News 24.10.2014, 08:06 Uhr

Easy Ride 2.0: das Chip-Billett der Zukunft?

Der Kanton Zug hat sich die SBB als Vertragspartner ins Boot geholt. Bis zur schweizweiten ÖV-Chipkarte dürfte es jedoch noch ein weiter Weg sein.
Der Kanton Zug lancierte bereits im März 2014 ein Planungskonzept eines elektronischen Billets. 2001 erprobten die Kantone Basel und Genf erstmals unter dem Projekt «Easy Ride» als Feldprojekt einen Sensor-basierten Fahrchip, um beim Ein- und Aussteigen ein- und auszuchecken. Rund 800 Passagiere aus Genf und Basel nahmen vor zehn Jahren erfolgreich am Experiment teil. Das Projekt scheiterte aber damals an den Kosten.

Ende 2016: neuer Pilotversuch

Nun konnte der Kanton Zug die SBB als wichtiger Vertragspartner für sich gewinnen. Rund 100'000 Franken wenden die Verkehrsbetriebe des Zugerlands, sein Kanton und Bundesbahnen auf, um zunächst die technischen Investitionskosten zu evaluieren. Schätzungen belaufen sich auf 10 bis 15 Millionen Franken. Auf Ende 2016 soll, wie damals in Basel und Genf, ein erneuter Feldversuch mit 500 Passagieren geplant sein. Erst wenn die Auswertungen der Tests zufriedenstellend ausfallen, plant der Kanton Zug auf Mitte 2017 einen flächendeckenden Pilotbetrieb.

Erst fahren, dann zahlen

Am Donnerstagmorgen haben der Kanton Zug und die Zugerland Verkehrsbetriebe das Konzept anhand eines Demo-Busses vorgestellt. Das «BIBO» genannte System («be in be out») funktioniert für Fahrgäste wie eine Kreditkarte. Gefahrene Strecken würden Kunden erst nach der Fahrt belastet, Billetts vom Schalter damit hinfällig. Guthaben könne entweder im Prepaid-Modell vorgeladen oder auf Monatsbasis auf Rechnung oder per Kreditkarte abgerechnet werden. Physische Basis wird eine Guthabenkarte mit Chip sein.

Kosten und Datenschutz

Beim Fahrgastverband «Pro Bahn» zeigen Umfragen bei Fahrgästen derweil ein gemischtes Bild hinsichtlich Akzeptanz eines Chip-Systems. Über 70 Prozent der Befragten ist ein gutes Datenschutzsystem wichtig, das keinerlei Rückschlüsse auf Daten und Reisebewegungen im Öffentlichen Verkehr zulässt. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass einige, wenn nicht die meisten, Verkehrsverbände die Ergebnisse des Zuger Pilotprojets vorerst beobachten.
«Wie hoch die Kosten eines Pilotbetriebs für den ZVV wären, kann derzeit nicht beziffert werden», meinte beispielsweise Thomas Kellenberger, Mediensprecher der ZVV, auf Anfrage.
Bis zum «Chip-Billett» wird es somit noch ein weiter Weg sein, auch wenn die SBB ab August 2015 GA, Halbtax und weitere Abonnemente bereits mit einem solchen RFID-Chip ausrüsten wollen.

Autor(in) Simon Gröflin


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