Horrorjobs bei Apple: Ex-Mitarbeiterin packt aus

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Hohe Fluktuation

Auch von Burnouts und von mindestens zwei Selbstmorden will die ehemalige Apple-Mitarbeiterin erfahren haben. Personal wurde aber trotzdem immer wieder schnell ausgetauscht. Denn für jeden, der gehe, finde Apple offenbar wieder «motiviertes Frischfleisch». Beschwerden an die Vorgesetzten, die lediglich als «Kontrollinstanzen ohne jegliche Handlungsbefugnis» agieren, führten zu keinem Erfolg. Zuletzt wandte sie sich mit einem Dossier mit Screenshots auch an hochrangige Apple-Manager und an Tim Cook persönlich. Die Antwort kam zehn Tage später von einer Mitarbeiterin, die offenbar irgendwo im «Verdauungstrakt des Unternehmens» für die «Entsorgung unliebsamer Angelegenheiten» zuständig war. Denn sogar für kritische Mitarbeiter sähe eine Standardprozedur vor, dass Änderungen am System nicht gewünscht seien, so die Autorin. Kickl hielt irgendwann dem Druck nicht mehr stand und liess sich krankschreiben.
Apple intern: Drei Jahre in der Europa-Zentrale des Technologie-Multis ist seit dem 18. März erhältlich

PCtipp meint

Das Buch ist unterhaltsam geschrieben. Kickl versteht es gut, viele atmosphärische Aspekte einzubringen, auch wenn da und dort ein paar Attribute von Apple-Mitarbeitern etwas zu sehr in die Länge gezogen werden. Da die Eskalation spannend aufgebaut ist, «verschlingt» man die 280 Seiten in wenigen Tagen. Allerdings dürften strenge Pausenzeiten und Leistungskontrollen zum Alltag vieler Callcenter gehören. Und doch sorgt Apple mit Berichten ehemaliger Verkaufsmitarbeiter immer wieder für Schlagzeilen. Immerhin bekommt man bei Apple nebst vergünstigter Apple-Hardware und eines Gratiszugangs ins Fitnesscenter noch Zuschuss für die private Krankenversicherung. Der Lohn, den die Autorin angibt, ist für Schweizer Verhältnisse mit 1800 Euro brutto im Monat in der Tat sehr niedrig, wobei in Irland fast keine Steuern zu entrichten sind. Kurz: Es ist auch bei Apple kein Zuckerschlecken, wenn man – ausgerechnet – in der Kundenberatung einsteigen will.
«Apple intern – Drei Jahre in der Europa-Zentrale des Technologiemultis» erschien am 18. März nach ihrem letzten Arbeitstag bei Apple.    

Autor(in) Simon Gröflin



Kommentare
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malamba
01.04.2017
Was nützt ein höhreres Salär, wenns ende Monat trotzdem nicht viel übrig bleibt? KK, Miete usw sind entsprechend CH- hochpreisig angesetzt. Solange CEO und CO zuviel für zuwenig Leistung bekommen, dann bleiben viel zuviele für die wenigen Profiteure auf der Leistungs-Strecke. (Was ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus? Im Kapitalismus beuten Menschen, Menschen aus. Im Kommunismus ist es umgekehrt).