Deutschland 05.10.2021, 09:49 Uhr

Notruf per App: «nora» soll Hörgeschädigten in Not helfen

Bislang mussten hörgeschädigte Menschen in Deutschland bei Notfällen auf Dritte oder das Fax zurückgreifen. Das soll die neue Notruf-App «nora» nun ändern.
Die App «nora» ist eine Ergänzung zu den Notrufnummern 110 und 112 und richtet sich vor allem an Menschen mit einer Hör- und Sprachbehinderung.
(Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa)
App statt Fax: Vor allem hörgeschädigte Menschen in Deutschland können in Zukunft per App die Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei rufen. Die Notruf-App «nora» ist in 15 Bundesländern an den Start gegangen.
Bisher hätten hörgeschädigte Menschen in Notlagen auf Gebärdendolmetscher, Freunde oder das Fax zurückgreifen müssen, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Vorstellung in Düsseldorf. Die App schliesst hier eine Lücke. Sie ergänzt die bestehenden Notrufsysteme um eine mobile Komponente.
Nach dem Download müssen sich die Nutzer einmalig anmelden. In einem Profil können bereits persönliche Angaben zu Vorerkrankungen gemacht werden. Wird der Notruf gewählt, erkennt die App automatisch den Standort des Handys und übermittelt diesen mit einem Klick an die Leitstelle. Danach führt die App die Nutzer durch mehrere Fragen, die helfen sollen, die Gefahrenlage einzuschätzen: Soll die Polizei oder die Feuerwehr alarmiert werden? Sind Menschen verletzt? Geht es um einen Einbruch oder einen Brand? Sind alle Fragen beantwortet, wird der Notruf abgesetzt.
«Den Menschen bieten wir damit so was wie ein grosses Stück mehr Sicherheit und vor allem auch Selbstbestimmung», sagte Reul. In erster Linie richte sich das Angebot an alle Menschen, die aufgrund einer Hör- oder Sprachbehinderung schlecht am Telefon kommunizieren könnten. Aber auch für Menschen, die kein Deutsch können oder in einer Notlage nicht sprechen können, sei die App nützlich. «Grundsätzlich ist ‹nora› eine App für alle Menschen in Deutschland.»
Das nordrhein-westfälische Innenministerium hatte das bundesweite Projekt federführend übernommen. Die Notruf-App ist ab sofort in fast allen Bundesländern verfügbar. Nur in Berlin habe es «in der Administration etwas gehakt», sagte Reul. Dort soll die App demnächst ebenfalls eingeführt werden.

Notfall-App in der Schweiz

In der Schweiz gibt es die Notfall-App «Uepaa». Diese wird sowohl von Sportlern als auch von Firmen gerne eingesetzt. Details finden Sie im Artikel «Notfall-Uhr, Medaillon oder DAB-Radio: Diese Notrufsysteme gibts». Kollege Rüdt schreibt darin: «Nebst den üblichen Alarmierungsfunktionen bietet die App zwei Funktionen, die sie besonders nützlich machen: Einerseits kann sie sogar an einem Ort ohne Netzabdeckung Personen alarmieren, welche die App ebenfalls installiert haben. Andererseits informiert sie nicht nur die Notfallkontakte, sondern auch «Uepaa»-Nutzer in der unmittelbaren Umgebung.»



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