Testcenter 22.02.2023, 09:05 Uhr

Im Test: Oppo Find N2 Flip

Oppo faltet jetzt auch in der Schweiz – und das richtig gut! PCtipp hatte das Handy in Gebrauch. Unser Verdikt.
(Quelle: Oppo)
Was gab es nicht schon alles Faltbares seit dem ersten Konzeptgerät, welches von LG auf dem MWC 2018 präsentiert wurde. Nach-Innen-Falter, Nach-Aussen-Falter, Roll-Falter, gar Mit-Motor-Falter. Dann kam man auf ein Patentrezept, welches schon zu Prä-Smartphone-Zeiten vielfach funktionierte – Klapp-Falter. Also eigentlich nur Klapp – damals ausschliesslich mit Scharnier. Samsung und Huawei haben da die Initiative übernommen – und seit Huawei in der Schweiz Smartphone-mässig je länger, desto weniger eine Rolle spielt, war Samsung eine One-Flip-Show in Europa. Bis gestern, denn jetzt hat Oppo sein Find N2 Flip hierzulande lanciert.

Unboxed

Quelle: PCtipp.ch
Oppo lässt sich nicht lumpen: für die 999 Franken, welche hierzulande für das Phone fällig werden, wird das Objekt der Begierde in eine höchst edle Box gesteckt. Dicker Karton mit feinen Rillen und gar in Roségold geprägter Aufschrift: OPPO Find N2 Flip – darunter noch das Branding des Kamera-Partners Hasselblad. Weiter geht’s beim Öffnen der Box, denn ein Mechanismus sorgt dafür, dass sich das Inlay nach vorne erhebt – man hört regelrecht die imaginären Fanfaren die Ankunft des (möglichen) neuen Falt-Königs ankündigen. 
Dem Gerät legt Oppo noch ein Ladekabel, ein Netzteil und sogar eine Hartplastikhülle bei – transparent natürlich, damit das Gerät stets in Originalfarbe betrachtet werden kann. Beim Netzteil beschränkt sich Oppo diesmal auf «nur» 44 Watt, was noch immer mehr ist, als was die beiden «biggest Players in the Game», Samsung und Apple, mitliefern. Dieser Ladespeed ist akkuschonend – aufgrund der gerade mal 7,5 Millimeter Gehäusedicke beläuft sich dieser auf 4300 mAh.

Optik und Haptik

Kamera, Akku und Bildschirm sind zweifellos wichtige Parameter, wenn es um die Handywahl geht, aber auch Optik und Haptik müssen etwas hergeben. Im Schnitt schauen wir 88 Mal aufs Handy am Tag (das gilt gemäss Studie für unsere nördlichen Nachbarn, aber man darf davon ausgehen, dass die «Digital Habits» in der Schweiz ähnlich sind). Da ist es doch wichtig, dass man das Gerät «gerne in der Hand hält». Bei einem Faltphone ist es noch wichtiger, denn der Formfaktor ist hier ja der Sellingpoint schlechthin.
Hier hat sich Oppo etwas ausgedacht: das Waterdrop-Scharnier. Indem sich das Scharnier beim Zuklappen leicht nach aussen bewegt, gelingt es den Chinesen, dass das Gerät gar keinen Gap, also keine Lücke zwischen den zwei Handy-Hälften im zugeklappten Zustand aufweist. Ein grosses Plus für «Monks» wie mich.
Quelle: Oppo
Aufgeklappt: Wir müssen fair bleiben; wie das Gerät nach einem Jahr des täglichen Gebrauchs aussieht, wissen wir nicht. Und auch sonst niemand, denn das Gerät ist ja erst gerade vom Fliessband gehüpft. Aber sowohl optisch als auch haptisch hat Oppo sich wirklich dahintergeklemmt – der Falz ist wirklich nur sichtbar, wenn man das Display genau ins Licht hält. Beim «Drüberfahren» ist er natürlich wahrnehmbar, allerdings ist es im Bereich des akzeptablen. Das Phone wurde übrigens bei TÜV Rheinland zum Test abgegeben und erhielt das Siegel «400'000 Faltbewegungen ohne Schaden».

(Aussen)-Display

Quelle: Oppo
Wie Oppo am Launch-Event betonte, war es ebenfalls wichtig, dass das Aussendisplay nicht ein blosser Notification-Screen ist. Das Gerät solle auch im gefalteten Zustand produktiv genutzt werden können. Etwa für Kurzantworten auf SMS, als Selfie-Cam oder für die zahlreichen Widgets (Wetter, Uhrzeit, Wecker oder Audiokontrolle, z. B. bei Spotify). Darum ist dieser auch satte 3,26 Zoll gross. Zugegeben: WhatsApp-Nachrichten beantworten, mit dem – aus heutiger Sicht – Miniscreen, ist nur praktikabel, wenn die Antwort aus ein bis zwei Emojis besteht. Die Widget-Kontrolle allerdings hat sich im Test als ganz passabel erwiesen (der Screen unterstützt natürlich auch Touchcontrol). Timer stellen oder rasch die Playlist wechseln, ohne das Telefon aufklappen zu müssen, ist somit Alltags-bewährt. Auch cool: die Kamera-Preview-Funktion. Dazu aber mehr im Kapitel Kamera.
Das Hauptdisplay misst derweil 6,8 Zoll (120 Hertz AMOLED). Damit ist es gleich gross wie ein Galaxy S23 Ultra von Samsung. Aber: Da das Gerät ja auch im zusammengeklappten Zustand transportabel sein muss, ist es aufgeklappt sehr schmal – 21:9 Format. Heisst konkret: auch mit meinen eher kleinen Händen lässt sich das Gerät gut umfassen, bedienen und drehen. Auch das relativ tiefe Gewicht von 191 Gramm tut dem keinen Abbruch. Das Scharnier hält, ist verwindungsfest. Allerdings: Mit einer Hand aufklappen braucht etwas Kraftaufwand. Das Zusammenklappen geht dann – mit einem Geräusch der Kategorie «oddly satysfying». Dafür verantwortlich sind die schwarzen Kanten, die das Display einrahmen und etwas vorstehen – Geschmacksache, aber zum Schutz des Screens beim Falten wohl notwendig. Das HDR10+-zertifizierte Display löst – entsprechend seinem Seitenverhältnis – mit 2520 × 1080 auf, bringt eine Peakbrightness von 1600 Nits hin und ist HDR10+-zertifiziert. Und: Der Fingerabdruckscanner ist nicht unter Glas (was bei dem langen, schmalen Gerät sowieso gefährlich wäre, da es «vornüber kippt»), sondern an der Seite – da, wo sich der Daumen also ohnehin aufhält. Eine kurze Eingewöhnungsphase brauchts (seit den alten Xperias keine Seitenscanner mehr gehabt), danach ists aber ultrapraktisch. Wers nicht mag: Gesichtserkennung geht auch, PIN und Co. sowieso.

Kamera und Akku

Ultraweitwinkel
Quelle: PCtipp.ch
Aufgrund seines speziellen Formfaktors gibt es drei Kameras, wobei die Frontkamera ausnahmsweise diejenige ist, die man am seltensten sieht – nämlich nur beim Aufklappen. Diese löst mit 32 MP auf, mit 21 mm Brennweite und einer ƒ/2.4 Linse. Zudem arbeitet die Frontcam mit einem Sony IMX355 Sensor. Kleines, aber praktisches Feature: Bei Selfies lässt sich das Gerät in den 90-Grad-Winkel biegen, sodass die obere Hälfte von der Fotovorschau, die untere Hälfte vom Nutzerpanel genutzt wird. So lässt sich das Phone dann auch aufstellen – und statt mit dem Finger drauftippen zu müssen, lässt sich mittels Handgeste ein Drei-Sekunden-Countdown für den Selbstauslöser starten.
Main-Cam
Quelle: PCtipp.ch
Das Hasselblad-typische Naturell ist in den Bildern klar zu sehen und sorgt für starke Farben. Allerdings ist der 8-MP-Superweitwinkel etwas detailarm, was schade ist. Es reicht natürlich für Social-Media-Shots, ansonsten sollte man zur Hauptkamera greifen und auf den Winkel verzichten. Die Hauptkamera ist dafür detailreich und hat – genau wie die Frontcam – einen netten Bokeh-Effekt an Bord und eine A.I-basierte Nachbearbeitung, die uns Gott sei Dank nicht in Alabasterpüppchen verwandelt, sondern aufhellt, wo Aufhellung nötig ist und die Farben teilweise etwas sättigt.
Frontcam mit Selbstauslöser
Quelle: PCtipp.ch
Auf der Rück- beziehungsweise Oberseite findet sich eine Kamera-Doublette, bestehend aus einer 50-MP-Hauptkamera mit 23 mm Brennweite und ƒ/1.8-Linse sowie einem IMX890 Sensor von Sony. Die Zweit-Cam ist ein Ultraweitwinkel, welcher mit 8 MP auflöst, einen IMX355 Sensor an Bord hat und mit 16 mm Brennweite und einer ƒ/2.2 Linse operiert. Und auch bei den rückwärtigen Kameras hat sich Oppo eine spezielle Funktion ausgedacht. Wird das Gerät nämlich im 90-Grad-Winkel aufgestellt und vorderseitig die Kamera gestartet, kann auf dem Aussendisplay die Preview aktiviert werden. So kann die fotografierte Person live sehen, was die Kamera konkret einfängt und abbildet.
Quelle: Oppo

Akku

Quelle: Oppo
Wie schon erwähnt, verpasst Oppo dem Find N2 Flip einen 4300-mAh-Akku und legt einen 44 Watt Charger bei. Der Akku hält sich lange. Bei durchschnittlichem Gebrauch – heisst keine 3-Stunden-Gespräche oder Dauer-Hotspot – kann man sich zwei Tage darauf verlassen. Dies vor allem deshalb, weil der Main-Screen im zusammengeklappten Zustand auf Stand-by geht und so eine Menge Saft spart. Komplettes Aufladen dauert rund eine Stunde (57 Min), aber auch nach 15 Minuten ist der Akku schon wieder ein Drittel voll.

Audio, Specs und Fazit

Das N2 Flip unterstützt Dolby Atmos und hat zwei Speakers verbaut. Telefonieren geht also auch mit Lautsprecher-Funktion. Aber auch ohne klingen Gesprächspartner klar – weder künstlich überhöht noch mit Störgeräuschen.

Specs

Für die Tech-Nerds unter uns: Oppo verzichtet aus Energieeffizienz-Gründen auf einen Snapdragon 8 Gen 2 und verbaut stattdessen einen Dimensity 9000+ von MediaTek – gefertigt von TSMC im 4-Nanometer-Verfahren. Weiter gibt es das Gerät mit 8 RAM und 256 GB Speicher. Es unterstützt Dual-SIM, Bluetooth 5.3, 5G und Wi-Fi 6. Betrieben wird das Ganze wie gewohnt mit ColorOS 13, das auf Android basiert.

Fazit

Wenn Sie bis hierhin alles gelesen haben, sehen Sies wohl schon kommen – das geht auf die Bestnote zu. Ja, die Main-Cam eines Galaxy S23 Ultra mit seinem zehnfach optischen Zoom zieht Kamera-mässig noch etwas weg, nichtsdestotrotz hat die Hauptkamera durchaus ihre Vorzüge und die zusätzlichen Gesten- und Preview-Features sind im Alltag brauchbar. Alles in allem macht Oppo hier eigentlich keine gravierenden Fehler und macht vor allem seinem südkoreanischen Mitbewerber das Leben schwer.

Preise und Verfügbarkeit                                                  

Das Gerät kommt wahlweise in Schwarz oder Hellviolett und kostet 999 Franken. Das Find N2 Flip kann jetzt vorbestellt werden.

Testergebnis

(Aussen)-Display, Akku, Faltmodi bei Kamera, kein Gap
Ultraweitwinkel-Kamera ausbaufähig, Bezels Geschmacksache

Details:  Google Android 13 • GSM Quadband, UMTS / 3G, LTE Advanced (LTE+), 5G • Display: 6,8 Zoll (17,3 cm), Touchscreen, Foldable AMOLED, 2520 × 1080 Pixel, 403 ppi, Aussendisplay • Kameras: 50 Megapixel • HSPA, NFC, GPS, Wi-Fi 6 (802.11 ax) • Dual-SIM, Fingerabdrucksensor

Preis:  Fr. 999.-

Infos: 
oppo.com


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