News 08.11.2012, 10:42 Uhr

Jeder Achte von Internetsucht betroffen

Gerade bei jungen Menschen ist Onlinesucht ein verbreitetes Phänomen. Die Symptome sind mit jenen von stoffgebundenen Abhängigkeiten vergleichbar.
«Für Jugendliche gibt es stationäre Angebote, um Internet- und Computersucht zu behandeln, wobei sie drei bis vier Wochen von Handys, Computern und Ähnlichem ferngehalten werden», erklärt Hans Kurt, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, im Interview mit Pressetext. Die Lage ist brisant: Computer und Internetsucht bei jungen Menschen zwischen 14 und 24 Jahren wird kontinuierlich zu einem grösseren Problem.
Jeder 40. bereits süchtig
Aktuellen Zahlen nach ist jeder Achte gefährdet. Jeder 40. weist bereits eine Sucht auf. Dies besagt eine Studie der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie. Eine tägliche Computer- oder Internetnutzung von über vier Stunden und über einen längeren Zeitraum hinweg in dieser Altersgruppe ist bedenklich und sollte behandelt werden, sagen Experten. Soziale Kontakte und andere Aktivitäten werden durch exzessiven Gebrauch benachteiligt, was zu Isolation, familiären oder schulischen Problemen sowie Schlafstörungen führt.
Grundsätzlich gibt es für Aussenstehende kein generelles Zeichen zur Erkennung dieser Sucht. «In dem Fall müssen Angehörige achtsam sein, wenn sich ein Computer- oder Internetnutzer immer mehr in die virtuelle Welt zurückzieht», sagt Kurt. «Das Internet ermöglicht das Surfen Tag und Nacht und kann unter anderem zu Schlafstörungen führen, was als Warnzeichen gesehen werden muss», so der Experte.
Individuelle Behandlung wichtig
Die Therapien reichen von verhaltenstherapeutischen Massnahmen, in denen Ziele und Regeln festgelegt werden, anderen psychotherapeutischen Verfahren, bis hin zu medikamentösem Vorgehen. Erwachsene könnten auch ambulant behandelt werden. «Vorerst muss man den Patienten kennenlernen, eine Diagnose stellen und dann einen passenden Behandlungsplan erstellen», unterstreicht der Fachmann gegenüber Pressetext. Die Sucht könne mit stoffgebundenen Abhängigkeiten verglichen werden.
Eine exzessive Nutzung kann langfristig ebenfalls zu Depressionen oder auch Sozialisationsproblemen führen. «Oft nutzen jene jungen Menschen den Computer und das Internet übermässig, die Mühe mit sozialen Kontakten haben beziehungsweise im sozialen Bereich wenig erfolgreich sind», verdeutlicht Kurt. Dadurch, dass sie wenige «reale» Freunde haben, vertiefen sie sich in die realitätsfremde Cyberwelt, in der alles möglich scheint.
«Man kann davon ausgehen, dass eher männliche Nutzer von der Sucht betroffen sind als weibliche», so der Arzt. Frauen wünschten sich dahingehend mehr direkten, emotionalen Kontakt als virtuellen.
Text: Pressetext.com/Andreea Iosa

Autor(in) Pressemeldung


Kommentare

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Nebuk
09.11.2012
Scheint mir eine äusserst aussagekräftige Studie zu sein :D. In meinem Job bin ich auf das Internet angewiesen. Ohne Internet wäre ich sehr viel ineffektiver. Die täglichen vier Stunden im Netz schaffe ich aber auch so locker ...

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schmidicom
12.11.2012
Das ganze eine Sucht zu nennen ist schon etwas übertrieben oder? Ich bin mit Sicherheit täglich mehr als 4 Stunden im Internet unterwegs zumindest dann wenn ich auf der Arbeit bin und trotzdem kann ich zwei Wochen am Strand liegen ohne das zittern zu bekommen. Ist das jetzt Sucht?