News 01.07.2014, 07:54 Uhr

Surfen zu Auslandstarifen: Swisscom mit «Local Breakout»

Im Vergleich zu EU-Verhältnissen ist Daten-Roaming für Schweizer innerhalb der EU immer noch teuer. Dem will die Swisscom mit einem neuen Mechanismus entgegenwirken.
Das mobile Surfen zu Roaming-Tarifen ist für Schweizer nach wie vor teuer. Nicht so für EU-Bürger. Für sie gilt ab heute eine neue Maximalgebühr, nach der Netzbetreiber aller EU-Länder verpflichtet sind, pro Megabyte maximal 20 Cent zu verrechnen. Dazu kommt, dass EU-Handy-Netzbetreiber Kunden ein Ausweichen auf den ausländischen Betreiber ermöglichen werden, bei dem sie mit den lokal gültigen Kosten weitersurfen.

Auf einen ausländischen Anbieter «ausbrechen»

Möglich wird das durch den Mechanismus «Local Breakout»: Der Kunde kann dann von zu Hause aus bestimmen, bei welchem Provider er im Ferienland aus dem eigenen Handy-Vertrag «ausbrechen» will. Dazu muss er nur in den Einstellungen beim APN (Access Point Name) auf dem Handy ein paar Umstellungen vornehmen. Der Kunde surft dann mit der SIM-Karte des eigenen Providers zu den lokalen Konditionen seines ausländischen Lieblingsproviders weiter. Gespräche laufen dann allerdings weiterhin über den heimischen Anbieter. 

EU-Kommissarin strebt Roaming-Abschaffung an

Bereits im März letzten Jahres hat Swisscom auf den Juli 2014 «Local Breakout» angekündigt. Bestrebungen der EU-Kommissarin Nelly Kroes tendieren schon länger in die Richtung einer gänzlichen Aufhebung sämtlicher Roaming-Gebühren für EU-Länder. Nach ihr könnten ab 2015 die Roaming-Gebühren für EU-Bürger sogar gänzlich entfallen. Dass die Swisscom als einer der ersten Schweizer Mobilfunkprovider eine «Roaming-Ausweichoption» einführt, erstaunt daher nicht. Bis anhin war ein Ausweichen auf ausländische Provider nur mit dem Kauf und Einlegen einer ausländischen SIM-Karte möglich.

Swisscom: Mechanismus ist da, Angebote fehlen noch

Seit heute könn(t)en nun Swisscom-Kunden bei einzelnen ausländischen Anbietern im Voraus ein Datenguthaben kaufen, dessen APN-Zugangsdaten im Handy manuell einstellen und mit der eigenen SIM-Karte zu den lokalen Tarifen des ausländischen Providers surfen. Noch fehlen aber Angebote, denn Vertragsverhandlungen zwischen ausländischen Anbietern und der Swisscom scheinen noch im Gange zu sein, zumal noch längst nicht alle ausländischen Mobilfunkprovider das alternative Local Breakout selber anbieten wollen.

Nach wie vor viele Verhandlungen im Gange

Orange hat schon Mitte 2013 damit angefangen, «Local Breakout»-Lösungen zu prüfen und ist nach aktuellen Aussagen gegenüber dem Radio SRF offenbar immer noch «mit Anbietern der EU in Kontakt». Sunrise sähe noch keine Veranlassung, Local Breakout umzusetzen.
Es lohnt sich aber, ab jetzt vor Antritt einer längeren EU-Reise die Webseiten ausländischer Mobilfunkprovider auf «Local Breakout»-Angebote zu checken. 

Umstellung auf dem Handy erforderlich

Die zu übertragenden APN-Einstellungen können von Provider zu Provider variieren. Bei einem Android-Handy wie dem HTC One geht man hierfür auf Einstellungen, dann auf mobile Daten, dann auf Zugangspunkte und setzt über das Optionsmenü einen neuen APN, dessen leere Felder mit den Logindaten des ausländischen Providers ergänzt werden. Bei einem iPhone mit iOS 7 geht das analog via Einstellungen, mobiles Netz und dann über die Schaltfläche Mobiles Datennetzwerk. Beim iPhone wird einfach die eingetragene APN-Adresse von Swisscom (grps.swisscom.ch) auf den neuen Anbieter geändert und um die Logindaten des anderen Anbieters ergänzt.

Autor(in) Simon Gröflin



Kommentare

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Simon Gröflin
01.07.2014
Ja, stimmt. Danke für den Input. Ist korrigiert:) lg Simon