Telegram 29.09.2022, 12:20 Uhr

Telegram hat Daten an deutsche Sicherheitsbehörden übermittelt

Der Messengerdienst Telegram hat Nutzerdaten an deutsche Sicherheitsbehörden weitergegeben. Das Bundesinnenministerium bestätigte dies auf Anfrage des NDR, wie der Sender mitteilte. Das meint PCtipp.
(Quelle: www.unsplash.com/@rubaitulazad)
Gegenüber dem Rechercheformat «STRG_F» (NDR/funk) erklärte das Ministerium demnach, es handle sich um wenige «herausgehobene Einzelfälle», in denen Telegram Bestandsdaten übergeben habe, also zum Beispiel IP-Adressen von Nutzerinnen und Nutzern. Laut NDR handelt es sich um 25 Fälle, in denen es um möglichen Kindesmissbrauch und islamistischen Terrorismus ging. In fast 400 Fällen seien Inhalte von Telegram gelöscht worden.
Bislang hatte Telegram damit geworben, Nutzerdaten nicht an Regierungen oder Ermittlungsbehörden zu geben. Telegram wird deshalb von Kriminellen, Terrorverdächtigen ebenso wie von Oppositionellen weltweit gleichermassen genutzt – im Vertrauen darauf, dass ihre Daten dort sicher sind. Der Messengerdienst hat den Ruf, jegliche Inhalte ohne Moderation zuzulassen – auch Hetze, Gewaltaufrufe und Falschinformationen.
Telegram hatte in der Vergangenheit auf Anfragen der deutschen Sicherheitsbehörden mehrfach nicht reagiert. Erst nach Druck durch die Bundesregierung gibt es seit Anfang Februar 2022 Gesprächskanäle zu den Betreibern.

PCtipp meint

Der Telegram-Gründer und russische Unternehmer Pavel Durov versprach den Nutzerinnen und Nutzern seit der Gründung des Instant-Messengers, dass man unter keinen Umständen Daten an Behörden weitergebe. Am 12. Januar 2021 postete Durow in seinem Telegram-Channel, man habe seit dem Tag des Messenger-Starts im August 2013 kein einziges Byte an Daten unserer Nutzer an Dritte weitergegeben.
Durov's Channel auf Telegram
Quelle: Screenshot/PCtipp.ch
Das NDR-Rechercheformat «STRG_F» wollte herausfinden, wie unabhängig Telegram wirklich ist. Und fand heraus, dass die Anschrift des Unternehmens nur eine Briefkastenfirma ist, der Unternehmer ist abgetaucht. STRG_F Reporter Nino und Milan sprachen mit Vertrauten, reisten nach Dubai und fanden das geheime Büro. In der Recherche (s. unten via YouTube) kam heraus, dass Telegram sehr wohl mit der Bundesregierung kooperiert. Offenbar beugt sich Durov, der mittlerweile die französische Staatsbürgerschaft hat, ab und zu dem Druck, beispielsweise wenn die Sperrung der App angedroht wird (Beispiel Indonesien, 2017).

Autor(in) dpa




Kommentare
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PChris
30.09.2022
In der EU ist die Meinungsfreiheit schon länger tod!

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greedo_rodian
01.10.2022
Das ist doch nicht s neues. Wie in jeder Nutzungsbedingung gelistet werden Straftaten nicht toleriert (Aufrufe zur Gewalt, Kinderpornografie usw). Das solche Taten gemeldet werden ist nur richtig und gut. Trotzdem ist Telegram immer noch zu 98% der Meinungsfreiheit verpflichtet. Ausserdem müssen solche Kanäle ja auch gemeldet werden... Leider vergessen viele, dass Meinungsfreiheit beim Strafgesetz endet.