keine Aussetzer. Weil sich der iPod auch über den Windows Explorer direkt ansprechen lässt, macht ihn das nicht nur zum Musik-Abspiel-, sondern auch zum Datentransport-Gerät.
Soviel zum Coolness-Faktor. Doch es ist eben nicht "Always" nur "the Sun", um bei den Stranglers zu bleiben. So störte mich Apples Registrierfimmel: sowohl für die Installation der iPod-Treiber als auch der mitgelieferten Musicmatch-Software ist eine Registrierung zwingend erforderlich.
Die FireWire-Schnittstelle ist zwar schnell, aber in der Windows-Welt längst noch nicht in jedem PC verfügbar. Als Notebook-Besitzerin konnte ich mich glücklich schätzen, ein Gerät mit FireWire zu haben. Ehrlich gesagt, möchte ich doch gerne eines Tages eine USB2-Variante des iPod sehen.
Im Alltagstest sind noch weitere Kleinigkeiten aufgefallen: Die verchromte Unterseite will öfter poliert werden, um die unvermeidlichen hässlichen Fingerabdrücke zu beseitigen. Das berührungsempfindliche Steuerfeld ist im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig. Zum Glück sind Bedienfeld und Tasten abschaltbar, um unerwünschte Interaktionen zu vermeiden, während Sie mit dem iPod in der Tasche durch die Gegend schweben.
Unter Mac ist ein Synchronisieren der Kontakte und Termine mit Microsoft Entourage, Palm Desktop oder dem Mac OS X Adressbuch möglich. Eine solche Funktion fehlt leider in der Windows-Version. Der integrierte Kalender lässt sich zwar anschauen, aber nicht mit Terminen füllen. Einzig die Kontakte könnten - einmal ins VCF- (Visitenkarten) Format exportiert - per Windows Explorer auf den iPod kopiert und dort angeschaut werden. Ein letzter Wermuts-Tropfen wird die Besitzer von Windows 95 und Windows 98 interessieren: Gemäss Apple läuft der iPod nur mit Windows Me, Windows 2000 und Windows XP. Wer Windows 98 Second Edition (Zweite Ausgabe) besitzt, könnte seinen PC noch durch den Zukauf von Mediafours XPlay [2] iPod-tauglich machen.
Der Akku, der Sie ungefähr zehn Stunden lang mit Sound berieselt, tankt seinen Strom über ein separates Ladegerät oder über eine 6-Pin-Firewire-Schnittstelle. Für den kleinen 4-Pin-FireWire-Anschluss, wie er etwa in Notebooks gebräuchlich ist, wird ein Adapter mitgeliefert.
Eigentlich war es eine gute Entscheidung von Apple, den schicken iPod auch den vielen Windows-Benutzern zugänglich zu machen. Doch die Umsetzung erscheint mir doch ein wenig halbherzig. Apple gibt selber zu, dass die Windows-Variante des iPod nur aufgrund des grossen Druckes aus der Windows-User-Szene lanciert wurde.
Kaufen oder nicht? Ganz klar werde ich den getesteten iPod nur schweren Herzens wieder aus den Händen geben, denn als MP3-Player ist er ein angenehmer Begleiter mit viel Speicherplatz und langer Akku-Laufzeit. Einzig am Preis scheiden sich die Gemüter. Ob sich das Risiko lohnt, ein zwischen 550 und 850 Franken teures Gerät täglich an alle möglichen Orte mitzunehmen, muss jeder für sich entscheiden.
Rien ne va plus: Leider wurde uns von Apple offenbar ein "Montags-Modell" des iPod zur Verfügung gestellt. Denn just an jenem Abend, als ich das Testgerät ein letztes Mal mit nach Hause nahm, um vor der Rückgabe die gespeicherten Dateien via FireWire zu löschen, erwachte der iPod nicht mehr aus seinem Schlaf und versagte komplett seinen Dienst. Notiz an Apple: bitte nur von Dienstag bis Freitag produzieren...



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