Der ÖV-App-Vergleich

Welche ÖV-Ticket-App ist am benutzerfreundlichsten? Wir wollten es wissen und haben Fairtiq, Lezzgo, SBB Mobile, ZVV-Ticket und BLS Mobil verglichen.

von Florian Bodoky ,Claudia Maag 02.10.2018 (Letztes Update: 20.01.2020)

Der PCtipp-ÖV-App-Vergleich wurde überarbeitet sowie erweitert und diesmal auch für Pendler genauer angeschaut. Dafür wurden ÖV-Apps von Lezzgo, Fairtiq, SBB Mobile (und SBB Preview), ZVV-Tickets und BLS Mobil berücksichtigt. Ich habe ein Halbtax und reise 2. Klasse.

Für unseren Test wurde ein Billett für eine Pendelstrecke mit vier Zonen (Zone 110, Zürich, zählt doppelt) gelöst, Zielort Zürich Sihlcity. Ausserdem schauten wir uns an, ob man zusätzliche Tickets z.B. für Hunde (oder Velos) mit der App lösen kann und wie gut und benutzerfreundlich der Check-in-Ticket-Service funktioniert.

Reisen mit Hund

Da ich seit Kurzem mit Hund zur Arbeit fahre, habe ich mir auch diese Tarife genauer angesehen. Sie sind branchenweit geregelt. Kleine Hunde bis Risthöhe 30 Zentimeter dürfen in Transportboxen, Körben etc. unentgeltlich mitgenommen werden. Für grössere Hunde muss der halbe Preis für die 2. Klasse bezahlt werden. Wer pendelt, kann ein Retour-Billett für den Hund lösen, ich habe dann für mich zudem noch ein Check-in-Ticket gelöst. Wer ab und zu verreist, hat noch die Möglichkeit, eine Hunde-Tageskarte (Fr. 35.–) zu kaufen; bei regelmässiger Reise- oder Pendeltätigkeit kann sich ein Hunde-GA lohnen (Fr. 805.–/Jahr). Weitere Infos finden Sie hier. Nutzhunde oder Assistenzhunde sind separat geregelt.

Fairtiq

Fairtiq (Android, iOS) kann für Fahrten in der ganzen Schweiz und Liechtenstein verwendet werden. Mittlerweile funktioniert Fairtiq auch für die Linz-AG-Linien, den Verkehrsverbund Vorarlberg, in Göttingen (GöVB) und in der MDV-Tarifzone 201 (Halle/Saale).

Fairtiq ist einfach und angenehm zu bedienen, aber man kann keine Abos oder Tickets für andere Personen oder einen Hund lösen Fairtiq ist einfach und angenehm zu bedienen, aber man kann keine Abos oder Tickets für andere Personen oder einen Hund lösen Zoom© Screenshots / PCtipp

Die Idee ist simpel: Man wählt die gewünschten Ticket-Einstellungen aus, startet seine Reise mit einem Wisch (Check-in), bei einer Kontrolle kann man das Ticketsymbol antippen, um ein Billett vorzuweisen und am Ziel beendet man die Reise wieder (Check-out). Die von den Nutzern tatsächlich zurückgelegte Strecke wird per GPS-Sensor erfasst. Am Ende des Tages wird Fairtiq den günstigsten Preis für die gefahrene Strecke verrechnen.

Der Vorteil: Man muss kein Ticket kaufen, sich nicht mit Zonen sowie Strecken auskennen und kann kreuz und quer mit S-Bahn, Bus, Tram oder Schiff unterwegs sein. 

So gehts:

Dank GPS-Ortung ist unser Startpunkt bereits hinterlegt. Mittlerweile kann über das Bleistift-Symbol auch eine alternative Haltestelle in der Nähe ausgewählt werden. Den grünen Regler nach rechts schieben, um die Reise zu starten. Im Sihlcity in Zürich schieben wir den Button wieder nach links, um die Reise abzuschliessen (auschecken). Sobald der Check-out durchgeführt ist (dauert einen Moment), wird der verrechnete Preis angezeigt. In einem Gebäude ist die Check-out-Lokalisierung etwas schlechter als draussen, aber es funktioniert. Für Vergessliche: Bei allen Apps vergass ich schon mal, mich wieder auszuchecken. Die Kosten hat dies aber nicht verändert. Ein Reminder nach einer gewissen Zeit wäre dennoch nett. 

Reminder ans Auschecken:

Korrektur: Bei Fairtiq gibt es eine Check-out-Warnung, welche bereits seit dem Launch 2016 vorhanden ist (Stand 20. Januar 2020).

Bei meinem Test erschien sie nicht, aber laut einem Fairtiq-Sprecher erscheint die Meldung bewusst zeitverzögert. Ausserdem muss man der App Zugriff auf die Bewegungssensoren (beim iPhone «Bewegung und Fitness») sowie die Erlaubnis geben, dass die App Benachrichtigungen senden darf.

Quittung per Mail:

Möglich (unter Benachrichtigung aktivierbar).

Mögliche Zahlungsmittel  

Mittlerweile kann mit Twint, Mastercard, Visa, PostFinance Card und Reka bezahlt werden.

SwissPass hinterlegen:

Berücksichtigt werden GA, Halbtax, A-Welle, Ostwind, Tarifverbund Zug, Tarifverbund Schwyz, diverse Z-Pass- sowie ZVV-Abos und viele mehr. 2018 konnte man den SwissPass noch nicht mit der App verknüpfen. Mittlerweile kann man den SwissPass mit Fairtiq verlinken.

Nicht möglich:

Beispielsweise SBB-Sparbillette kaufen. Diese müssen mindestens eine Stunde vor Reisebeginn gekauft werden, was der Logik von Fairtiq widerspricht. Tarife wie Klassenwechsel, Nachtzuschläge, Bergbahnen und Mehrfahrtenkarten werden nicht berücksichtigt. Nachtzuschlag: Im Zürich-ZVV- und Fribourg-Frimobil-Netz wird er laut FAQ-Webseite berücksichtigt. Auch das Lösen eines Billetts für einen Hund, ein Velo oder eine andere Person funktioniert mit Fairtiq nicht.

Auf der nächsten Seite: Lezzgo

Lezzgo

Lezzgo Lezzgo Zoom Lezzgo kann für Fahrten in der ganzen Schweiz verwendet werden. Wie Fairtiq setzt Lezzgo auf das Check-in-Ticket. Die kostenlose App gibts für Android und iOS.

Um ein Check-in-Ticket zu lösen, wischt man beim weiss-roten Button nach rechts. Falls der Standort nicht richtig erkannt wird, tippt man auf das Bleistift-Symbol, um die richtige Haltestelle auszuwählen. Auschecken: wie bekannt von rechts nach links wischen.

Reminder ans Auschecken:

In der Menü-Übersicht kann man eine Erinnerung für die Abmeldung einrichten!

Quittung per Mail:

Ja.

Mögliche Zahlungsmittel: 

Twint, Visa, Mastercard, AmEx, PostFinance Card und Reka.

SwissPass hinterlegen:

Ja. Alternativ auch Verbund-Abos direkt.

Nicht möglich:

Sparbillette sind nicht möglich. Lezzgo begründet dies damit, dass sie streckenbezogen gültig sind und daher nicht berücksichtigt werden können. Auch Nachtzuschläge und Moonliner-Fahrten oder City-Tickets sind nicht möglich.

Nächste Seite: SBB Mobile (und SBB Preview)

SBB Mobile (und SBB Preview)

Die SBB-Mobile-App der Schweizerischen Bundesbahnen (Android, iOS) ist ebenfalls kostenlos. Das Check-in-Ticket heisst bei den SBB EasyRide. Nachdem es länger in der Entwicklungs-App SBB Preview getestet worden ist, wurde die Funktion vor einiger Zeit auch in die reguläre SBB-Mobile-App integriert. Wischen Sie in der Grundansicht einfach den rot-weissen Start-Button von links nach rechts, um die Reise zu starten. 

Unter Fahrplan können Sie Reiseinformationen abrufen oder über Touch-Fahrplan durch Wischen Verbindungen eingeben, die Sie mehrfach genutzt haben oder erneut nutzen möchten. Via Schnellwahl kommen Sie zu Kurzstrecken- und Einzelbilletts oder Tageskarten. Unten finden Sie auch die Abfahrtstabellen für Verbindungen an Ihrem Standort sowie eine Karte.

Reminder ans Auschecken:

Nein.

Quittung per Mail:

Ja.

Mögliche Zahlungsmittel:

Rechnung (monatlich), Mastercard, Visa, Amex, Diners Club, MyOne, PostFinance-Karte, Reka, Twint, Apple Pay. Prepaid-Karten von Mastercard und Visa.

SwissPass hinterlegen:

Die SBB-App erlaubt das digitale Hinterlegen des SwissPass – wenn dieser in physischer Form also mal vergessen geht, sparen Sie sich den «Fünfliber», indem Sie einfach das Smartphone vorzeigen. So funktionierts:

Wie Sie Tickets für andere Personen lösen, sehen Sie im Bild unten. Ein Wermutstropfen ist aktuell, dass Tickets, die man digital kauft, ad personam ausgegeben werden. Sie können also nicht ohne Weiteres an eine andere Person weitergegeben werden, z.B. per SMS. Theoretisch könnte man einen Screenshot des QR-Codes versenden, dies ist jedoch nicht erlaubt. Allerdings können Sie in Ihrer App mehrere Reisende mit Namen erfassen und dann auf deren Namen ein Ticket kaufen. 

So erfassen Sie andere Fahrgäste So erfassen Sie andere Fahrgäste Zoom© Screenshot / PCtipp

Nicht möglich:

In der App gekaufte Billette sind personengebunden und somit nicht übertragbar.

Nächste Seite: ZVV-Tickets

 

ZVV-Tickets

Im Oktober 2018, als ich die ZVV-Tickets-App des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) erstmals testete, war sie in der Testphase. Seither hat sich die App gemacht und zu einer vielseitigen Ticket-App gemausert. Obwohl vom Zürcher Verkehrsverbund, kann die App für Fahrten in der ganzen Schweiz verwendet werden. Die kostenlose App gibts für Android und iOS.

Nebst Check-in-Ticket kann man auch Abos verlängern sowie reguläre Tickets oder Mehrfachkarten lösen Nebst Check-in-Ticket kann man auch Abos verlängern sowie reguläre Tickets oder Mehrfachkarten lösen Zoom© Screenshots / PCtipp

Sie können über die App Abos, Tickets oder Mehrfachkarten lösen. Ist z.B. das Halbtags- oder Streckenabo (ZVV NetzPass) abgelaufen, können Sie es via App erneuern. Oder ein Check-in-Ticket lösen.

Unter Tickets können nebst typischen Billetten für Zürich wie Zone 110 (Zürich), Zone 120 (Winterthur), alle Zonen/9-Uhr-Pass, aber auch Tickets anhand der Haltestelle (wird mit aktiviertem Standort automatisch erkannt/ausgefüllt) mit einem Tipp auf «Lokalnetz», «Kurzstrecke» oder «Zielort» gelöst werden. Unterhalb finden Sie eine Historie Ihrer Favoriten.

Unter «Multi» können Sie die gleichen Mehrfachfahrten erstehen. Dazu gehören Mehrfahrtenkarten/Multi-24h-Ticket, Multikarte Klassenwechsel oder Multikarte Nachtzuschlag.

Das Check-in-Ticket funktioniert wie bei den vorgängig erwähnten Apps. Tippen Sie auf Check-in-Ticket und wischen Sie beim weiss-blauen Button nach rechts, um sich einzuchecken. Bei mir wurde für eine Strecke, die hin und retour Fr. 8.80 kostet, einmal Fr. 7.50 berechnet (laut App).

Ausserdem findet man im Menü Zonen-, Linien- und Verbundpläne, sowohl für Zürich als auch für Winterthur. Allerdings funktionierten die Links in PDFs bei uns nicht immer.

Reminder ans Auschecken:

Nein.

Quittung per Mail:

Automatische Zustellung eines Kaufbelegs via E-Mail ist aktivierbar.

Mögliche Zahlungsmittel:

Derzeit kann via Twint, Visa, Mastercard und PostFinance Card bezahlt werden.

SwissPass hinterlegen:

Um persönliche ZVV- oder Z-Pass-Abo kaufen oder verlängern zu können, benötigt man einen bestehenden SwissPass, den man in der App verknüpfen kann.

Nicht möglich:

App funktioniert nicht auf Tablets.

Nächste Seite: BLS Mobil

BLS Mobil

Auch mit der kostenlosen BLS-Mobile-App von der BLS AG (Android, iOS) reist man durch die ganze Schweiz. BLS Mobile ist die einzige App, bei der man in den Einstellungen die Sprache der App auf Berndeutsch ändern kann. Fand ich sehr charmant und unterhaltsam.

Nebst Check-in-Tickets, Onlinefahrplan, Tages- und Mehrfahrten zeigt BLS Mobil auch Infos und Tickets zum Autoverlad an Nebst Check-in-Tickets, Onlinefahrplan, Tages- und Mehrfahrten zeigt BLS Mobil auch Infos und Tickets zum Autoverlad an Zoom© Screenshots / PCtipp

Nebst Fahrplanansicht kann man Tickets lösen (Bilie Choufe) – auch Tages- und Mehrfahrtenkarten. Einzeltickets kauft man unter Fahrplan. Die Standorterkennung war im Kanton Zürich nicht ganz so genau, bei der Auswahl der Station (ausserhalb Stadt Zürich) musste ich nachhelfen. Dies dauert relativ lange, da man immer wieder chatbotartig nach dem nächsten Schritt gefragt wird, z.B. U wo söus häre gah? Und so weiter. Einerseits dauert es länger, andererseits kann es sicher hilfreich sein, wenn man die App noch nicht kennt und sonst eher mit dem Auto unterwegs ist. 

Übrigens findet man auch den Fahrplan z.B. für Autoverlad Lötschberg oder Simplon und kann gleich ein Billett kaufen.

Das Check-in-Ticket basiert auf dem System von Lezzgo. Funktioniert wie gewohnt, respektive wie oben mehrfach beschrieben.

Reminder ans Auschecken:

Nein.

Quittung per Mail:

Ja.

Mögliche Zahlungsmittel: 

Twint, Mastercard, Visa, PostFinance Card, AmEx und Reka.

SwissPass hinterlegen:

In der BLS-App kann man seinen SwissPass hinterlegen.

Nicht möglich:

Bei den Hunde-Tickets gibt es derzeit nur die Tageskarte, ein halbes Retour-Billett muss wie bei den anderen Apps manuell gelöst werden.

Nächste Seite: Kurzfazit

Kurzfazit

Viele Reisende nutzen die SBB-Mobile-App; und da sie viele verschiedene Funktionen bietet und in langen Testphasen neue Features in der SBB-Preview-App ausprobiert, ist SBB Mobile eine Lösung für (fast) alles. Doch auch die ZVV-Ticket-App ist mittlerweile sehr vielseitig. Dasselbe gilt für BLS Mobil. Mal von der hässlichen grünen Farbe abgesehen, ist die App sehr vielseitig und punktet ausserdem mit der Dialektfunktion. Wer voll auf ein Check-in-Ticket setzt, für den sind Fairtiq oder Lezzgo die beste Wahl.

Was sind Ihre Erfahrungen mit diesen ÖV-Apps? Wir sind gespannt auf Ihre Rückmeldungen über die Kommentarfunktion.

Seite 1 von 6
       
       

Kommentare

  • Ulpian 02.10.2018, 15.41 Uhr

    Meine Mehrfahrtenkarte kann ich nur mit WLAN Verbindung entwerten, mit der mobilen Verbindung (4 G) funktioniert es nicht. Die ZVV sind sich des Problems bewusst, haben zurzeit aber keine Lösung. Die SBB app hingegen funktioniert tadellos.

  • miami24 02.10.2018, 16.10 Uhr

    Ich kann doch meine Mehrfahrtenkarte mit 4G entwerten und das sogar via Roaming. Was ich immer vergesse, ist das Auschecken bei diesem Check-in. Ich habe es deswegen aufgegeben.

  • jackr 02.10.2018, 17.10 Uhr

    Schade, dass die SBB-Lösung nicht getestet wurde (https://www.sbb.ch/de/fahrplan/mobile-fahrplaene/sbb-mobile-preview/easyride.html). Mir gefällt sie am besten.

weitere Kommentare

Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu verfassen.