Mobile Payment: Auch in der Schweiz kaum noch aufzuhalten

Mobile Payment ist weiter auf dem Vormarsch. Das bewiesen auch die Rekordumsätze im November.

von Sandra Adlesgruber 19.12.2018

Paypal berichtete von über 1 Milliarde US-Dollar, die mit dem Bezahlen über mobile Endgeräte zwischen Thanksgiving und Cyber Monday umgesetzt wurden. Allein am Black Friday waren es 42 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. 11.000 US-Dollar pro Sekunde hatte Paypal zu verarbeiten. In den USA wurde an diesen Tagen fast ein Drittel der Online-Käufe mit Mobile Payment bezahlt.

Nicht aufzuhaltende Entwicklung: Bezahlung via Mobile   (Foto: rawpixel / pixabay) Nicht aufzuhaltende Entwicklung: Bezahlung via Mobile (Foto: rawpixel / pixabay) Zoom

Immer neue Ideen

Seit einigen Jahren tobt ein harter Wettbewerb um digitale Geldbörsen und kontaktloses Bezahlen, der sich hauptsächlich auf das Mobiltelefon konzentriert. Doch auch Wearables werden immer beliebter. Smartwatches, allen voran die Apple Watch, werden immer intelligenter. So kündigte Apple im Oktober an, dass Studenten der Duke University, der University of Alabama und anderer Universitäten ihre Uhr in Zukunft für Wäsche, Bücher und andere Zahlungen in Zusammenhang mit der Schule nutzen können.

Das Bezahlen einer Tasse Kaffee mit einem Smartphone anstelle einer Kreditkarte gewinnt bei den Verbrauchern an Bedeutung. Gleichzeitig verändert es jedoch deren Ausgaben- und Konsumgewohnheiten wie eine Studie der University of Illinois zeigt: Kunden kaufen häufiger ein und geben mehr aus.

Weiterhin fanden die Forscher heraus, dass Mobile Payment das Bezahlen mit herkömmlichen Kreditkarten ersetzt, jedoch nicht das Onlineshopping am Computer. Untersucht wurden das Käuferverhalten mit Alipay, dem grössten mobilen Zahlungssystem der Welt. Daher ist bargeldloses Bezahlen auch für viele Banken interessant. Sie können ihre klassischen Produkte mit innovativen Funktionen verbinden. So lassen sich Kreditkarten mittlerweile mit Mobile Payment verknüpfen (zum Beispiel von Bonus Card, Cornècard, Swiss Bankers etc.) - etwa mit Apple Pay, Samsung Pay, Fitbit Pay oder Garmin Pay.

Je billiger das Produkt, desto häufiger die Nutzung

Die Studie hat auch gezeigt, dass Mobile Payment vor allem für günstige Artikel wie Getränke und Kinokarten genutzt wird. Bei kostspieligen Investitionen wie Autos hingegen wird weiterhin auf herkömmliche Zahlungsmittel zurückgegriffen. Profitieren werden vom Boom also in erster Linie Einzelhändler, die kontaktloses Bezahlen per Smartphone oder Wearable ermöglichen.

Die Einfachheit und Schnelligkeit ist es, die von den Verbrauchern geschätzt wird. Und so wird der Branche ein enormes Wachstum vorhergesagt. Es wird erwartet, dass 2020 neun von zehn Handynutzern in den USA Technologien wie Apple Pay und Android Pay verwenden. 2017 waren es rund 50 Prozent.

Komplizierte System schrecken ab

Heisst es also in Zukunft immer öfter “Telefon statt Geldbörse”? Offenbar nicht in der Schweiz. Hier hat Mobile Payment noch grosses Entwicklungspotential. Mit Twint gibt es zwar eine App, mit der per Smartphone bezahlt werden kann. Doch im Alltag erweist sich das Konzept allzu oft als zu kompliziert. Das Handy muss aus der Tasche geholt und entsperrt werden. Dann wird die App gestartet, ein Code eingegeben und und und. Das stösst nicht gerade auf Wohlwollen bei den Kunden. Zudem muss der Händler ein separates Twint-Terminal bereitstellen.

Technologien wie Apple Pay hingegen arbeiten mit NFC. Sie müssen allerdings explizit von den Banken freigeschaltet werden. Passiert das nicht, lassen sich keine Kreditkarten oder Bankkonten für die Abrechnung hinterlegen. Viele Schweizer Bankhäuser fürchten die Konkurrenz der Tech-Giganten aus dem Silicon Valley und verwehren sich daher gegen Mobile Payment, wie auch gegen diverse Blockchain Applikationen. Den Kampf gegen die Zukunft des kontaktlosen Bezahlens können sie aber kaum gewinnen.


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