Tests 01.04.2019, 06:44 Uhr

Test: Apple AirPods 2

Fast alles bleibt beim Alten, und das ist eine gute Sache – meistens jedenfalls.
Was mussten sich die ersten AirPods bei ihrer Vorstellung gefallen lassen: Mit Zahnbürsten, Mini-Föhns und anderen Dingen wurden sie verglichen. Heute ist diese Häme weitgehend verschwunden; stattdessen sind die weissen Stöpsel so allgegenwärtig, dass sie fast zum urbanen Strassenbild gehören. Apple publiziert zwar keine Zahlen, aber dem Vernehmen nach sind die AirPods das erfolgreichste Apple-Zubehör überhaupt. Das heisst: erfolgreicher als jeder Adapter – und wer Apple und seine Adapter kennt, ahnt deshalb, dass es sich um sehr, sehr viele AirPods handeln muss, die über die Ladentheke geschoben werden.
In nur zwei Jahren zum Klassiker
Quelle: Apple, Inc.

Vieles bleibt beim Alten

Die zweite Generation ist äusserlich von der ersten kaum zu unterscheiden – von der LED auf der Vorderseite abgesehen, die unter anderem den Ladevorgang signalisiert. Daran ist nichts auszusetzen: Praktisch jeder iPhone-Besitzer in meinem Umfeld unter 60 Jahren hat sich die AirPods gekauft. Und mit einer einzigen Ausnahme (Grüsse an meinen Arbeitskollegen Luca) passen sie bei allen perfekt. Normales Kopfdrehen, entschiedenes Kopfdrehen, Luftgitarre, Headbanging unter Alkoholeinfluss oder Sportarten wie Laufen: Die AirPods halten bombenfest. Damit wäre zur gelungenen Formgebung eigentlich alles gesagt.

Die Schale macht den Unterschied

Laufzeit. Die AirPods 2 werden in einer neuen Ladeschale aufbewahrt und durch Magnete gesichert, damit sie nicht herausfallen. Diese Schale verfügt ihrerseits über einen Akku und gibt den Energievorrat an die AirPods ab, sobald sie eingelegt werden. Die AirPods halten beim Musikhören etwa 5 Stunden, bevor sie aufgeladen werden müssen; bei Gesprächen sind es etwa 2 Stunden. Zusammen mit der Ladeschale liegen ungefähr auf 24 Stunden Musik drin, die fernab einer Steckdose konsumiert werden.
Drei Schalentiere. Diese Schale bestimmt auch den Preis. Das neue Modell kann wahlweise über ein Lightning-Kabel geladen werden oder drahtlos über eine Qi-fähige Matte. In diesem Fall kosten die AirPods 229 Franken. Wenn Sie zwar die neuen Modelle möchten, aber auf die Qi-Kompatibilität verzichten können, kosten die AirPods genau wie die Vorgänger 179 Franken. Und wenn Sie mit der ersten Generation immer noch zufrieden sind, aber vor allem die neue Qi-Schale möchten, dann belastet diese Nachrüstung die Bilanz mit 89 Franken.
Jede Variante ist denkbar, auch für die Nachrüstung der alten Modelle
Quelle: Screenshot / ze

Typisch Apple: die Koppelung

Wenn die AirPods in Betrieb genommen werden, kommt es zu einer Apple-typischen Erfahrung: Die brandneue Ladeschale wird geöffnet, neben das iPhone gehalten und eine Schaltfläche auf dem Display angetippt. Und … das wars! Kein Gedrückthalten von Tasten, keine blinkenden Lämpchen, kein Abwarten von Tönen. Die ganze Prozedur ist in weniger als fünf Sekunden erledigt.
Die AirPods sind schneller gekoppelt, als Sie diesen Satz laut vorlesen können
Quelle: Apple, Inc.
Apple-ID. Doch es kommt noch besser: Damit sind die AirPods nicht nur mit dem iPhone gekoppelt, sondern auch mit der Apple-ID. Das wiederum bedeutet, dass die AirPods automatisch vom Mac, iPad oder der Apple Watch erkannt werden, die unter derselben Apple-ID segeln.
Schnellerer Wechsel. Die neuen AirPods sind beim Wechsel zwischen den Geräten ausserdem deutlich schneller geworden – und für mich ist das der wichtigste Vorteil der zweiten Generation. Während es manchmal bis zu zehn Sekunden dauerte, um vom iPhone zum iPad oder zurück zu wechseln, schaffen das die neuen AirPods in ungefähr der Hälfte der Zeit.

Clevere Bedienung

Automatische Pausen. Wenn Sie mit beiden AirPods die Wiedergabe beginnen und einen der beiden Stöpsel abnehmen, stoppt die Wiedergabe so lange, bis er wieder im Ohr steckt – dann geht es genauso automatisch weiter. Das gilt für jede Art der Medienwiedergabe, also für Apple Music genauso wie für Spotify, YouTube-Videos und dergleichen mehr.
Mono-Bündelung. Wenn Sie die Audio-Wiedergabe mit beiden AirPods starten, hören Sie den Ton in Stereo. Starten Sie die Wiedergabe hingegen nur mit einem AirPod im Ohr, werden die Stereokanäle automatisch für die Mono-Wiedergabe gebündelt.
Nächste Seite: Tonqualität und Telefonie

Tonqualität und Telefonie

Tonqualität

Es wäre sinnlos, an dieser Stelle über die Tonqualität der AirPods zu referieren, denn das können Sie sehr leicht selbst beurteilen: Verwenden Sie einfach die kabelgebundenen EarPods, die zum Lieferumfang jedes iPhones gehören – dann wissen Sie ziemlich genau, was Sie bei den AirPods erwartet.
Rauschfrei. Wichtiger ist jedoch die Erwähnung der Übertragungsqualität. Auch hier greift der H1-Chip ein und sorgt für eine glasklare, rauschfreie Übertragung. (Auf den Chip kommen wir gleich zu sprechen.) Die Reichweite ging dabei in unserem Test ohne Unterbrüche durch die Decke, genauer: durch eine Betondecke.

Mikrofone und Telefonie

In den letzten zwei Jahren habe ich die AirPods nicht nur für Musik, sondern vor allem für Telefongespräche schätzen gelernt. Beide AirPods sind mit Mikrofonen bestückt, sodass es keine Rolle spielt, welches Teil Sie sich für ein Telefongespräch ins Ohr stecken. Zusätzliche Mikrofone erfassen die Umgebungsgeräusche, um diese bei Telefongesprächen oder Videochats herauszufiltern. Das Resultat dieser Bemühungen ist Gesprächsqualität, die an Klarheit nichts zu wünschen übriglässt.
Die Mikrofone und andere Einstellungen lassen sich konfigurieren
Quelle: Screenshot / ze

Der neue Chip

All diese raffinierten Eigenschaften werden möglich, weil die AirPods durch Apples selbst entwickelte Chips angetrieben werden – und hier ist denn auch der grösste Unterschied zu finden. War in den ersten AirPods der W1-Chip verbaut, so hört die neue Recheneinheit auf das Kürzel «H1» – und er bietet einige Vorzüge.
Länger telefonieren. Nach einer Ladezeit von nur 15 Minuten kann doppelt so lange telefoniert werden, nämlich geschlagene 2 Stunden lang. Die Angaben stammen von Apple und werden von uns in Ermangelung von Freiwilligen ungeprüft durchgereicht.
Verbindungszeit. Das hatten wir schon: Der Wechsel zwischen zwei Geräten dauert jetzt nur noch halb so lange.
Die Einfachheit im Umgang mit anderen Geräten zeigt sich überall
Quelle: Screenshot / ze
Hey, Siri! Siri war bereits auf den Vorgängern verfügbar und wurde mit einem Tippen geweckt; neu reicht es, die Assistentin mit dem bestens bekannten «Hey, Siri!» zu wecken. Das kommt natürlich sehr gelegen, wenn beide Hände ausgelastet sind und man einen Anruf starten will.
Geringere Latenz. Bereits den Vorgängern attestierten wir eine extrem geringe Latenz – also die Verzögerung des Tons, der durch die Bluetooth-Verbindung entsteht. Laut Apple wurden sie weiter reduziert, doch es ist schwierig, eine noch kürzere Verzögerung auszumachen.

Nur für Apple-Geräte sinnvoll

All diese Vorzüge, die der W1-Chip mitbringt, bleiben den treuen Apple-Kunden vorbehalten. Zwar lassen sich die AirPods mit jedem Bluetooth-fähigen Gerät koppeln, doch dann geht fast alles verloren, was die AirPods zu AirPods macht: Siri, die fast schon «magische» Koppelung, die Steuerung und alle anderen Besonderheiten lösen sich in Luft auf. Auch die Tonqualität leidet, denn bei den AirPods wird sie ebenfalls durch den W1-Chip garantiert, während im Android-Lager eher aptX verwendet wird – und das wird von den AirPods nicht unterstützt.
Nächste Seite: Zielgruppen, Kaufberatung und Fazit

Zielgruppen, Kaufberatung und Fazit

Oje, ich höre Menschen!

Die einzige Schwäche der AirPods, wenn es denn eine gibt, sind der Machart geschuldet. Die Stöpsel sind keine In-Ear-Modelle, die nach aussen hin wirklich dicht machen. Das ist jedoch kein Fehler, sondern eine bewusste Design-Entscheidung: Mit eingesetzten AirPods kann das Umfeld immer noch wahrgenommen werden – und das ist in vielen Situationen ein Vorteil. Um das erwähnte Umfeld wirklich verstummen zu lassen, muss die Lautstärke allerdings kräftig aufgedreht werden, doch dann steht man irgendwann vor der Wahl zwischen nervigen Mitmenschen und einem Tinnitus. Es ist kompliziert.
Tipp: Wenn Sie die Vorzüge der AirPods suchen, aber auf einem echten In-Ear-Modell beharren, dann werden Sie vielleicht bei der Apple-Tochter «Beats» fündig. Die PowerBeats3 werden aktuell noch vom alten W1-Chip befeuert und sind hinter dem Nacken mit einem Kabel verbunden. Doch gerüchteweise soll in der nächsten Zeit der Nachfolger mit dem H1-Chip erscheinen. Ausserdem soll das Kabel wegfallen, sodass die PowerBeats dann genau wie die AirPods «True Wireless» werden.

Zusammenfassung

Die AirPods 2 führen die Linie unbeirrt fort. Es wäre auch töricht von Apple, an diesem Erfolgsrezept etwas zu ändern. Diese Kopfhörer sind eine hervorragende Wahl für alle Apple-Anwender – aber nicht für den Rest der Welt.
Gemacht für Apple-Anwender – und nur für Apple-Anwender
Quelle: Apple, Inc.
Dabei dreht sich alles um den Komfort. Die Koppelung ist an Raffinesse kaum zu überbieten und erstreckt sich automatisch auf alle anderen Geräte, die unter derselben Apple-ID angemeldet sind. Die automatische Pausierung, «Hey, Siri!», der einfache Wechsel zwischen den Geräten: Alles läuft darauf hinaus, dass die AirPods stets dienstbeflissen zur Verfügung stehen, bis man nach wenigen Stunden die Bedienung an sich gar nicht mehr wahrnimmt, sondern sie zu den anderen Körperreflexen legt.
Alle anderen Neuheiten fallen eher moderat aus und dienen der Modellpflege. Wer vor allem auf die neue Ladeschale aus ist, kann diese wie eingangs erwähnt für 89 Franken kaufen und mit den AirPods der ersten Generation verwenden.

Fazit

Es sind eigentlich dieselben AirPods, die bereits von zig Millionen Menschen geliebt werden. Das Update steht in der Linie für eine konsequente, aber auch eine unaufgeregte Modellpflege. Wenn Sie als iPhone-Besitzer bis anhin keinen Kontakt zu den AirPods hatten, dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um das zu ändern.

Testergebnis

Koppelung, Passform, Rauschunterdrückung, Qi-Ladeschale, Reichweite
Designbedingt nur schwache Abschottung nach aussen

Details:  Ab iOS 12.2, watchOS 5.2 und macOS 10.14.4 oder neuer

Preis:  Fr. 179.– (nur Lightning), Fr. 229.– (mit Qi-fähiger Ladeschale)

Infos: 
http://www.apple.com/chde/airpods

Leserwertung

Jetzt abstimmen!
Was halten Sie vom Produkt?



Kommentare
Avatar
Charlito
01.04.2019
Apples AirPods sind gut und von Bose auch, aber, mehr als CHF 200.- …nur den Ohrhörern… Die armen Leute, wie ich, mussen auf Xiaomi AirDots warten Gruss, Charlito

Avatar
ueberdart
03.04.2019
Bin nicht über 60 Bin noch nicht 60, habe trotzdem keine iPods. Die Dinger tönen zwar toll, sehen aber aus als hätte man sich Tampons in die Ohren gesteckt. Da kommt mir immer der Asterix Band in den Sinn, wo sich alle Leute Broccoli in die Ohren stopfen. Leider gehöre auch ich zu den Menschen die nicht Apple kompatible Ohren haben, bedeutet aber auch dass dies für einige andere Hersteller auch zutrifft. Ich habe einen recht guten Artikel über Tests von True Wireless gefunden, welcher etwas breiter geht. Er geht hier nicht auf iPods, sonder nur auf Alternativen ein: https://www.techbook.de/entertainment/sound/in-ear-kopfhoerer-bluetooth-test Leider fehlen im Test noch einige Hersteller, wie z.b. Jabra. Mein Problem ist es nun herauszufinden, wo ich solche Dinger testen kann, ob sie in mein Ohr passen. Oben liegender Artikel macht hier sehr gute Aussagen bezüglich dem Verbleib der Dinger im Ohr und wie weit (ja Apple auch das wäre mal eine Verbesserung) der Herrsteller hier vorgesehen hat die Dinger anpassen zu können.

Avatar
flacocuchento
22.04.2019
Bin auch über 60. Zu meinem rechten Ohr passen nur "JBL In-Ear Kopfhörer Reflect Mini BT" oder ähnliche, da diese eine externe Halterungsvorrichtung haben. Damit kannst du auch Sport machen. Sie haben zwar ein Kabel zwischen dem linken und rechten Ohrhörer, das aber nicht stört. Zudem kosten sie gerade mal CHF 70.- Ob der Coolness-Faktor wichtiger ist, must du selber entscheiden.