Kommentar 02.05.2005, 13:30 Uhr

Kommentar: Die milliardenschwere Dummheit

Nach Moores Gesetz wird es bereits im Jahr 2007 Prozessoren mit über einer Milliarde Transistoren geben. Experten jubeln, mich als Anwender ärgerts. Eine traurige Zwischenbilanz.
1965 prophezeite der Ingenieur Gordon Moore, dass sich "die Anzahl der Transistoren auf einem Chip alle 18 Monate verdoppeln werde". An den damaligen Startschuss für das bis heute gültige Gesetz werden sich Freunde mehrstöckiger PC-Bauten gerne erinnern: IBMs System S/360, sozusagen die Geburtsstunde des Home-PCs, füllte gut zwei Wohnzimmer aus und hatte dabei rund 100 Transistoren intus. Heute, genau vierzig Jahre später, ist Branchenprimus Intel mit dem ersten Dual-Core-Prozessor "Pentium D" (zwei CPU-Kerne auf nur einem Prozessor) bei rund 230 Millionen Schaltkreisen angelangt. Noch krasser: Schon in zwei Jahren wird, laut Moore, die Milliarden-grenze durchbrochen - und das alles auf einem fingerbreiten Chip.
Wer nun denkt, dass diese gigantische Anzahl an Transistoren und Miniaturisierung der Beginn einer schnellen, heilen, ergo sicheren IT-Welt ist, der irrt! Genug Gegenargumente gibts für mich schon heute: Mein "super-duper-schneller" 3,4-GHz-Rechner bleibt nämlich oft beim parallelen Ausführen einfacher Anwendungen wie einer Brenn-, Office- und Antiviren-Software schlicht hängen; daneben geht keine Woche vorbei, in der mein PC trotz neustem CPU-Virenschutz wieder einen Befall meldet. Deshalb meine Bitte: Liebe Entwickler, macht doch erst mal Eure Hausaufgaben und optimiert den Chip auf gängige Software, bevor Ihr noch mehr sinnlose Schaltkreise in den nächsten Durchlauferhitzer einbaut, die zudem "unglaublich schnelle" drei Prozent mehr Leistung versprechen. Mir persönlich wärs auch egal, wenn das Moore'sche Gesetz dafür mal ein bis zwei Jahre pausieren müsste.


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