News 20.11.2013, 11:19 Uhr

Xbox One: eine Baustelle mit Potenzial

Die ersten Tester haben die Xbox One bis ins Detail geprüft. Die Vielfalt der Features birgt Potenzial, hat aber auch einige Schwächen.
Am 22. November lanciert Microsoft mit der Xbox One seine neue Spielkonsole. Dabei ist der Ausdruck Spielkonsole vielleicht etwas daneben gegriffen. Die Xbox One setzt ihre Ziele weitaus höher als nur beim Gaming. Stark bewertet werden vor allem die Innovation mit Kinect und das herausragende Gamepad. Schlechter sieht es bei der Bedienung der Software und dem Design der Konsole aus.

Die Hardware

Beim Design der Xbox One üben sich die meisten Reviewer in Zurückhaltung. Bei Polygon heisst es: «Das netteste, das die Polygon-Redaktion über das Design sagen konnte, war, dass die Konsole harmlos aussieht.» Man könne den Mangel an optischem Flair nicht euphemisieren. Die Konsole wird optisch mit einem Videorekorder verglichen. Sie ist ein ganzes Stück grösser als die PlayStation 4 und hat dazu noch eine externe Stromversorgung, die ungefähr so gross ausfällt wie diejenige der Xbox 360.
Wie die PlayStation 4 setzt auch die Xbox One auf digitale Schnittstellen. HDMI und optische Audio-Ausgänge sind für Bild und Ton verantwortlich. Dazu spendiert Microsoft der Xbox One einen HDMI-Eingang. Dieser soll für die Anbindung von Settop-Boxen sorgen und so die Xbox One zum Mittelpunkt des Wohnzimmers machen. Theoretisch könnte an dem HDMI-Eingang auch eine ältere Konsole wie die PlayStation 3 angeschlossen werden, die Verzögerung würde aber zum effizienten Spielen zu gross.
Das Design der Konsole kommt nicht überall gut an
Neu verfügt die Xbox One auch über ein Blu-ray-Laufwerk. Freunde digitaler Spiele können diese auch im Onlineshop kaufen und herunterladen. Die 500-GB-Festplatte hat dieselbe Grösse wie diejenige der PlayStation 4 und ist daher ebenfalls ein wenig klein geraten. Mit Spielgrössen von bis zu 50 GB könnte die HD etwas schnell an ihre Grenzen kommen. Zudem werden externe Speichermedien zum Start der Konsole nicht unterstützt.
Über die Leistung der Xbox One wird bereits seit der Ankündigung diskutiert. Das langsamere DDR-3-RAM und die angeblich kompliziertere Architektur sollen der Xbox einen Nachteil gegenüber Sonys PS4 geben. Auch laufen einige Spiele auf der Xbox One in schlechterer Auflösung oder mit niedrigeren Bildraten als auf der PS4. Der Unterschied ist laut diversen Testern allerdings kaum bemerkbar, könnte aber zukünftig zu einem Problem werden.
Auf der nächsten Seite: Controller und Kinect

Controller und Kinect

Der Controller

Fast jede US-Publikation titelt zum Controller der Xbox One mit «Don't change what isn't broken», also: Ändere nicht, was nicht kaputt ist. Das Gamepad der Xbox 360 galt allgemein als eines der Besten in der Geschichte des Gaming. Entsprechend freuten sich nicht alle darüber, dass das Gamepad der Xbox One verändert wurde. Microsoft nahm das Design des Controllers jedoch sehr ernst. Etwa 100 Millionen US-Dollar wurde in das neue Gamepad investiert. Features wie Geruchsausgabe oder ein eingebauter Projektor wurden umgesetzt und erst dann für verrückt erklärt.
Auch ohne grosse neue Features: Beim Test konnten die meisten Tester überzeugt werden. Besonders positiv wurde das neue Steuerkreuz wahrgenommen. Dieses ist erstmals ein effektives Steuerkreuz und nicht eine Scheibe.
Kleine Verbesserungen: Auch bei der Xbox One punktet Microsoft mit dem Gamepad
Die Analog-Sticks wurden leicht erhöht und erhielten einen neuen Grip. Während die zusätzliche Gummierung gerne gesehen wurde, stösst die Erhöhung stellenweise auf Unverständnis. Auch bei den Triggern (LT und RT) scheiden sich die Geister. Sowohl beim neuen Druckgefühl der Tasten als auch beim eingebauten Rumble-Motor. Alles in allem sehen die meisten Tester aber eine Verbesserung zum Vorgänger und insgesamt ein exzellentes Gamepad.

Betriebssystem und Kinect

Microsoft wäre nicht Microsoft, wenn auf der Xbox One nicht eine Windows-ähnliche Software laufen würde. Das Dashboard der Xbox One erinnert sehr stark an das Design des PC-OS. Die Steuerung per Gamepad wird insgesamt als angenehm bewertet. Gestaltet wurde das User Interface aber für Kinect. Die Kamera wurde für die Xbox One gründlich überarbeitet und verbessert. Der Fokus der Steuerung wurde weg von der Gestensteuerung hin zur Sprachsteuerung gelegt.
Sprachbefehle können jede Aktion der Xbox One steuern. Testern zufolge funktionieren die Befehle gut, mit einer Trefferquote von etwa 85 Prozent. Vielen ist dies aber nicht genug. Kotaku meint, die Steuerung eines Menüs müsse immer mit 100-prozentiger Präzision funktionieren. Ansonsten sei die Bedienung per Gamepad immer besser.
Kinect kann viel, versagt aber bei so manchem
Überzeugen konnte besonders das Wechseln zwischen Apps. Per Sprachbefehl kann die Xbox One ein laufendes Spiel pausieren und beispielsweise Skype öffnen. Das alles in Sekundenbruchteilen. Dennoch leidet das UI der Xbox One noch unter einigen Problemen. Features wie die Integration des Streaming-Anbieters Twitch.tv oder das Lesen von QR-Codes von einem Smartphone fehlen zum Start der Konsole.
Einige Probleme mit der Sprachsteuerung konnten die Reviewer ebenfalls feststellen. Die Befehle müssen sehr exakt gesprochen werden und verlangen eine spezifische Syntax. Will man beispielsweise das Spiel Ryse: Son of Rome starten, muss der gesamte Name des Spiels genannt werden. Ansonsten erkennt Kinect den Befehl nicht.
Auf Schweizer könnte ein weiteres Problem warten. Die stark variierende Mundart wird von Microsoft kaum unterstützt werden und nicht jeder hat Lust, mit der Xbox in Schriftdeutsch oder Englisch zu quatschen.
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Xbox Live und TV-Funktionen

Xbox Live

Der Onlinedienst von Microsoft hatte in der letzten Generation stets einen kleinen Vorsprung gegenüber dem PlayStation Network der Konkurrenz. Sony konnte jedoch gegen Ende der alten Generation massiv aufholen. Microsoft muss also aufrüsten, um den Vorsprung halten zu können. Laut Angaben von Microsoft wurde dazu das Serverzentrum stark aufgerüstet. Verbesserungen im Freundesystem und im Matchmaking wurden positiv angenommen. Hier zählen besonders kleinere Verbesserungen.
Ein Verpasser seitens Microsoft ist die Unterstützung echter Namen, eines der beliebtesten Features der PlayStation 4. Auch eine Integration von sozialen Netzwerken sucht man bei Xbox Live vergebens. Diese Features sollen, zusammen mit dem fehlenden Twitch-Streaming, 2014 nachgeliefert werden. Dennoch ist die Absenz zum Verkaufsstart ein Wermutstropfen.
Microsoft stärkt auch mit der Xbox One den hauseigenen Cloud-Dienst SkyDrive. Aufgenommene Spielsequenzen können über die DVR-App direkt auf SkyDrive hochgeladen werden. Noch praktischer: Alle Spielstände von Xbox-One-Games werden sowohl lokal als auch über SkyDrive gespeichert. So können Spielstände an jeder beliebigen Konsole verwendet werden.
Das User Interface der Xbox One ist nach Windows 8 modelliert

TV-Funktionen und Smart Glass

Ein grosses Verkaufsargument der Xbox One waren stets die Funktionen neben dem Gaming. Der Name Xbox One verkauft die Konsole als das eine Gerät für das Wohnzimmer. Die Xbox soll alles beherrschen: Games, TV, Streaming, Internet und mehr. Über den TV-Guide kann eine angeschlossene Settop-Box verwaltet werden. Das funktioniert den meisten Testern zufolge gut. Wie die Xbox One Schweizer TV-Anbieter unterstützen will, ist jedoch noch nicht klar. Praktisch ist dabei auch, dass die Xbox One sämtliche Universalfernbedienungen mit Infrarotverbindung unterstützt.
Diverse Apps sollen zudem mehr Multimediainhalte bringen. Die meisten dieser Dienste sind allerdings ausserhalb der USA nicht verfügbar. Da nützt die beste Funktionalität nichts, wenn die Schweizer IP-Adresse keinen Zugang erhält. Da die Xbox One in der Schweiz offiziell erst nächstes Jahr erscheint, könnte in diesem Bereich noch einiges passieren.
Im internen Netzwerk ist die Xbox One eher nicht als Mediacenter gedacht. Zwar beherrscht die Konsole Streaming per DLNA, ein direktes Übertragen von Daten ist jedoch nicht möglich. Weder per Netzwerk noch per USB lassen sich Dateien auf die Konsole schicken.
Smart Glass fungiert als Begleiter-App für die Xbox One
Smart Glass ist Microsofts Antwort auf die Wii U. Mit der App können Spiele per Smartphone oder Tablet erweitert werden. Die Unterstützung ist von Spiel zu Spiel verschieden und reicht von kleineren Anzeigen bis hin zu Spielelementen wie dem bekannten Luftangriff per Tablet in Dead Rising 3. Smart Glass funktioniert mit Android, iOS und Windows Phone. Die App verbindet das Gerät per Wi-Fi-Direct und reduziert so die Latenz erheblich. Tester messen der App grosse Möglichkeiten zu, wenn sie aktiv in Spiele eingebaut wird. Da auch die Wii U und die PlayStation 4 über ähnliche Systeme verfügen, ist die Möglichkeit einer weiteren Verbreitung durchaus gegeben.
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Spiele und Fazit

Spiele

Das Wichtigste kommt zum Schluss: Bei den Spiele kann die Xbox One zum Start nicht nur punkten. Als stärkstes Spiel wird durchgehend Forza Motorsports 5 bewertet. Das Racing-Game gewinnt die Tester mit einer ansprechenden Optik und gewohnt starkem Gameplay. Die weiteren grossen Titel kommen weniger gut weg. Dead Rising 3 schafft es immerhin auf mittelmässige bis gute Wertungen. Kritisiert werden vor allem die langweilige Story und der fehlende Humor im Vergleich zu älteren Teilen der Serie.
Ryse: Son of Rome überzeugt optisch, bietet aber spielerisch nur wenig
Das Römergemetzel Ryse: Son of Rome wird für seine Präsentation gelobt, fällt dafür beim Gameplay auf die Nase. Zu einfach, zu repetitiv und generell langweilig. Ähnlich, wenn nicht schlechter, ergeht es Crimson Dragon. Der Nachfolger von Panzer Dragoon fällt in den Tests durch. Auch die kleineren Indie-Titel überzeugen nicht. LocoCycle, Killer Instinct und Powerstar Golf lösen bei keinem der Tester Begeisterungsstürme aus. Immerhin bietet Zoo Tycoon niedliche Tiere.

Fazit

Die Xbox One schneidet sehr ähnlich ab wie die PlayStation 4. Viele Tester sehen grosses Potenzial in der Konsole, bemängeln aber die vielen Kinderkrankheiten essenzieller Features und ein Mangel an guten Spielen. Die Xbox One bietet insgesamt mehr, kostet aber auch mehr und setzt nicht alles wie gewünscht um.



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