Im Test: Samsung Galaxy S20 Ultra

+ Kamera, Video

Kommen wir erst zu den harten Fakten: Wir haben insgesamt fünf Linsen, davon eine vorne. Was diese zu leisten vermag, haben Sie weiter oben schon gelesen. Kommen wir also zur Rückseite. Dort erwartet uns eine grosse, rechteckige Aussparung, daneben prangt das Label «Space Zoom 100x». Weil man damit also bis in den Weltraum zoomen kann, umgangssprachlich. Ob man damit den Lieblingswitz von Huawei-CEO Richard Yu persiflieren will («As you can see, with the Samsung Phone, you can’t see the Galaxy, haha»), ist nicht überliefert. Zudem haben wir eine maximale Auflösung von sage und schreibe 108 Megapixeln und ein Weitwinkel. Unklar ist, wie viele Stufen das optische Zoom nun tatsächlich hat (offiziell ist es unklar, wir sagen Ihnen: vierfach). Der Hersteller spricht von einem zehnfachen Hybridzoom.

An dieser Stelle möchten wir kurz einen Einschub machen und uns zusammenfassend zur Kamerasituation äussern. Samsung bietet hier die ganze Bandbreite an. Alles, was 2020 von einem Top-Phone so erwartet wird: der Ultra-Weitwinkel, eine Telefoto-Linse (und der ganze Brennweitenbereich dazwischen) sowie eine DepthVision-Cam. Und überall liefert das Gerät starke Ergebnisse. Die Tele-Brennweite bei Zoom-Faktor 2 bis 5 sind unserer Ansicht nach sogar mit die Kernstärke der gesamten Kameraausstattung. Ebenfalls stark ist der Hauptsensor. Samsung bedient sich hier der altbekannten Pixel-Binning-Technologie (das «Binnen» mehrerer Pixel zu einem grossen Pixel), wobei das Verhältnis beim S20 Ultra sogar 9 zu 1 beträgt, also letzten Endes 12 Megapixel (9 × 12 = 108, nur für den Fall). Etwas anders sieht es beim Space Zoom aus. Wie schon beim 50fach-Zoom des Huawei P30 Pro vor einem Jahr, gehört marketingwirksame Specs-Prahlerei einfach zum Spiel. Wie schon im Hands-on erwähnt, ist die geringste Handbewegung der Tod jeder guten Fotografie auf diesem Zoom-Level. Wer das Handy allerdings auf ein Stativ spannt und es so als Teleskop-Ersatz nutzen will: machbar.

So, Videomodus. Jep, 8K-Videos mit einem Smartphone, das geht. 7680 × 4320 Pixel. Cool, macht auch Spass, nur: Haben Sie einen 8K-Screen? Weil … Wie will man sich das Video denn sonst in der Qualität anschauen, in der es produziert ist? Ich will nicht als Unkenrufer missverstanden werden; die technische Umsetzung ist soweit super. Aber: 4K mit 60 fps wird vom S20 Ultra auch unterstützt, ergibt mehr Sinn und gehört zu den Bereichen, in denen das S20 Ultra eine gute Leistung zeigt. Dort kommt auch die verbesserte Bildstabilität zum Tragen. Auch starkes Durchrütteln steckt die Kamera gut weg und das Videomaterial zog beim Betrachter keine Folgeschäden wegen Schwindel nach sich. Heisst konkret: Der vergrösserte Bildsensor verringert starkes Ruckeln und Unschärfe.

Ebenfalls ein neues Keyfeature im Kamerabereich ist der Single Take Mode. Einfach den Auslöser beim Filmen gedrückt halten und die entsprechende Software macht Fotos und Videos mit allen Linsen gleichzeitig. Es verwandelt sie dann in ein kurzes Video, in GIF-ähnliche Animationen, speziell gefilterte Fotos und so weiter. Die festgehaltene Szenerie in verschiedenen Versionen also. Spassig.

+ One UI 2.1, hohe Konnektivität
Wie bereits eingangs erwähnt, gefällt mir Samsungs Oberfläche mittlerweile sehr. Die Icons mögen ein wenig bunt und rund sein, die Menüführung überzeugt allerdings. Es ist ein sehr aufgeräumtes Design mit übersichtlichen Menüs, die den User nicht einfach so mit tausend und einem Feature allein lässt. Aber auch die Zusatzfeatures sind nützlich. So zum Beispiel der Widgetmode. Jedes App-Icon kann als Mini-Widget angepinnt werden und ist dann stets und ständig zu sehen, egal, was man mit dem Handy gerade macht. Tippt man darauf, öffnet sich die App im Mini-Format, ohne dass sich die App, die man ansonsten gerade offen hat, schliesst. So kann man auch im Mini-Format WhatsApp-Nachrichten beantworten und dennoch läuft das Video bei YouTube weiter. Zudem kann auch der Transparenzgrad bestimmt werden, sodass die eigentlich offene App immer noch durchschimmert, wenn man die Mini-Version der angepinnten App offen hat. Das neue, Samsung-eigene Quick Share, ein Android-Pendant zu AirDrop, vereinfacht das schnelle Teilen von Inhalten sehr. Bleibt zu hoffen, dass hier eine Android-übergreifende Lösung entwickelt wird, aktuell kocht hier noch jeder sein eigenes Süppchen.

Lobend zu erwähnen ist die moderne Connectivity: USB 3.2, Wi-Fi 6, LTE Cat. 20, 5G, Bluetooth 5.0 und NFC. Mehr geht eigentlich gar nicht. Und die Klinkenbuchse? Hätte sich wohl schlecht mit einer Staub- und Wasserdichtezertifizierung (IP68) verstanden. Zudem unterstützt das Gerät Dual-SIM, E-Sim und einen microSD-Slot hats auch, sofern man auf die zweite SIM verzichten kann.

Ach ja – und Bixby. Ich glaub, der kann jetzt mehr als vorher. Couldn’t care less. Sorry Samsung.


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