Tests 07.05.2014, 07:08 Uhr

Test: Sony Alpha A6000

Der würdige Nachfolger der NEX-Serie ist ein Tummelplatz für Technik-Fans.
Mit der Alpha 6000 (kurz: α6000, oft auch A6000) wird Sonys populäre NEX-Serie endgültig in Rente geschickt. Trotzdem sind sich die Japaner treu geblieben, denn die neue 24-Mpx-Kamera sieht fast genauso aus wie ihre Ahnen. Die α6000 orientiert sich dabei am oberen Segment und versteht sich als Nachfolger der NEX 7 respektive der NEX 8. Doch im Inneren hat sich einiges getan, wie wir noch sehen werden. Getestet wurde die α6000 zusammen mit dem Kit-Zoom 16-50 mm (ƒ3.5-5.6), was einer Kleinbild-Brennweite von 24-75 mm entspricht.

Das Gehäuse

Die α6000 lädt förmlich dazu ein, mit ihr herumzuspielen. Trotz den geringen Abmessungen liegt die Kamera hervorragend in der Hand, was auch dem grossen, gummierten Wulst auf der Vorderseite zu verdanken ist: Er vermittelt das Gefühl, dass die α6000 förmlich an der Hand klebt. Zusammen mit dem Zoom beläuft sich das Gewicht auf gerade einmal 461 Gramm. Das Gehäuse ist hochwertig verarbeitet und die Einstellräder sind weder zu leicht- noch zu schwergängig. Kurz, der erste Eindruck könnte nicht besser sein.
Passt wie ein Handschuh
Quelle: PCtipp / ze
Auf der Oberseite befindet sich der Blitzschuh, der auch ein externes Sony-Mikrofon speist. Es folgen der eingebaute Blitz, das Wählrad für die Belichtungsprogramme sowie ein universelles Funktionsrad. Je nach Belichtungsprogramm ändert es die Zeit-/Blendenkombination (P), die Blende (A und M) oder die Verschlusszeit (S). Alternativ kann das Funktionsrad auch für die Belichtungskorrektur verwendet werden. Doch damit werden alle anderen zugedachten Funktionen hinfällig, und ausserdem verhindert die fehlende Beschriftung, dass es zu einem gleichwertigen Ersatz für ein «echtes» Belichtungskorrektur-Rad wird.
Aufgeräumt und griffig
Quelle: PCtipp / ze
Auf der Rückseite befinden sich üblichen Funktionstasten sowie das Display, das sich nach oben und unten kippen, aber nicht schwenken lässt. Die vielen aufgedruckten Symbole wirken auf den ersten Moment ein wenig abschreckend, aber das gibt sich wieder, sobald man sie ignoriert. Dazu später mehr.
Zu viele Symbole
Quelle: PCtipp / ze
Positives findet man auch auf der Unterseite: Das Stativgewinde ist weit genug vom Akku- und Kartenfach entfernt, dass sich dieses auch dann öffnen lässt, wenn der Stativadapter montiert ist.
Apropos Akku: Leider wird mit der α6000 kein Ladegerät mitgeliefert, sondern nur ein kleines USB-Netzteil. Es verbindet die Steckdose mit der α6000 – der Akku wird also direkt in der Kamera geladen. Dieses Prinzip ist alles andere als benutzerfreundlich, wenn zum Beispiel in den Ferien die Akkus im Hotel geladen werden sollen, während die Kamera auf Tour ist. Das externe Netzteil «BC-TRW» ist zurzeit in der Schweiz kaum erhältlich und kostet sogar auf Ebay über 80 Dollar. Zusammen mit einem oder zwei Ersatz-Akkus kommt für Weltenbummler ein unerfreulich hohes Sümmchen zusammen.

Der Sucher

Die Auflösung des OLED-Suchers wurde im Vergleich zur NEX-7 von 2.3 Mio. auf 1.4 Mio. Pixel reduziert. Trotzdem überzeugt er mit seiner Schärfe, der Helligkeit und seiner Reaktionsfreudigkeit. Positiv ist auch die grosse Augenmuschel, die das Sonnenlicht weitgehend aussperrt und dafür sorgt, dass sich das Sucherbild sogar bei gleissend hellem Licht einwandfrei erkennen lässt.
Das Sucherokular ist hervorragend – solange man kein Brillenträger ist
Quelle: PCtipp / ze
Allerdings sind Brillenträger die Gelackmeierten; für sie bedeutet die ausgeprägte Augenmuschel eher einen Nachteil, weil sich der Abstand zwischen Okular und Auge zusätzlich vergrössert. Hier hilft nur die eingebaute Dioptrienkorrektur (-4 bis +3). Weil sie unter der Augenmuschel versteckt ist, artet die Justierung in eine ziemlich Fummelei aus – ganz besonders für linksäugige Fotografen. Ein weiteres Ärgernis sind die fehlenden Markierungen auf dem Einstellrad, sodass man sich nicht einmal die Position merken kann.

Das Display

Das 3-Zoll-Display der α6000 verfügt über eine Auflösung von mit 921’600 Pixeln. Es lässt sich um 45 Grad nach oben und um 90 Grad nach unten kippen – der Klassiker, um in Bodennähe und über Menschenmassen hinweg zu fotografieren. Es reagiert zwar nicht auf Berührungen, doch damit haben wir keine Probleme, weil die Bedienung über die Menüs ausgesprochen flott funktioniert.

Der Blitz

Und zu guter Letzt ist da noch der integrierte Blitz, der mit einer eigenen Taste aus dem Gehäuse befreit wird. Neben den typischen Funktionen bietet er die Möglichkeit, als Commander eine grosse Blitzanlage zu steuern.
Der Blitz lässt sich auch zur Steuerung einsetzen
Quelle: PCtipp / ze
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Bedienung und Ergonomie

Die ganz persönliche Kamera

Dass die α6000 fast perfekt in der Hand liegt und mit einer sehr angenehmen Haptik punktet, hatten wir schon. «Ergonomie» definiert sich aber vor allem in der Bedienung. Dieser Aspekt wird für die Hersteller immer mehr zu einer Herausforderung, weil schier endlos viele Funktionen und technische Spielereien in den Kameras verbaut werden.
Um es vorwegzunehmen: Sony hat hier ganze Arbeit geliefert.

Die mechanischen Tasten

Das beginnt mit der Belegung der mechanischen Tasten auf der Rückseite, die sich an die Vorlieben des Fotografen anpassen lassen. Nicht weniger als 43 Funktionen können auf die folgenden 7 Tasten gelegt werden: AEL, die Taste in der Mitte des Wählrads, die umliegenden vier Steuertasten und natürlich die Funktionstasten C1 und C2. Zu den belegbaren Funktionen gehören unter anderem die Gesichtserkennung, HDR, der Bildstabilisator und viele andere Funktionen, die man normalerweise tief aus den Menüs hervorkramen muss.
Kurz, man fühlt sich wie an einem reichhaltigen Buffet und kann sich fast nicht entscheiden, welche Leckereien man sich auf den Teller legt. Allerdings haben diese Anpassungen eventuell zur Folge, dass die Tasten auf der Rückseite falsch beschriftet sind. Doch wie bereits erwähnt: Am besten lernt man, diese übermässig vielen Symbole einfach zu ignorieren.

Menüs total

Selbst wenn die Funktionen über das Display aufgerufen werden, findet jeder Topf seinen Deckel. Das konventionelle Menü strotzt nur so vor Einstellungen. Dank seinem straff gegliederten Aufbau bleibt es trotzdem durchschaubar. Die unzähligen Funktionen und Einstellungen werden ausserdem erklärt, wenn man über einer Funktion die C2-Taste drückt. Schade nur, dass der verfügbare Platz überhaupt nicht ausgenutzt wurde, sodass in wenigen Fällen auch Fragen offen bleiben.
Zu viele Symbole
Quelle: PCtipp / ze
Die 12 wichtigsten Funktionen lassen sich ausserdem aufrufen, indem die Fn-Taste auf der Rückseite gedrückt wird. Welche das sind, entscheidet auch hier der Fotograf. Werden alle Slots der oberen Reihe als «Nicht festgelegt» deklariert, verschwindet diese Reihe ganz, damit mehr vom Bild zu sehen ist.
Das flächendeckende Schnell-Menü wird über die DISP-Taste eingeblendet und zeigt alle Einstellungen auf einen Blick, inklusive Histogramm. An diesen Werten kann man sich sowohl orientieren, als auch die Einstellungen mit einem Druck auf die Fn-Taste ändern.
Dieses Menü zeigt nicht nur die Einstellungen, sondern kann diese auch ändern
Quelle: PCtipp / ze
Kurz, die neuen Menüs sind eine wahre Wohltat im Vergleich zur missglückten Bedienung der alten NEX-Reihe.

Kleine Schwächen

Trotzdem gibt es auch kleine Schwächen, die eine Erwähnung verdienen. So fehlt bei der α6000 zum Beispiel ein künstlicher Horizont, was nicht nur den Landschaftsfotografen sauer aufstossen dürfte. Und wer sich oft am Histogramm orientiert, muss feststellen, dass dieses ausgerechnet dann ausgeblendet wird, wenn man an der Belichtung schraubt. Diese unerfreuliche Unterbrechung dauert jeweils etwa drei Sekunden, die sich anfühlen wie eine halbe Minute.

Autofokus

Sony wird nicht müde, in der Werbung den Autofokus der α6000 ins Rampenlicht zu stellen. Dieser arbeitet mit einer Mischung aus Kontrast- und Phasenerkennung. Mehr noch: Ganze 179 Messpunkte der Phasenerkennung sollen laut Sony 92% der Sensorfläche bedecken, was dazu führt, dass die α6000 den schnellsten Autofokus der Welt bietet. Allerdings wird diese selbstverliehene Auszeichnung regelmässig auch von anderen Kameraherstellern beansprucht, indem einfach die Messmethode und die Aufnahmesituation «optimiert» werden.
Zugegeben, der Autofokus ist schnell. Sogar wenn die Kamera bis zu elf Bilder pro Sekunde in sich hineinhämmert und der Fokus kontinuierlich nachbessert, gelingen meistens scharfe Bilder. (Königsdisziplin: Personen, die mit strammem Schritt direkt auf die Kamera zulaufen.) Allerdings ist es nicht so, dass sich die Besitzer einer α6000 genüsslich zurücklehnen und das Thema ad acta legen könnten. Nach wie vor verschätzt sich der Autofokus in kniffligen Situationen, oder wenn sich ein nahegelegenes Motiv schnell bewegt.
Im Dämmerlicht mischt sich die α6000 dann unter die Herde der anderen Kameras, die Unterstützung beim Scharfstellen benötigen. Das ziemlich aggressive Hilfslicht wird unverzichtbar und das Tempo sinkt. Die Trefferquote in solchen Situationen ist akzeptabel, aber gegenüber anderen modernen Kameras nicht überragend viel besser.

Manueller Fokus

Auch für die manuelle Fokussierung hält die α6000 Hilfen bereit. Auf Wunsch wird die angepeilte Stelle automatisch vergrössert. Das Fokus-Peaking färbt die Kanten des scharfen Bereichs wahlweise Gelb, Rot oder Weiss. Eigenschaften also, die man heute bei den meisten besseren Systemkameras findet.
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Objektiv und Bildqualität

Das Kit-Objektiv

Die Sony α6000 ist als Gehäuse oder zusammen mit dem Zoom 16-50 mm lieferbar. Diese Brennweite entspricht auf Kleinbild umgerechnet 24-75 mm – ein netter Zustupf im Weitwinkelbereich, weil die meisten anderen Kit-Zooms bei 28 mm beginnen. Die Lichtstärke beträgt ƒ3.5-5.6. Diese Werte sind alles andere als spektakulär – aber dafür besticht das Objektiv durch seine leichte und kompakte Bauweise.
Das Objektiv ist die Achillesferse des Kits
Quelle: PCtipp / ze
Die einzigen zwei Bedienelemente sind ein Drehring sowie ein Wippschalter für die Brennweite. Wenn der Autofokus aktiv ist, kann wahlweise über den Drehring oder mit der Wippe gezoomt werden; beim manuellen Fokussieren wird der Ring jedoch für die Scharfstellung verwendet, sodass nur mit der Wippe gezoomt werden kann. Sie ist auch bei Videos die erste Wahl, weil sie die Brennweite gleichmässiger ändert, also das mit der Hand möglich wäre.
Ring und Wippe
Quelle: PCtipp / ze
Leider vermittelt das Objektiv nicht einmal ansatzweise dieselbe Wertigkeit wie die Kamera. So wird der Ring nicht über einen Schneckengang bewegt, sondern über Motoren gesteuert. Das ist heute auch bei anderen modernen Objektiven der Fall und kann in der Praxis sehr gut funktionieren – aber nicht bei der α6000. Der Ring fühlt sich beim Zoomen und bei der manuellen Fokussierung schwammig an. Und wenn man ihn schnell dreht, gibt das Objektiv hässliche Geräusche von sich, als hätte es Sand im Getriebe.

Bildqualität

Auch bei der Bildqualität ist es schwer, ein gutes Haar an diesem Zoom zu lassen. Am weitwinkeligen Ende zeigt es eine unglaubliche tonnenförmige Verzeichnung, die man allerdings erst dann sieht, wenn in Raw fotografiert wird. Tatsächlich könnte man im ersten Moment glauben, dass hier ein Fischaugen-Effekt am Werk war. Dazu kommen extreme Abschattungen in den Ecken (siehe unten links und rechts). Diese verschwinden allerdings, weil das Bild noch in der Kamera beschnitten wird. Hier das Raw-Bild in Adobe Camera-Raw:
Die Raw-Aufnahme in Camera Raw. Man beachte die Stange links und die Mauerkante rechts.
Quelle: PCtipp / ze
Und hier das JPEG aus der Kamera:
Das JPEG, korrigiert durch die Kamera
Quelle: PCtipp / ze
Die Kamera rechnet sich also diese gravierenden Objektivfehler schön, wenn in JPEG fotografiert wird – bei Raw-Aufnahmen werden die Mängel jedoch gnadenlos sichtbar. Einige Raw-Converter sind in der Lage, diese Verzerrungen durch die Objektivprofile in der Raw-Datei zu kompensieren. Dazu gehören auch die aktuellen Versionen von Adobe Photoshop und Lightroom. Doch das ist im Prinzip Augenwischerei.
In der Mitte ist die Bildqualität gerade noch annehmbar, flaut jedoch zu den Ecken hin deutlich ab. Das gilt vor allem für den Weitwinkel-Bereich und verbessert sich erst mit zunehmender Brennweite. Hier eine Aufnahme mit der kürzesten Brennweite von 16 mm. Die Schärfe wurde auf die Tafel gelegt:
Die Übersicht …
Quelle: PCtipp / ze
Und hier der Crop, der die Schwächen deutlich zeigt:
… und der Crop. Auweia!
Quelle: PCtipp / ze
Die Bilder erfahren immerhin eine Aufwertung, weil die Kamera mit knackigen Farben und einem hohen Dynamikumfang punktet. Die Fotos wirken in den Standardeinstellungen zwar ein wenig blass, doch mit der Bildanpassung «Vivid» (lebhaft) entstehen einwandfreie Ferienbilder, die man gerne herumzeigt.
Wenn man es nicht zu genau nimmt, stimmt die Qualität bei unproblematischen Motiven
Quelle: PCtipp / ze
Kurz, diese feine Kamera hätte ein besseres Kit-Zoom verdient. Es ist unverständlich, warum Sony einen solchen Scherbenhaufen zu einer Kamera mitliefert, die sich an die anspruchsvollen Amateure wendet.
Andererseits beträgt der Aufpreis zwischen dem nackten Gehäuse und dem Set gerade einmal etwa 140 Franken – was will man da gross erwarten? Und wenn die Kamera später verkauft wird, holt man einen besseren Preis heraus, wenn ein Objektiv dabei ist. Deshalb die Empfehlung: Die Kamera im Set kaufen, aber nur zusammen mit einem anderen Objektiv – und dann vergisst man das Kit-Zoom am besten, bis die α6000 irgendwann den Besitzer wechselt.

Low-Light-Aufnahmen

Das Zoom ist mit einem integrierten Bildstabilisator ausgestattet, aber auch dieser kann die heute geltenden Standards nicht erreichen.
Hier die Übersicht – eine Freihandaufnahme mit 1/8 Sekunde und einer mittleren Brennweite von ca. 50 mm (KB).
Die Übersicht, aufgenommen mit 1/8 Sekunde
Quelle: PCtipp / ze
Und hier der Crop. Das obere Bild wurde mit dem Sony-Zoom geschossen, das untere mit dem 18-55 mm Standard-Zoom von Fujifilm:
Die Crops: Oben die Sony α6000, unten die Fujifilm X-E2 mit dem Zoom 18-55 mm.
Quelle: PCtipp / ze
Wie Tag und Nacht. Allerdings liegt das nicht daran, dass das Fujifilm-Zoom so wahnsinnig gut ist, denn eine solche Beruhigung schaffen heute auch viele andere Kameras und Objektive. Vielmehr ist die Leistungsfähigkeit des Sony-Stabilisators einfach nicht zeitgemäss. Bei dieser Gegenüberstellung sollte jedoch erwähnt werden, dass das Fujinon-Objektiv etwa das Vierfache kostet.

Rauschverhalten

Die α6000 fotografiert mit einer Empfindlichkeit von bis zu 25’600 ISO, wobei über das ganze Spektrum auch das Raw-Format fotografiert werden kann – ein Plus für alle, die Fotos zum Beispiel mit einer spezialisierten Software in Photoshop entrauschen möchten.
Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit, drei Aufnahmen in schneller Folgen schiessen zu lassen. Anschliessend pflückt sich die Kamera die besten Bildeigenschaften heraus und setzt sie zu einem neuen, besseren Bild zusammen. Das funktioniert einwandfrei, allerdings nur mit JPEG-Dateien; die Raw-Originale werden leider nicht gespeichert.
Im Dämmerlicht wird ersichtlich, dass die hohe Auflösung von 24 Megapixeln hinderlich wird. Bei 800 ISO beginnen feine Details ein wenig zuzuschmieren, wobei sich die Qualität bei 1600 ISO kaum verändert. Bei 3200 ISO ist die Qualität immer noch sehr gut. 6400 ISO sind das Höchste, was man der Kamera zumuten sollte. Alles, was darüber liegt, endet im Matsch. Hier die Übersicht:
Die Übersicht
Quelle: PCtipp / ze
Und hier die verschiedenen Crops:
ISO-Vergleich: Über 6400 ISO wird’s ein wenig garstig
Quelle: PCtipp / ze
Allerdings muss man dem internen JPEG-Konverter zugestehen, dass er das Rauschen sehr erfolgreich unterdrückt. Die Verwendung des Raw-Formates, zusammen mit einer spezialisierten Software, verbessert das Resultat nur unwesentlich.
Kurz, für eine 24-Megapixel-Kamera liefert die α6000 eine überraschend gute Qualität im Dämmerlicht; die Fortschritte bei den Sony-Sensoren erstaunen immer wieder. Trotzdem hätten wir uns bei den höheren ISO-Werten eine bessere Qualität gewünscht und wären dafür auch mit einer tieferen Auflösung zufrieden gewesen.
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Fotografische Möglichkeiten

Fotografische Möglichkeiten

Die α6000 ist der perfekte Spielplatz für Fotografen, die von Funktionen nie genug bekommen können. Zum einen bietet die Kamera viele solide Möglichkeiten, die man heute von einem gehobenen Gerät erwartet. Zum anderen lässt sie sich über Apps deutlich erweitern. Zum Standard-Umfang gehören:
Motivprogramme. Die Motivprogramme sind zahlreich und nützlich. Sie umfassen so typische Szenen wie Sport, Portraits, Landschaft und mehr. Dabei zieht die Kamera alle Register. Wird zum Beispiel Portrait angewählt, wird die grösstmögliche Blende für einen unscharfen Hintergrund angewählt; die Hauttöne werden optimiert und die Kamera fokussiert automatisch auf jenes Auge, das näher bei der Kamera ist.
Die meisten Motivprogramme erlauben die gleichzeitige Speicherung von Raw- und JPEG-Dateien, sodass man jederzeit mit Netz und doppeltem Boden arbeitet. Leider muss auch die Makro-Funktion aus den Motivprogrammen hervorgekramt werden; für diese wichtige Funktion hätten wir uns jedoch eine eigene Schalterstellung gewünscht.
Dynamikumfang und HDR. Für kontrastreiche Szenen, die den Sensor überfordern könnten, bietet die α6000 zwei Einstellungen. Die eine optimiert die Lichter und Schatten bereits in der Kamera, wobei auch in Raw fotografiert werden kann. Diese Funktion kann dauerhaft eingeschaltet bleiben, lässt sich aber auch deaktivieren. Dazu kommt die automatische HDR-Funktion, die in schneller Folge drei Bilder schiesst und diese zu einer neuen Szene zusammensetzt – allerdings funktioniert sie nur mit JPEG-Dateien.
Panorama. Die allseits beliebten Panoramas werden erzeugt, indem die Kamera über eine Szene bewegt wird, während sie in maximalem Tempo Einzelbilder schiesst und diese später zusammensetzt. Die α6000 meistert diese Disziplin ohne sichtbare Übergänge.
Die Panoramas sind makellos und zeigen keine Nahtstellen
Quelle: PCtipp / ze
Farbgebung. Und dann sind da noch die unterschiedlichen Farbgebungen. Fertige Zusammenstellungen wie «Neutral», «Lebhaft», «Portrait» oder «Landschaft» sorgen dafür, dass die persönlichen Vorlieben befriedigt werden.

Apps für die Kamera

Über Apps lässt sich der Funktionsumfang zusätzlich erweitern. Dazu gehören zum Beispiel Programme für die Langzeitbelichtung, aber auch hilfreiche Apps, um die Fotos beim Ausschalten automatisch auf das Smartphone zu übertragen.
Die Apps sind zahlreich, aber nur in Ausnahmefällen kostenlos
Quelle: PCtipp / ze
Wenn die α6000 in ein WLAN eingebunden ist, können die Programme direkt in der Kamera geladen werden. Allerdings ist dazu ein Sony-Account nötig, wie er zum Beispiel auch für das Playstation Network verwendet wird. Eine Übersicht über die verfügbaren Apps und deren Preise finden Sie hier.

Video

Die α6000 filmt in Full-HD (1080p). Als Bildrate stehen 24 fps zur Verfügung, falls ein Kino-ähnliches Filmerlebnis gewünscht wird. Ausserdem kann je nach Einstellung (PAL oder NTSC) auch mit 50 respektive 60 fps gefilmt werden. Wird jedoch in NTSC gefilmt, nervt die Kamera bei jedem Einschalten mit dem Hinweis «Läuft in NTSC», der erst verschwindet, wenn eine beliebige Taste angetippt wird. Macht das bitte weg, Sony!
Die Filmaufnahme wird über die dedizierte Taste unter dem Funktionsrad gestartet und beendet. Diese Platzierung verhindert vielleicht ungewollte Aufnahmen, aber die Bedienung wird deswegen auch ein wenig umständlich.
Die Filmtaste ist unglücklich platziert. Auf der rechten Stirnseite befindet sich das NFC-Modul, zu erkennen am Logo.
Quelle: PCtipp / ze
Die α6000 bietet leider keinen Anschluss für ein externes Mikrofon. Stattdessen gibt es nur das Sony-eigene Modell ECM-XYST1M (ca. 200 Franken), das auf den «Multi Interface-Zubehörschuh» gesteckt wird.
Das externe Mikrofon ECM-XYST1M (Bild: Sony)
Quelle: Sony
Ein zuschaltbares «Zebra-Muster» zeigt bereits auf dem Display, welche Lichter und Schatten keine Zeichnung mehr aufweisen. Das funktioniert auch bei Fotos. Die Anzeige ist zwar praktisch, kann aber auch irritierend wirken.

Wifi und NFC

Die α6000 verfügt über ein integriertes Wifi-Modul. Dieses ermöglicht den Zugriff auf das Internet, um Fotos direkt zu einem Dienst hochzuladen (über ein Zusatzmodul aus dem App Store) oder um neue Apps herunterzuladen. Ausserdem kann die Kamera selbst zu einem Wifi-Hotspot werden und anschliessend Bilder zu einem Smartphone übertragen. Dazu wird die kostenlose App «PlayMemories Mobile» benötigt, die für iOS und für Android angeboten wird.
Allerdings ist die Übertragung unter Android deutlich einfacher, wenn das Smartphone mit NFC ausgerüstet ist. Das NFC-Modul wird jedoch nicht für die Bildübertragung genutzt, denn dafür ist die Technik viel zu langsam. Vielmehr werden Smartphone und Kamera aneinandergehalten, damit automatisch eine Wifi-Verbindung aufgebaut wird. Anschliessend lassen sich die Fotos schnell und komfortabel austauschen. In unserem Test funktionierte der Datenaustausch mit einem HTC One perfekt und mit geringem Aufwand.
Ganz anders die Erfahrungen mit dem iPhone: Da sich das Apple-Gerät nicht mit NFC versteht, muss in den WLAN-Einstellungen zuerst die Kamera als Zugangspunkt angewählt werden. Auch in mehreren Anläufen gelang es uns nicht, eine tragfähige Verbindung herzustellen, die den Fototausch ermöglicht hätte.
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Kaufempfehlung und Fazit

Kaufempfehlung

Die α6000 kann in fast jeder Hinsicht überzeugen. Sony hat den Spagat geschafft und die zahlreichen Funktionen übersichtlich verpackt. Die enorme Anpassungsfähigkeit erlaubt es, dass man sich diese Kamera auf den Leib schneidert. Wer eher puristische Ansätze verfolgt, kann die Bedienung auf wenige Schalter und Knöpfe reduzieren. Und wer nie genug bekommt von Schnickschnack und Spielereien, wird erst recht bedient. Zusammen mit dem griffigen, ergonomischen Gehäuse läuft alles auf einen Punkt hinaus: Es macht Spass, mit dieser Kamera zu fotografieren – und mehr kann man als Amateur nicht erwarten.
Umso deutlicher muss das Kit-Zoom kritisiert werden. Dieser Flaschenboden ist nicht das, was diese Kamera verdient hätte – denn dafür ist α6000 nicht nur zu gut, sondern auch zu teuer. Wer ihr Potenzial ausnutzen will, muss zwangsläufig zu einer anderen Optik greifen. Genau genommen müsste unsere Wertung um eine Stern reduziert werden, doch weil der Aufpreis zum nackten Gehäuse mit 140 Franken eher moderat ausfällt, wollen wir das Kit-Zoom an dieser Stelle nicht überbewerten.
Fazit: Die Sony α6000 ist eine hervorragende Allrounder-Kamera, die praktisch keine Wünsche offen lässt. Wenn sie zusammen mit einem hochwertigen Objektiv gekauft wird, verdient sie eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Testergebnis

Ergonomie, Funktionsvielfalt, Anpassungsfähigkeit, Autofokus
Unwürdiges Kit-Zoom, Filmtaste, fummelige Dioptrienkorrektur

Details:  APS-C, 24 Mpx, Full-HD mit bis zu 60p, Wifi, NFC, inklusive Zoom 16-50 mm (ƒ3.5-5.6)

Preis:  849 Franken

Infos: 
www.sony.ch

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