News 09.10.2014, 08:49 Uhr

Analyse: Windows 10 schielt aufs Business

Microsoft besinnt sich auf seine Stärken und rudert zurück: Nicht mehr allein den Kacheln gehört die Zukunft. Eine Analyse von Mark Schröder.
Computerworld-Redaktor Mark Schröder
Die nächste Version des Microsoft-Betriebssystems heisst Windows 10. Statt Windows 9 setzt Microsoft gleich auf Nummer 10. Der eigentlich angedachte Name «Windows One» wurde verworfen, da das erste Windows schon die Versionsnummer 1.0 trug. Windows 10 soll auch signalisieren, dass Microsoft einen Neustart seiner Betriebssystemprodukte vorhat. Der Neustart ist ambitionierter, als es auf den ersten Blick erscheint.
So ist Windows 10 nicht einfach ein neues Windows. Microsoft will alle bisher eigenständigen Betriebssystemvarianten (Windows, Windows Embedded, Windows Phone, Windows RT, Windows Server) zusammenführen. Neben dem Namen wird auch die Plattform vereinheitlicht: Ziel ist es, in Zukunft nur noch eine System-Software aktualisieren und pflegen zu müssen. Jede für Windows 10 programmierte Anwendung soll dann auf allen Devices laufen – von der Digitalbrille, dem Smartphone über das Tablet und den Desktop bis hin zum Server. So der Plan. Ob Microsoft die universelle Plattform letztendlich liefern kann, wird die Zukunft zeigen. Skeptiker glauben, insbesondere die Vereinigung der ARM-Versionen Windows Phone und Windows RT mit den Intel-Ausgaben für x86 sowie x64 wird ein Prüfstein für die Redmonder Software-Ingenieure.

Desktop statt Kacheln

Jenseits der universellen Plattform bringt Windows 10 diverse funktionelle Neuerungen mit, die sich unter «Rückkehr des Desktops» zusammenfassen lassen. So kehrt das Startmenü zurück, bekommt eine Erweiterung für Kachel-Bedienelemente und die bisherigen Kachel-Apps lassen sich im Fenster auf dem Desktop öffnen. Statt nur einen Desktop unterstützt Windows 10 künftig diverse Oberflächen, beispielsweise eine fürs Büro und eine zweite für den privaten Gebrauch.
Mit diesem Schritt zurück reagiert Microsoft augenscheinlich auf die schleppenden Verkäufe von Windows 8. Den radikalen Wechsel vom Desktop auf die Kachel-Oberfläche haben sich die User weder privat noch im Geschäft diktieren lassen. Für die grosse Masse ist das Arbeiten am PC heute (noch) etwas anderes als das Tippen und Wischen auf Smartphones oder Tablets. Dafür haben sich die User auch an andere Anwendungsszenarien und Betriebssysteme gewöhnt. Ein Windows, das beide Welten vereint, ist mehrheitlich nicht gefragt.

Windows-Lebenszyklus

Im Büro tippt das Gros der Anwender auf einer Tastatur und schubst eine Maus. Eine Kachel braucht hier niemand. Wenn jetzt Microsoft den Desktop mit cleveren Erweiterungen zurück ins Spiel bringt, könnte Windows 10 der veritable Nachfolger von Windows 7 sein.
Wir erinnern uns: Am 13. Januar 2015 endet der Mainstream-Support für Windows 7, fünf Jahre später auch der Extended-Support. Wenn Unternehmen in den nächsten Monaten mit der Evaluation von Windows 10 beginnen, sollten bis zum Ende der verlängerten Support-Phase alle heutigen Windows-7-Clients migriert sein. Dafür ist Microsoft allerdings schon jetzt gefordert. Das weiss Redmond offenbar. Für verlässliche Tests benötigen IT-Abteilungen mehr als eine Preview-Version des künftigen Windows, die nicht einmal Beta-Status hat. So versprach Redmond dann auch schon während der ersten öffentlichen Präsentation von Windows 10, die aktuelle Test-Version regelmässig zu aktualisieren. Die erste Beta, wird kolportiert, folgt nach dem Jahreswechsel. Dann können – besser sollten – die Tests beginnen.
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