Bundesamt für Statistik 17.12.2021, 07:39 Uhr

Erneute Zunahme der Internetnutzung in der Schweiz

Die Schweizer Bevölkerung nutzt das Internet immer häufiger, zeigen aktuelle Zahlen des BfS. 2021 waren dabei besonders elektronische Behördendienste nachgefragt. Gleichzeitig nimmt das Risikobewusstsein der Schweizer Surfer ab.
Die Nutzung des Internets nimmt in der Schweiz zu, das Risikobewusstsein beim Surfen dagegen ab
(Quelle: Cebit)
2021 haben 95,6 Prozent der 15- bis 88-Jährigen das Internet zumindest einmal in den letzten drei Monaten genutzt. Damit ist die Internetnutzung in der Schweiz nochmals gestiegen. 2019 waren noch 93,1 Prozent der Schweizer Bevölkerung gelegentlich online. Dies zeigen Ergebnisse der jüngsten Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BfS) zur Internetnutzung der Bevölkerung.
Auch die tägliche Nutzung hat zugenommen. Demnach surfen mittlerweile 87,7 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer jeden oder fast jeden Tag im Netz. 2019 lag die Prozentzahl noch bei 85 Prozent.
Auch bei der neusten Studie zur Internetnutzung spielt das Alter eine wichtige Rolle. Bei den Personen unter 45 Jahren surfen mehr als 90 Prozent mehrmals täglich im Netz. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Internetnutzung, wobei heute sogar die Ältesten online aktiv sind. Über die Hälfte der Personen ab 75 Jahren (53 Prozent) und drei Viertel der 65- bis 74-Jährigen (76 Prozent) nutzen das Internet täglich.
Bei der Entwicklung der Online-Aktivitäten zeigen sich pandemiebedingt grosse Unterschiede. Gesundheits- oder bildungsbezogene Aktivitäten haben deutlich stärker zugenommen als in den Vorjahren. Bestimmte Kommunikationstätigkeiten (telefonieren oder Videokonferenzen abhalten, Instant Messaging verwenden) und Freizeitaktivitäten (Musik hören oder herunterladen) sind mit einem Plus von mehr als 5 Prozentpunkten ebenfalls markant gewachsen, während die Nutzung von Dienstleistungen im Bereich Reisen und Unterkunft um 15 Prozentpunkte (von 60 Prozent auf 45 Prozent) eingebrochen ist.

Rekordanstieg bei der Nutzung von E-Government-Diensten

Auffallend ist der massive Anstieg bei der Nutzung elektronischer Behördenleistungen
(E-Government) in den letzten zwölf Monaten. Allein schon der allgemeine Anstieg der Internetnutzenden von 71 Prozent auf 80 Prozent ist bemerkenswert. Noch stärker gewachsen ist aber die Zahl der Personen, die online ein Formular ausgefüllt haben, nämlcih von 43 Prozent auf 68 Prozent der Bevölkerung.
Zu diesen Behördenformularen gehörten im Erhebungszeitraum neben Anmeldungen und Bestätigungen in Zusammenhang mit Hilfen oder Entschädigungen (KAE, EO usw.) auch Impfformulare, die von den Befragten bei ihren Antworten berücksichtigt werden konnten, sofern sie von kantonalen Gesundheitsdiensten ausgestellt worden waren.

Smartphone immer häufiger Portemonnaie

Die Zahl der E-Konsumentinnen und E-Konsumenten (mindestens ein Online-Kauf in den letzten drei Monaten) ging zwischen 2019 und 2021 von 4,9 auf 4,7 Millionen Personen leicht zurück. Bei der Häufigkeit der Internet-Käufe ist hingegen keine Veränderung festzustellen. Grund für dieses erstaunliche Ergebnis ist die Pandemie, die zu einem Verkaufseinbruch wichtiger Produkte des E-Commerce wie Flugtickets, Ferienunterkünften, Eintrittskarten für Sport- oder Kulturveranstaltungen u.ä. geführt hat.
Gleichzeitig zeigt sich bei den verwendeten Zahlungsmitteln ein Wandel der Gewohnheiten. Während der Anteil der Online-Shopper, die ihre Käufe mit einer Smartphone-App bezahlen, von 14 Prozent auf 34 Prozent der Bevölkerung angestiegen ist, verringerte sich der Anteil der Personen, die für die Bezahlung ihrer Einkäufe eine Kreditkarte verwendet haben, von 66 Prozent auf 57 Prozent. Bitcoins und andere Kryptowährungen wurden von weniger als 1 Prozent der Bevölkerung (60 000 Personen) als Zahlungsmittel angegeben.

Wenig Risikobewusstsein beim Surfen

Mit der zunehmenden Verbreitung der Internetnutzung werden auch immer mehr personenbezogene Daten gesammelt, und die Privatsphäre ist stärker gefährdet. Zwischen 2017 (in diesem Jahr wurde dieses Thema das letzte Mal untersucht) und 2021 ist der Anteil der Personen, die nach eigenen Angaben personenbezogene Daten übers Internet weitergegeben haben, von 75 Prozent auf 85 Prozent gestiegen. Die grössten Zunahmen werden bei den Kontaktinformationen (72 Prozent), den Zahlungsinformationen (68 Prozent) und dem Aufenthaltsort (50 Prozent) beobachtet.
Einem erheblichen Anteil der Internetnutzenden fehlt noch immer das Bewusstsein für die Gefahren, die die Weitergabe von personenbezogenen Daten im Internet darstellen kann. Die Zahl der Personen, die grundlegende Schutzmassnahmen ergreifen, indem sie beispielsweise den Zugriff auf ihr Profil in den sozialen Medien einschränken (54 Prozent) oder die Sicherheit der Website prüfen (50 Prozent), ist auf demselben Niveau verharrt.

Zur Verbesserung der Datensicherheit wird wenig unternommen

Schutzmassnahmen werden noch immer verhältnismässig selten getroffen, obwohl die entsprechenden Kenntnisse und das Bewusstsein für die Gefahren vermehrt vorhanden sind. Die Hälfte (48 Prozent) der Bevölkerung gab an, dass sie die Speicherung der Daten für Werbezwecke beunruhige, doch lediglich ein Drittel (34 Prozent) hat die Verwendung von Cookies in den Browsereinstellungen eingeschränkt und nur ein Fünftel (20 Prozent) verwendet eine Software, die das Tracking verhindert.
Auch für die Sicherheit der eigenen Geräte und Daten wird wenig unternommen, Tendenz sinkend. Zwischen 2019 und 2021 ist der Anteil der Internetnutzenden, die auf ihrem Computer eine Sicherheitssoftware installiert haben, von 65 Prozent auf 60 Prozent zurückgegangen. Bei der Sicherheit der Mobiltelefone zeigt sich eine ähnliche Situation. Der Anteil der Personen, die ein Smartphone nutzen und darauf eine Sicherheitssoftware installiert haben, ist von 60 Prozent auf 57 Prozent gesunken.
Sicherheitskopien der eigenen Dateien und Daten waren 2021 ebenfalls weniger verbreitet (55 Prozent der Bevölkerung) als vor der Pandemie (2019: 58 Prozent) und wurden zudem weniger regelmässig erstellt.



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