News 28.09.2015, 09:34 Uhr

Primarschüler ziehen Bücher dem Internet vor

Trotz Smartphones und Tablets: Schweizer Primarschüler bevorzugen in der Freizeit nicht primär das Internet. Die ZHAW hat eine interessante Studie zum Mediennutzungsverhalten von 7- bis 13-jährigen Schülern veröffentlicht.
Das Internet spielt in der Freizeit von Primarschülern eine eher untergeordnete Rolle, wie aus der MIKE-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hervorgeht. Untersucht wurde darin das Medienverhalten von über 1000 Kindern zwischen 6 und 13 Jahren. Hauptfazit: Kinder hören in der Freizeit lieber Musik, schauen fern oder lesen Bücher. Erstaunlich: 37 Prozent der Schweizer Kinder lesen in der Freizeit sogar durchschnittlich eine halbe Stunde pro Tag in einem Buch, heisst es im Detailbericht der Studie. Das sei sogar mehr als deutsche Schüler in der Freizeit lesen würden, sagte Co-Studienleiter Gregor Waller gegenüber der NZZ am Sonntag. Vor allem weil man immer wieder höre, die Kinder würden dauernd mit Handy oder Computer spielen. In Deutschland nähme nur jedes zweite Kind mindestens einmal wöchentlich ein Buch in die Hände, so Waller.
Die beliebtesten Freizeitaktivitäten der 7- bis 13-Jährigen
Besonders hoch im Kurs bei den Primarschülern ist der TV-Konsum und das Hören von Musik. 80 Prozent sollen mindestens einmal pro Woche Musik hören oder fernsehen. Fast die Hälfte hört täglich Musik und 42 Prozent schauen jeden Tag im durchschnittlich eine Dreiviertelstunde lang fern. «Die Generation Touchscreen ist bisher mehr Mythos als Realität», sagt Daniel Süss, ZHAW-Forscher und Professor für Medienpsychologie. Internet per se nutzen nur 20 Prozent der Schüler jeden oder fast jeden Tag.

Primarschüler surfen erst später häufiger 

Der Bericht zeigt aber auch: Das digitale Mediennutzungsverhalten verändert sich vor allem mit dem Alter. Bereits im Verlauf der Primarschulzeit surfen Kinder vermehrt auf Smartphones und knipsen häufiger Fotos, folgert die Studie. Eltern zeigen sich aber dennoch besorgt beim Medienkonsum ihrer Kinder, besonders wegen der Zunahme an pornografischen und gewalttätigen Inhalte im Internet. 60 Prozent der Kinder sollen schon einmal beim Fernsehen verängstigt worden sein; bei Internetinhalten seien jedoch nur 30 Prozent einmal eingeschüchtert worden.
Das wöchentliche und tägliche Mediennutzungsverhalten der Primarschüler

Kinderzimmer: Beliebt sind MP3-Player und CD-Player

Obwohl mittlerweile selbst smarte TVs über einen Webbrowser verfügen, sind in Schweizer Kinderzimmern weit weniger internetfähige Geräte vorhanden, als bisher angenommen. Am beliebtesten sind nach wie vor portable Musikabspielgeräte wie MP3-Player, iPod oder CD-Player. Gegenüber den 41 Prozent Musikgeräte-Besitzern haben nur 52 Prozent der Befragten ein eigenes Handy. Auf Platz 1 der beliebtesten Geräte rangiert jedoch das Smartphone. Interessant: Fast alle Eltern gaben an, dass Regeln zur Nutzungsdauer, zum Nutzungszeitpunkt oder zu Inhalten bestünden. Nicht alle Kinder sehen das aber so, etwa beim Nutzungsverhalten während der Nacht.
Die beliebtesten Medien Schweizer Schüler
Parallel zu der am Montag veröffentlichten MIKE-Studie führt die ZHAW mit der JAMES-Studie jährlich eine Befragungsrunde durch, die sich auf den Medienumgang von Jugendlichen konzentriert.

Links:

Die ganze Studie kann unter diesem Link (PDF) abgerufen werden. Auch interessant ist das Factsheet mit den wichtigsten Resultaten der Studie.

Autor(in) Simon Gröflin


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