Tests 18.12.2015, 10:54 Uhr

Edel und ausdauernd: Huawei Watch im Test

Eine luxuriöse Smartwatch aus China: Aber können die das auch? Nach der Tag Heuer Connected durften wir uns auch Huaweis Smartwatch-Neuling für ein paar Wochen ans Handgelenk schnallen.
Huawei versucht es mit einer edlen Smartwatch, die im Vergleich zur 1400 Franken teuren Luxusuhr von Tag Heuer doch nicht ganz so viel kostet. Mit dem klassischen Lederarmband bekommt man die Huawei Watch Classic z.B. bei Digitec schon ab Fr. 365.-. Ob nebst verschiedenen Metallarmbändern noch weitere Bänder erhältlich sein werden, ist durchaus denkbar. Laut 9to5Google will Huawei an der CES im Januar überdies leicht angepasste Damenmodelle und weitere Armbänder vorstellen. Wir haben uns die «Classic» mit dem Lederarmband für einige Wochen um ein Redakteurshandgelenk geschnallt.
Runde Sache: die Huawei Watch Classic
Quelle: NMGZ

Der erste Eindruck

Nach ein paar Tagen Distanz zur edlen Schweizer Smartwatch empfanden wir die Huawei Watch beim Auspacken keineswegs als Fliessbandgegenstand. Die Uhr wirkt edel verarbeitet, das Lederarmband ist von guter Qualität. Die Tag Heuer ist wuchtiger - die Huawei Watch eher kompakt, aber genauso leicht. Zwei Eindrücke blieben von der Westschweizer Uhrenschmiede dennoch haften: Die schönen und kontrastreichen Zifferblätter und das leichtgewichtige Material lassen die Smartwatch einfach Uhr sein. Denn: Eine Uhr ist ein persönliches Gadget. Mir gefällt die runde Form. Aussenstehende würden nicht einmal erahnen, dass die Tag Heuer Connected smart ist. Ob das auch auf die Huawei Watch zutrifft?
Schmuckschatulle
Quelle: NMGZ
Sehr schön gemacht ist die Vepackung. Das Ganze präsentiert sich in einer gepolsterten Pappe-Schmucktruhe und nicht in einer Tupperware-ähnlichen Plastikbox. Das allein sagt aber noch nichts über den Inhalt aus. Einen Bonuspunkt hat Huawei aber hier schon auf sicher. Als Neubesitzer will man schliesslich auch das Auspacken ein wenig geniessen.
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Ausstattung, Bedienung

Stimmige Ausstattung

Ein Augenschein ist das Gehäuse aus mehrfach beschichtetem, rostfreiem Edelstahl. Beim Schutzglas setzt Huawei wie Apple ebenfalls auf ein kratzfestes Sapphire-Crytal-Glas. Mit einem Gewicht von gemessenen 59 Gramm ist die Uhr zusammen mit dem Lederarmband nur minim schwerer als die grosse Tag Heuer Connected (52 Gramm). Aus Kunststoff ist nur die in der Rückseite eingelassene rundliche Komponente mit dem Pulsmesser. Ideal ist die Grösse des 42-mm-Gehäuses für mittelschlanke Handgelenke. Zudem lässt sich das Lederarmband grosszügig zurückstauchen. Die Metallschnalle zum Fixieren zeugt ebenfalls von hoher Qualität.
Aus Kunststoff ist nur die mittlere, schwarze Komponente mit dem Pulssensor

Wenn man den Faden verliert

Was Apple besser gelöst hat, ist der Entriegelungsmechanismus zum Ausklinken des Armbands. Bei Huawei muss man beim Wechsel des Bandes aufpassen, dass man die feinen Metallstängelchen nicht verliert. Insbesondere das Wiedereinfädeln ohne Zuhilfenahme eines Kollegen will geübt sein. Aber abgesehen von diesem Detail, ist Uhr sehr gelungen. Direkt von oben betrachtet, missfällt mir persönlich die etwas starre, zylindrige Formgebung, was Kollegen anders sehen. Einen Rekord bei der Gehäusedicke hat Huaweis Smartwatch-Erstgeburt mit 11,3 mm auch nicht ganz hingekriegt. Der Trend hin zu dünneren Gehäusen stimmt aber positiv auf die kommende Smartwatch-Generation.
Von klassischen Zifferblättern bis hin zu sphärischen Styles ist eigentlich alles vorhanden. Doch die Schärfe überzeugt nicht ganz
Quelle: NMGZ

Doch nicht ganz scharf

Mit 400 x 400 Pixeln auf 1,4 Zoll hat Huawei beim kleinen Bildschirm sicher etwas hingebracht, das bislang in dieser Schärfe noch nicht erreicht wurde. Ob AMOLED oder nicht: Im Gegensatz zur Tag Heuer ist das Display aber nicht an allen Stellen so gut durchleuchtet und wirkt auf hellen Watch Faces sogar etwas rasterig. Dem Akku zuliebe kann man von diesem Umstand absehen, zumal dunklere Zifferblätter auch den Stromverbrauch minimieren. Bei eher hellen Zifferblätter helfen fünf Helligkeitsstufen bei der Feinjustierung.
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Eine Uhr mit vielen Gesichtern

Eine Uhr mit vielen Gesichtern

Nach dem üblichen Aufsetz-Prozedere über die Android-Wear-App freut man sich gleich über die Riesenauswahl der über 30 Watch Faces. Von bunt bis kitschig, von fast leeren bis hin zu funktionalen Zeitzonen-Zweitanzeigen und römischen Wanduhrblättern ist ein mehr als umfassendes Sortiment an Uhranzeigen vorhanden.
Über 30 Watch Faces hat Huawei im Gepäck
Und es dürften noch mehr werden. Das alles ist nett. Viele der Designs sind mir persönlich etwas zu schlicht geraten. Zur Abwechslung macht es aber Spass, ein paar sphärische Anzeigen wie z.B. Huaweis rotierenden Ball oder ein sich im Uhrzeigersinn füllender Regenbogen als Standardanzeige einzurichten. Besonders stylish: Jedes Zifferblatt hat im Standby-Betrieb seinen eigenen Look. Aus dem eben noch farbenprächtigen Regenbogen wird beim Stillhalten des Armgelenks eine weissleuchtende Strichanzeige auf schwarzem Hintergrund. Das ist irgendwie cool.

Bedienung und Software: Da fehlt noch was

Huaweis Smartwatch kommuniziert via Bluetooth 4.1 (BLE) und WLAN. Nebst dem Herzfrequenzsensor und dem Bewegunssensor (Gryoskope und Accelerometer) ist auch ein Barometer enthalten. Android Wear als Betriebssystem hat generell einige Fortschritte gemacht. Eine ganz runde Sache ist das nach wie vor nicht. Positiv: Das Google-Betriebssystem fürs Handgelenk unterstützt mittlerweile mehr Apps als früher, z.B. auch WhatsApp. Und die arbeiten derweil auch eigenständiger: Bei Spotify pausiert man ein Lied. Runtastic startet man, ohne das Smartphone ständig aus der Tasche zu holen. Einen täglichen Schrittezähler konfiguriert man ebenfalls direkt über die Uhr. Aber intuitiv ist anders. Noch immer blättert man endlos lange von links nach rechts oder von oben nach unten durch die Menüs und Apps, während die seitliche Krone nur zum Aufruf der Einstellungen fungiert. Das konnte Tag Heuer immerhin mit Dreh-Gesten und Mini-Apps in den Zifferblättern noch ein wenig überbieten.
Einige der Zifferblätter sind - gerade wegen ihrer Schlichtheit - sehr stylish
Quelle: NMGZ

Nützlicher Benachrichtigungsassistent

Nützlich ist die Armgelenkhilfe wie immer bei einkommenden Nachrichten und Anrufen. Dadurch zückt man das Smartphone weniger oft und schont den Handy-Akku. Telefonieren geht aber weniger gut. Zwar verfügt die Watch über ein Mikrofon, aber über keine Lautsprecher. Zudem dürfte das Summen des Vibramotors bei der Alarmierung etwas weniger hochfrequent sein. Negativ: Beim Drehen des Armgelenks erhellt sich die verdunkelte Anzeige immer mit etwa einer halben Sekunde Verzögerung. Hoffentlich kann das Huawei mit einem Software-Update noch ausbügeln.

Lange Akkulaufzeit

Die Bedienung war insgesamt sehr flüssig. Was überrascht: Mit dem 300-mAh-Akku übersteht man auch lange Tage. Jedenfalls haben wir es mit einer Smartwatch noch nie erlebt, dass man von sechs Uhr morgens bis 23 Uhr noch mit 40 bis 50 Prozent Rest-Akku versorgt ist - auch bei ständiger Bluetooth-Kopplung. Das Display befand sich dabei im Always-On-Mode. Schaltet man die Uhr über Nacht aus, reicht die Batterie sogar für knapp zwei Tage. Das ist wirklich sehr löblich und lässt hoffnungsvoll in die Smartwatch-Zukunft blicken.

Fazit

Der Hersteller hat sich bei der Verarbeitung der Huawei Watch für diesen Preisrahmen viel Mühe gegeben. Dazu gibts zahlreiche Zifferblätter. Die Akkuleistung verdient ein grosses Lob! Display und Software setzen aber keine neuen Masstäbe. Dennoch ist Huaweis Smartwatch neben der Tag Heuer Connected die bisher beste Android-Smartwatch.
Das Testgerät wurde uns freundlicherweise von Digitec zur Verfügung gestellt.

Testergebnis

Gesamtpaket (viele Zifferblätter), Akku, Verarbeitung
Display, Software-Zusatzfunktionen

Details:  1,4"-AMOLED, Auflösung: 400 x 400, Vierkern-CPU (1,2 GHz), 512 MB RAM, 4 GB Speicher, Bluetooth 4.1 BLE, WLAN-n, wasserfest (IP67), Gyroskop, Mikrofon, Android Wear, verschiedene Ziffernblätter, 400-mAh-Akku, 42 x 11,3 mm, Gewicht: 59 g (Gehäuse)

Preis:  ab Fr. 365.-

Infos: 
digitec.ch/de/Search?q=huawei+watch

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Autor(in) Simon Gröflin



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