News 16.09.2013, 12:37 Uhr

Apples Newton - der Urahne des iPhone

Apples Newton Messagepad wird 20. Das Gerät war zwar wirtschaftlich ein Flop, seiner Zeit jedoch voraus und bereitete den Weg für iPhone und iPad - nicht zuletzt durch Apples Fehler.
Nicht erst im Januar 2010 zeigte Apple sein erstes berührungsempfindliches Tablet, sondern schon auf der Macworld Expo in Boston im August 1993: Das Newton Message Pad, meist schlicht nach seinem Betriebssystem «Newton» genannt. Der damalige CEO John Sculley sah in dem neuartigen Gerät einen neuen Umsatzbringer, der das allmählich ins Straucheln geratende Unternehmen wieder stabilisieren sollte - die Hoffnungen erfüllten sich nicht und Sculley musste seinen CEO-Posten für Michael Spindler räumen.
Wie mehr als 16 Jahre später mit dem iPad definierte Apple mit dem Newton eine neue Geräteklasse, die des Personal Digital Assistant (PDA) - jedoch mit wesentlichen Unterschieden. Dominiert Apple den selbst geschaffenen Tabletmarkt auch noch im vierten Jahr, war mit Unternehmen mit PDAs kein Glück beschieden - im Wesentlichen räumte Palm ab, das dann aber seinerseits krachend an Mediaplayer, Smartphone und Tablet scheiterte. Ein anderer Unterschied: Der PDA sollte den Desktoprechner niemals ersetzen, sondern allenfalls ergänzen, während das iPad sich anschickt, den klassischen PC zu verdrängen. Der Newton war als PDA dafür gedacht, Notizzettel, Adressbuch, Organizer und Kommunikationsgerät zu sein, mit anderen Geräten verband er sich vornehmlich über Infrarotschnittstellen.
Zum Verkaufsstart kostete der Newton stolze 700 US-Dollar, bot aber seinerzeit fortschrittliche Technik auf. Der 32-Bit-Prozessor ARM 610 arbeitete mit einer Taktrate von 20 MHz mit 640 KB RAM, das schwarz-weisse-LC-Display zeigte 336 mal 240 Pixel. Anders als heute war damals die ARM-Architektur bei weitem nicht die effizienteste in Sachen Energiehunger und in mobilen Geräten daher kaum verbreitet - kurze Akku-Laufzeiten waren mit ein Grund des Misserfolgs. Ebenso aus heutiger Sicht undenkbar: Der Eingabestift (Stylus) für den berührungsempfindlichen Bildschirm wurde als Revolution betrachtet - Anfang 2007 meinte Steve Jobs bei der iPhone-Premiere nur noch: «Wer braucht einen Stylus? Wir haben selbst die zehn besten Eingabegeräte an uns - unsere Finger!»
Die spektakulärste Innovation aber war die Handschriftenerkennung des Newton: Wem es sogar in der S-Bahn stehend gelang, mit einer Hand Zeichen auf den Schirm zu kratzen, die der Newton auch lesen konnte, war der Held und konnte sein MessagePad tatsächlich auch als elektronischen Notizblock einsetzen. Alle anderen erhielten Ergebnisse, die noch witziger waren als selbst die abstrusesten Vorschläge heutiger Rechtschreibkorrekturen - wir sagen nur Egg freckles.

Palms Graffiti war besser

Man mag es kaum glauben, aber der Konkurrent Palm kam für seine PDAs mit einer besseren Lösung um die Ecke: Die Kurzschrift Graffiti musste man zwar erst erlernen, dann wandelte das Gerät die derart standardisierten Eingaben aber weit akkurater in Text um als das dem Newton je gelang. Und freihändige Kritzeleien speicherte der Palm Pilot einfach als Bild ab. In Mac-OS X 10.2 Jaguar integrierte Apple einen späten Nachfolger der Handschriftenerkennung, Inkwell dürfte aber kaum jemand nutzen. Auf iPad und iPhone ist eine solche Technik schliesslich komplett verzichtbar.
Stattdessen kommen die iOS-Geräte mit einer virtuellen Tastatur und seit zwei Jahren mit der Spracherkennung Siri - die trotz aller Macken ihren Nutzer besser versteht als der Newton das Gekritzel seines Anwenders. Doch hat Siri in ihrer Fähigkeit, gesprochene Befehle auszuführen ein Vorbild aus alten Tagen, den Newton Assistant. Dieser setzte handschriftliche Anweisungen um und schickte etwa Dokumente zum Drucker und an das Fax oder plante Termine ein.
Einige Organizer-Programme waren in das ROM des Newton geschrieben, zusätzliche Software konnten die Anwender installieren, wenn sie ihren PDA mit dem Mac verbanden, dies Möglichkeit war zunächst jedoch nur eingeschränkt gegeben. Apple knauserte zudem mit dem Speicher, gerade einmal 140 KB blieben für die Dokumente der Benutzer frei. Anders als iPhone und iPad liess sich der Speicher des Newton jedoch mit PCMCIA-Karten erweitern, die Apple in Kapazitäten von 1 MB, 2 MB und 4 MB anbot.
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