Facebook ändert Nutzungsbedingungen

Kommunikation von oben herab

Kommunikation von oben herab
Der Wichtigste aller Facebook-User ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der auch die Mehrheit der stimmberechtigten Firmenanteile besitzt. Keiner steht so für Intransparenz in Facebooks Kommunikation wie er selbst. Und seit dem angekündigten Börsengang seiner Website ist er noch ein bisschen reicher (geschätztes Vermögen: 17, 5 Milliarden US-Dollar) und noch ein bisschen mächtiger geworden.
Im Börsenprospekt von Facebook propagiert er in einem Brief voller Überzeugung: «Wir glauben daran, Menschen die Möglichkeit zum Teilen zu geben. Das kann dazu führen, dass Menschen mehr Mitbestimmungsrecht erhalten, was einige der grössten Probleme unserer Zeit lösen könnte.» Was so pathetisch klingt, sieht im konkreten Fall anders aus.
Denn laut den eigenen Datenschutzbestimmungen kann Facebook Änderungen auch vornehmen, ohne irgendwen zu informieren. Eliane Schmid, Sprecherin des Eidgenössischen Departements für Datenschutz, hält von solchen Machenschaften nicht viel, wie sie gegenüber PCtipp.ch sagt: «Facebook hat immer wieder bewiesen, dass es auf Persönlichkeitsschutz keinen Wert legt. Natürlich verstösst die Intransparenz, mit der diese Änderungen eingeführt werden, gegen die schweizerischen Datenschutzbestimmungen. Ein rechtliches Vorgehen gegen die Plattform wäre äusserst schwerfällig. Wir appellieren an die Selbstverantwortung der User; es ist ja niemand gezwungen, auf Facebook aktiv zu sein.»
Tatsächlich ist jeder User freiwillig auf der Plattform unterwegs, wie das Unternehmen in seinen Datenschutzbestimmungen auch immer wieder betont. Aber klingt das nicht zynisch, wenn man bedenkt, dass bestimmte Altersgruppen ihre Kommunikation hauptsächlich über Facebook abhalten? Wer nicht dabei ist, wird zum Aussenseiter. Eben genau weil sich die Website der Abhängigkeit seiner User gewiss sein kann, darf sie praktisch schalten und walten, wie sie will. Und darum darf Mark Zuckerberg in seinem Börsenbrief wenigstens einmal sogar ganz offen sein, wenn auch für Facebook typisch, indem er es verschweigt: Mitspracherecht in anderen Firmen ist gut, den Facebook-Usern aber wird keines eingeräumt.

Fabian Vogt
Autor(in) Fabian Vogt



Kommentare
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Kovu
25.03.2012
Nur sind die Praktiken von Facebook ja längst kein Geheimnis mehr... wer dort teilnimmt ist meiner Meinung nach selber schuld. Facebook lebt ja nur durch die Ausbeutung der Benutzerdaten, sie stellen dann natürlich auch entsprechende Nutzungsbedingungen - und wie zaghaft sie diese an den Mann bringen ist ja bestens bekannt.