Tests 07.02.2019, 08:28 Uhr

Test: Mac mini (2018)

Genauso gross und mächtig, wie Sie es gerne hätten.
Es dauerte fast auf den Tag genau vier lange Jahre, bis Apple dem Mac mini eine Aktualisierung verpasste. Während dieser Zeit mutmassten die vielen Fans bereits, dass Apple diese Linie einstampft, doch weit gefehlt: Der Mac mini 2018 mutierte über Nacht vom totgesagten Mauerblümchen zum vielleicht spannendsten Desktop-Mac überhaupt.
Sieht aus wie früher, nur dunkler
Quelle: Apple, Inc.
Sehen wir uns zuerst an, was geblieben ist: Das Gehäuse ist in Form und Grösse eine exakte Kopie des Vorgängers, allerdings neu in gediegenem «Spacegrau». Zum Lieferumfang gehört neben dem Gerät nur gerade das Netzkabel. Es gibt keinen Mac, der noch spartanischer daherkommt, aber das ist gewollt: In einer Serverfarm wird vielleicht nur ein Ethernet-Kabel angeschlossen, während ein konvertierender PC-Anwender seine ganze Peripherie übernehmen möchte.
Der Formfaktor ist geblieben, und daran gibt es nichts auszusetzen
Quelle: PCtipp / ze
Was ebenfalls auffällt, ist der Einstiegspreis von 929 Franken. Der neue Mac mini ist nicht länger der «Bilig-Mac», der Windows-Anwender ins andere Lager ziehen soll, damit sie relativ preiswert das unbekannte Gewässer erkunden können – es geht nur noch darum, ob ein Interessent «viel» oder «ganz viel» Mac will. Doch darauf kommen wir später noch zu sprechen.

Anschlüsse satt

Die äusseren Unterschiede sind auf der Rückseite auszumachen. Neben zwei USB-3.1-Anschlüssen warten dort vier Thunderbolt-3-Ports im USB-C-Format. Diese Anschlüsse bewegen maximal 40 Gbit pro Sekunde – und falls ein Monitor angeschlossen wird, ist natürlich auch DisplayPort mit an Bord. Ausserdem ist jeder der vier Anschlüsse in der Lage, andere Geräte mit bis zu 100 Watt mit Strom zu versorgen. Dazu kommen eine Klinkenbuchse und ein HDMI-2.0-Anschluss. Standardmässig ist ein Gigabit-Ethernet-Anschluss verbaut; doch gegen einen Aufpreis von ca. 110 Franken wird dieser gegen einen 10-Gbit-Anschluss getauscht. Die Klinkenbuchse rundet den Reigen der Anschlüsse ab.
Die Anschlüsse sind neu (unten), aber der Slot für die SD-Karte hätte gerne bleiben dürfen
Quelle: PCtipp / ze
Der Mac mini ist also bei den Anschlüssen auf der Höhe der Zeit. Allerdings sind die beiden USB-A-Buchsen für einige Anwender wohl zu wenig, auch wenn die Zeit für diese Stecker (endlich!) abläuft. Vor allem aber wird so manchem Käufer sauer aufstossen, dass Apple den Slot für SD-Karten gestrichen hat. Der hätte nämlich bestimmt noch Platz gehabt. 

Displays und Grafik

Über Thunderbolt 3 kann der Mac mini ein 5K-Display oder zwei 4K-Displays ansteuern. In jedem Fall lässt sich über HDMI ein weiteres 4K-Display hinzufügen, sodass zum Beispiel drei 4K-Displays gleichzeitig betrieben werden können.
Wir werden noch auf die Flexibilität bei der Konfiguration zu sprechen kommen, doch ein Element ist bei allen Mac-mini-Modellen gegeben: die integrierte Grafik «Intel UHD Graphics 630». Sie entspricht in der Leistung etwa dem, was man bei den Gamern wohlwollend als «Einsteiger-Grafikkarte» bezeichnen würde: ganz in Ordnung, aber nichts für Leistungsfanatiker.
Für Nicht-Gamer reicht die Leistung locker. Eng wird es natürlich bei komplexen 3D-Anwendungen wie AR oder VR. Und wenn riesige Bilder und Videos in Programmen herumgeschoben werden, die sich auf die Grafikeinheit stützen, wäre eine schnellere Karte ebenfalls von Vorteil.
Doch der Mac mini ist klein und leistungsfähige Grafikkarten können sehr heiss werden – das ergibt keine gesunde Mischung, wie man sich leicht vorstellen kann. Allerdings bietet sich dazu eine Lösung an: eGPUs, also externe Grafikkarten, die über Thunderbolt angeschlossen werden. Apple selbst bietet im Store zwei Modelle an:
Blackmagic eGPU mit einem Radeon-Pro-580-Grafikprozessor und 8 GB GDDR5-Grafikspeicher für 739 Franken
sowie die
Blackmagic eGPU Pro mit dem Radeon-RX-Vega-56-Grafikprozessor und 8 GB HBM2-Grafikspeicher für 1359 Franken.
Die eGPU von Blackmagic sorgt für die passende 3D-Leistung
Quelle: Apple, Inc.
Diese eGPUs sind zwar nicht Bestandteil dieses Testes; aber sie zeigen, dass der neue Mac mini im Gegensatz zu seinen Vorgängern bei 3D-Anwendung kaum an seine Grenzen gebracht werden kann, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist. Denn von beiden Modellen lassen sich bis zu vier Stück über Thunderbolt 3 zusammenschalten, wobei weiterhin nur ein Kabel zum Mac mini führt. Jede eGPU bietet eigene Thunderbolt- und HDMI-Anschlüsse, um Displays anzusteuern, aber die schiere aufaddierte Rechenleistung kann auch für Video-Renderings oder 3D-Berechnung verwendet werden – vorausgesetzt, die jeweilige Anwendung versteht sich mit eGPUs.

Lärm (oder eben nicht)

Den alten Mac mini konnte man mit zwei Festplatten bestellen; das aktuelle Modell gibt es nur noch mit einem SSD. Dadurch wird im Innern sehr viel Platz frei, der sich komplett dem thermischen Design verschreibt. Deshalb interessierte uns vor allem die Geräuschentwicklung. Dazu haben wir zwei Modelle getestet: das kleinste Modell mit seinem sparsamen i3-Prozessor und den grössten Brocken mit 3,2 GHz Intel Core i7 mit sechs Kernen.
Im «normalen Betrieb» (Office, Layout, Bildverarbeitung etc.) sind beide Modelle unhörbar leise, selbst wenn sie nur eine Armlänge entfernt auf dem Schreibtisch stehen. Das ist der Zustand, den man von einem Mac erwartet, und die beiden Rechenzwerge enttäuschen nicht.
Wenn alle Kerne künstlich bis zum Anschlag belastet werden (hier geht es zur Anleitung), gibt es Unterschiede. Das kleine Modell mit dem i3-Prozessor blieb unhörbar, selbst nachdem wir die CPU eine geschlagene Stunde lang mit 100 Prozent Leistung betrieben haben. Die Abluft auf der Rückseite wurde zwar wärmer, aber das wars auch schon.
Beim grossen Modell erhielten wir gemischte Resultate. Unter voller Last liefen die Lüfter bereits nach einer Minute an und gingen ruhig, aber eben gut hörbar ihrer Arbeit nach – allerdings waren sie weit davon entfernt, um mit dem Prädikat «Föhn» belegt zu werden. Hingegen wurde ein rechenintensiver Video-Export aus Final Cut Pro zur vollsten Zufriedenheit erledigt, während die Lüfter deutlich leiser blieben als bei der künstlichen Belastung aller Kerne.

Sicherheit

Alle Modelle sind mit Apples T2-Chip ausgestattet. Er kümmert sich um die Ver- und Entschlüsselung sämtlicher Prozesse und des SSDs, ohne dass es dabei zu Leistungseinbussen kommt. Ausserdem überwacht er lückenlos den kompletten Startvorgang und führt diesen nur fort, wenn die nächste Software von Apple signiert worden ist. Kurz, dieses Gerät eignet sich auch für die Verarbeitung und Speicherung delikater Informationen.
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Tempo, Skalierbarkeit, Kaufberatung und Fazit

Tempo

Bei der reinen Rechenleistung gibt es die theoretischen und die praktischen Werte. Wir haben den grossen Mac mini gegen einen High-End-iMac mit i7-Prozessor bei 4 GHz antreten lassen. Das war einmal das beste Pferd im Stall – vor etwas mehr als vier Jahren. Mit GeekBench 4 gemessen, ergaben sich folgende Unterschiede:
• Mac mini 2018: 5656 (Single-Core) resp. 24'270 (Multi-Core)
• iMac late 2014: 4814 (Single-Core) resp. 16'385 (Multi-Core)
Auf dem Papier sind die Unterschiede verblüffend klein, denn schliesslich liegt fast eine halbe Dekade (!) zwischen den beiden Geräten. Während die Single-Core-Messung fast vernachlässigbar ist, liegt die Leistung bei der Multi-Core-Messung nur etwa 50 Prozent höher. Das ist jedoch nicht das Problem von Apple; vielmehr enttäuscht Intel seit Jahren mit kaum relevanten Leistungssprüngen bei den Prozessoren. Es bleibt nur die Hoffnung, dass Apple mit der Entwicklung eigener CPUs beschäftigt ist.
Dazwischen liegen vier Jahre
Quelle: Screenshot / ze
Doch es geht auch anders. In Final Cut Pro exportierten wir einen 30 Minuten langen 4K-Film mit 60 FPS unter Verwendung von HEVC, was Knochenarbeit bedeutet. Der alte iMac benötigte dazu fast genau 24 Stunden; der neue Mac mini bewältigte die Aufgabe in weniger als 2 Stunden! Das liegt jedoch daran, dass die HEVC-Codierung durch die Hardware unterstützt wird. Es zählt also mehr als nur die Taktfrequenz.
Keine Diskussion gibt es hingegen beim Tempo des SDDs: Mit einer Lese- und Schreibrate von jeweils über 2,5 GB pro Sekunde arbeitet es rasend schnell.
Rasend schnell: das SSD im grössten Mac mini
Quelle: Screenshot / ze
Hier ist jedoch ein markanter Unterschied zum kleinsten Mac mini auszumachen, dessen SSD «nur» mit etwa 758 MB schreibt und mit knapp 1,4 GB liest. Allerdings dürfte das bei den angedachten Einsatzgebieten keine grosse Rolle spielen.
Der kleine Mac mini ist auch beim SSD langsamer unterwegs
Quelle: Screenshot / ze

Skalierbarkeit

Die beste Eigenschaft des Mac mini ist jedoch seine enorme Skalierbarkeit bei der Bestellung, was sich bereits an den Preisen zeigt: Das günstigste Gerät kostet 929 Franken, das teuerste 4700 Franken.
Am unteren Ende des Spektrums wartet das kleinste Modell mit Intels Quad‑Core i3 mit 3,6 GHz, 8 GB RAM und 128 GB SSD – ideal für das Sekretariat, das Kinderzimmer oder als Proxy-Server, aber als «Langzeit-Mac» für Privatanwender definitiv untermotorisiert. Am oberen Ende spielt ein 6‑kerniger Intel Core i7 mit 3,2 GHz (Turbo Boost bis zu 4,6 GHz), 64 GB RAM und 2 TB SSD. Zwischen diesen Extremen sind alle erdenklichen Abstufungen möglich, sodass jeder Topf seinen Deckel findet.
Einmal bestellt, ist die Konfiguration endgültig, so wie es heute scheinbar Brauch ist. Einzig der RAM lässt sich auch später noch aufrüsten. Das ist nicht so einfach wie bei einem iMac, bei dem einfach eine Klappe geöffnet wird – aber die Prozedur kann auch von halbwegs talentierten Bastlern gemeistert werden. Allen anderen hilft der freundliche Fachhändler.

Kaufberatung

In welcher Ausführung sollte der Mac mini gekauft werden? Das hängt natürlich von den persönlichen Anforderungen ab. Meine Empfehlung lautet: Stellen Sie Ihr Wunschmodell zusammen – und dann kaufen Sie jede Komponente eine Nummer grösser. Denn dieses Gerät kann Sie eine sehr lange Zeit begleiten. Die Anschlüsse werden die nächsten Jahre aktuell bleiben, die Technik ist auf der Höhe der Zeit.
Ein High-End-Rechner auf Reisen
Quelle: PCtipp / ze
Wenn der Mac mini nach vier oder fünf Jahren seine Schuldigkeit als Arbeitstier getan hat, bleibt immer noch ein kleiner, stiller und hübscher Rechner übrig, der sogar im Wohnzimmer eine gute Figur macht. Oder er zieht ins Kinderzimmer. Vielleicht wird er zu einem Mediacenter oder zu einem Heim-Server. Und wenn all das nicht infrage kommt, werden Sie beim Auktionshaus Ihrer Wahl auch nach Jahren noch einen guten Preis erzielen.

Praxisnahe Konfiguration

Eine «vernünftige» Konfiguration, die auch bei anspruchsvollen Arbeiten Freude macht und ausserdem lange hält, sieht in meinen Augen etwa so aus:
• 3,6 GHz Intel Core i7 
• 16 GB RAM 
• 1 TB SSD 
• 10-Gbit-Ethernet (zur Sicherheit)
Diese Konfiguration kostet Fr. 2505.70 und leistet natürlich weit mehr, als zum Beispiel in einem Büro verlangt wird. Doch sie bietet genügend Freiraum für die Bearbeitung von 4K-Videos mit 60 FPS, 50-Mpx-Fotos und andere Aufgaben, die unterdessen auch für private Anwender zum Alltag gehören. Und für grafische Arbeiten (Layout, Bildverarbeitung, Illustration) reicht diese Zusammenstellung erst recht.

Fazit

Ja, die verwandten iMacs überzeugen mit ihrem All-in-One-Konzept. Aber die Flexibilität, die Grösse und die variable Leistung machen den neuen Mac mini zum interessantesten Desktop-Mac: Vom Sekretariat über das Heimbüro bis zur VR-Abteilung gibt es für jede Anwendung die passende Konfiguration.

Testergebnis

Grösse, Geräuschpegel, Skalierbarkeit, Anschlüsse
Kein Slot für SD-Karten

Details:  3,6 GHz Quad‑Core Intel Core i3, 8 GB RAM, 128 GB SSD, Intel UHD Graphics 630, 4 × Thunderbolt 3, HDMI 2.0, Gigabit-Ethernet, WLAN 802.11ac, Bluetooth 5.0, macOS 10.14 «Mojave»

Preis:  Fr. 929.– bis Fr. 4699.70 (je nach Konfiguration)

Infos: 
apple.com/chde

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