Ausprobiert 15.11.2021, 09:10 Uhr

App-Test: Morty, das Motivationshörnchen

Wer Ende 1990er Fan des Tamagotchi war oder ein absoluter Couch-Potato ist, sollte sich diese Motivations-App namens Morty mal anschauen. Der Rest kann darauf verzichten.
Morty auf Level 3
(Quelle: Screenshots/PCtipp.ch)
Wer erinnert sich an das Tamagotchi? Das aus Japan stammende elektronische Spielzeug stellte Ende 1990er ein virtuelles Küken dar, um das man sich vom Schlüpfen an wie um ein echtes Haustier kümmern musste. Es hatte Bedürfnisse wie schlafen, essen, trinken, Zuneigung und entwickelte auch eine eigene Persönlichkeit. Wurde es vernachlässigt, «starb» es.
Morty, das Motivationshörnchen ist eine neue Spiele-App, die dieses Spielprinzip nutzt, um Menschen beim Erreichen von Zielen zu unterstützten. Entwickelt wurde die Applikation vom Oldenburger IT-Dienstleister worldiety GmbH. Anfang November ist nun die öffentlich zugängliche Beta-Version gestartet. Die Autorin hat diese App mehrere Tage ausprobiert.
Die Betaversion ist aktuell im Google Play Store als Early Access verfügbar, für die iOS-Version gibt es einen speziellen Testflight-Link. Die offizielle Version wird ab Frühling 2022 zur Verfügung stehen.

PCtipp meint

Die App ist optisch schön gemacht und man wird durch einen Prof. Mortimer begrüsst, der informiert bzw. in die Funktionsweise der App einführt.
Update 19.11.21: Da die Bereiche «Bis 5 km mit Intervallen» und «0,7 km mit Dauerläufen» grau hinterlegt sind, machten sie im Test den Eindruck, dass sie im Beta-Test nicht verfügbar sind, sondern nur Spaziergang. Die Macher der App legen Wert darauf, dass beide anderen Optionen schon jetzt verfügbar sind. Ziele wie Mehr Entspannung, Mehr Trinken oder Mehr Schlafen funktionieren allerdings definitiv nicht, denn da erhielt ich eine Meldung, dass dies nicht in der Beta verfügbar sei. Beides hätte ich hilfreich gefunden.
Mit der Zeit kann man zwischen verschieden aussehenden «Mortys» wechseln. Etwas irritiert hat mich das virtuelle Geldsystem. Wer das virtuelle Tierchen einen ganzen Tag gut versorgt und sein Schritteziel erreicht, steigt ein Level auf und erhält dafür virtuelle Münzen und Nüsse. Die Nüsse finde ich noch sinnvoll, denn damit kann man sich etwas Ruhe «kaufen», wenn man mal eine Aufgabe nicht machen möchte oder kann (z.B. die 3000 Schritte). Nicht so ganz erschlossen hat sich mir, weshalb man für ein virtuelles Wesen auch eine virtuelle Inneneinrichtung benötigt, die man mit diesen Münzen kauft (z.B. Tapete, Bodenbelag, Wanddeko etc.). Mich störte hauptsächlich, dass man dieses Kauf-System nicht ausschalten kann, was mir auf Nachfrage bestätigt wurde. Immerhin: Ab einem gewissen Level werden Dekosachen freigeschaltet. Wer also geduldig ist, kann dem Morty also auch mal so einen Teppich oder eine Wanduhr spendieren, ohne das Kaufsystem zu nutzen.
Morty-App: Das Bezahlsystem kann nicht deaktiviert werden
Quelle: Screenshots/PCtipp.ch
Die Hauptaufgabe – und somit der Motivationsteil der App – besteht darin, den Menschen dazu zu bewegen, sich mehr zu bewegen. In der App heisst es, man soll 3000 Schritte pro Tag zurücklegen (was jetzt recht bescheiden ist). Dafür muss man der App Zugriff auf die Bewegungssensoren des Handys geben. Mich störte, dass die Messung dennoch offenbar nicht sehr präzise ist. Das Smartphone wurde meist in der Jackentasche, manchmal der Handtasche getragen. Meine Hybrid-Smartwatch zeigte stets mehr, teils deutlich mehr, gemessene Schritte als die Morty-App an. Beispiel: kurzer Gassigang, Morty: 1217 Schritte. ScanWatch von Withings am Handgelenk: 1392 Schritte.
Mir persönlich hat sich auch nach ein paar Tagen nicht ganz erschlossen, warum diese App mich zu mehr Bewegung motivieren sollte. Denn dafür gibt es auch Apps wie Pacer; man kann sich via Google Assistant einen Bewegungs-Reminder setzen oder sich von zahlreichen Fitnesstrackern oder Smartwatches erinnern lassen, dass es Zeit ist, einen Spaziergang zu machen. Deren Schritte-Messung ist meiner Erfahrung nach einiges genauer.
Ebenfalls etwas störend fand ich, dass man sich Nüsse oder Münzen kaufen kann, indem man sich einen Werbespot reinzieht. In der Beta-App funktioniert dies jedoch noch nicht.
Update 19.11.21:
Auf meine Frage, ob es z.B. einen Familienaccount gibt, um Kinder vor unpassenden Werbeinhalten zu schützen heisst es: «Bei Morty wird es in Zukunft eine Altersabfrage geben, die den werblichen Inhalt regelt. Zudem gibt es durch In-App-Käufe ebenfalls die Möglichkeit durch einen Kauf die Werbung zu entfernen. Die In-App-Käufe können allerdings auch deaktiviert werden, so dass nicht die Gefahr eines versehentlichen Kaufes entsteht.» Zielpublikum seien Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 bis 30 Jahren. Es ginge insbesondere um jene, die auf der Couch sitzen und sich zu wenig bewegen.

Kurzfazit

Optisch herzig gemacht. Wer allerdings Zuhause ein (reales) Lebewesen mit vier Pfoten beherbergt, hat bereits genügend Motivation, um nach draussen zu gehen. Auch wer eine Fitness-Uhr oder Smartwatch verwendet, kann seine Fitness ohne Verpflichtung, dieses virtuelle Wesen mehrmals am Tag zu füttern, steuern. Bei Verspielten, Personen ohne Haustier und solchen, die viel auf dem Sofa sitzen, könnte es funktionieren.



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