Wenden sich Werbekunden ab? 08.10.2021, 10:25 Uhr

Die Dominanz von Facebook: Blackout rückt Übermacht in den Mittelpunkt

Facebook ist ein Internet-Koloss mit 3,5 Milliarden Nutzern, superreich und technisch gewieft. Gegen Tücken der Netzwerk-Technik ist aber auch ein Konzern in dieser Liga nicht gefeit. Wenden sich Werbekunden nun ab?
(Quelle: Shutterstock/AlexandraPopova)
Für Milliarden Nutzer von Facebook war der Komplett-Blackout ärgerlich, aber nach sechs Stunden wieder vorbei. Dem Online-Netzwerk selbst kann er noch lange Ärger bringen. Denn die Tatsache, dass mit der Plattform auch WhatsApp und Instagram vom Netz gingen, löste neue Rufe nach einer Zerschlagung des Online-Giganten aus. Am Dienstag verstärkte zudem der Auftritt einer ehemaligen Mitarbeiterin im US-Senat den ohnehin schon massiven politischen Druck auf Facebook in den Vereinigten Staaten.
Senator Ed Markey, Autor diverser Gesetze zur Internet-Regulierung, richtete ungewöhnlich scharfe Worte an die Adresse von Facebooks Gründer und Chef Mark Zuckerberg: «Ihre Zeit der Invasion in unsere Privatsphäre, der Verbreitung toxischer Inhalte und der Beutezüge gegen unsere Kinder und Teenager ist vorbei.»
Der US-Kongress werde handeln, kündigte Markey an. «Sie können mit uns zusammenarbeiten oder auch nicht – aber wir werden nicht länger zulassen, dass Ihr Unternehmen unseren Kindern, Familien und unserer Demokratie schadet», schimpfte der Demokrat.

Zerschlagung gefordert

«Zerschlagt sie jetzt», forderte die einflussreiche demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. Sie verwies darauf, dass Instagram und WhatsApp nicht betroffen gewesen wären, wenn man deren Übernahme durch Facebook einst verhindert hätte. Die Demokraten halten mit Präsident Joe Biden das Weisse Haus sowie auch knappe Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat. Doch in der Kritik an Facebook demonstrieren Republikaner und Demokraten seltene Eintracht.
Die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen rief die Politik auf, für Einblick in die Funktionsweise des Online-Netzwerks zu sorgen. «Facebook formt unsere Wahrnehmung der Welt durch die Auswahl der Informationen, die wir sehen», sagte sie. Dabei wisse bisher aber nur der Konzern selbst, wie er den Newsfeed der Nutzer personalisiere. Und Facebook verweigere Forschern und Regulierern den Zugang dazu.
Dabei hätten die Mechanismen zum Teil das Potenzial, ein Suchtverhalten vor allem bei jüngeren Nutzern auszulösen, warnte Haugen. Sie wirft Facebook und der Fotoplattform Instagram unter anderem vor, Profite über das Wohl der User zu stellen. Da Zuckerberg nach wie vor die Mehrheit der Stimmrechte kontrolliere und damit auch nicht von Investoren zur Rechenschaft gezogen werden könne, sei er letztlich für alles verantwortlich.

Autor(in) dpa



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