Erst ab 15. Mai 19.01.2021, 09:22 Uhr

WhatsApp schiebt Einführung der neuen Datenschutzregeln auf

In den vergangenen Tagen meldeten WhatsApp-Konkurrenten plötzlich Millionen Neuzugänge. Der Grund: Facebooks Chat-Dienst schreckte seine Nutzer mit Änderungen beim Datenschutz auf. Jetzt zieht WhatsApp die Notbremse – und betont, dass sich gar nicht so viel verändere.
(Quelle: Silas Stein/dpa)
WhatsApp verschiebt die Einführung seiner neuen Datenschutzregeln nach Kritik und einer Abwanderung von Nutzern um mehr als drei Monate. Bisher musste man bis zum 8. Februar den neuen Bedingungen zustimmen, um den zu Facebook gehörenden Chat-Dienst weiterhin nutzen zu können. Jetzt soll die neue Datenschutzrichtlinie erst vom 15. Mai an gelten, wie WhatsApp in einem Blogeintrag am Wochenende ankündigte. WhatsApp wolle die Zeit nutzen, um falsche Informationen und Missverständnisse rund um das Update auszuräumen.

Bessere Möglichkeiten für Kommunikation mit Unternehmen

Laut WhatsApp geht es bei den Änderungen vor allem darum, bessere Möglichkeiten für Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen. An der sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der Chat-Inhalte nur für die teilnehmenden Nutzer, aber nicht einmal für WhatsApp selbst im Klartext sichtbar sind, werde nicht gerüttelt. Es sei auch keine erweiterte Datenweiterleitung an Facebook vorgesehen. Ausserhalb der EU fliessen einige WhatsApp-Nutzerdaten an Facebook zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten – allerdings bereits seit dem Jahr 2016.
Zugleich betonte WhatsApp selbst, dass der Nachrichtenaustausch mit Unternehmen anders gestaltet sei als mit Familie oder Freunden. «Wenn du mit einem Unternehmen über Telefon, E-Mail oder WhatsApp kommunizierst, kann es die Informationen aus diesen Interaktionen mit dir für eigene Marketingzwecke verwenden. Dies kann auch Werbung auf Facebook einschliessen», hiess es in einer Erläuterung. Unternehmen haben auch die Möglichkeit, Hosting-Dienste von Facebook zu verwenden, um WhatsApp-Chats mit ihren Kunden zu verwalten, Fragen zu beantworten und Informationen wie Kaufbelege zu senden. Für diesen Fall werde es eine eindeutige Kennzeichnung geben.
WhatsApp ist mit mehr als zwei Milliarden Nutzern der weltweit erfolgreichste Chatdienst gefolgt vom Facebook Messenger (1,3 Milliarden). WeChat aus China kommt auf 1,2 Milliarden Nutzer – vor allem dank der starken Position im abgeschotteten Heimatmarkt.

Starker Zulauf

In den vergangenen Wochen hatten WhatsApp-Rivalen wie Telegram, Signal oder Threema einen starken Zulauf gemeldet, weil Nutzer WhatsApp nach der Ankündigung der neuen Datenschutzrichtlinie verliessen.
Dass WhatsApp auch ein Kanal für die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden werden soll, ist schon seit einiger Zeit eine zentrale Idee dafür, wie Facebook schliesslich Geld mit dem Chatdienst verdienen könnte. Das Online-Netzwerk hatte WhatsApp im Jahr 2014 für rund 22 Milliarden US-Dollar gekauft. Eine weitere Überlegung war Werbung im sogenannten Status-Bereich der App, in dem Nutzer für einen Tag Fotos für ihre Kontakte veröffentlichen können. Dies wurde aber auf Eis gelegt.
Die durch den Verkauf zu Milliardären gewordenen Gründer von WhatsApp, Jan Koum und Brian Acton, verliessen Facebook vor einigen Jahren. Laut Medienberichten gab es Meinungsverschiedenheiten mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Acton ist ein zentraler Geldgeber für die Signal-App – deren Verschlüsselungstechnologie nutzt auch WhatsApp. Nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica schloss sich Acton Aufrufen an, Facebook zu verlassen.
Mark Zuckerberg stellte zugleich schon vor einiger Zeit den Plan vor, Facebook insgesamt verstärkt auf komplett verschlüsselte Kommunikation auszurichten. Auch sollen WhatsApp, der Facebook Messenger und die Chatfunktion von Instagram sich eine technische Plattform teilen. Aktuell fordern die US-Regierung und mehr als 40 Bundesstaaten eine Zerschlagung Facebooks mit einer Abspaltung von WhatsApp und Instagram. Eine gemeinsame technische Infrastruktur würde solche Vorhaben erschweren.

Autor(in) dpa


Kommentare

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karnickel
23.01.2021
"Ausserhalb der EU", das sind wir. Da ich Whatsapp nicht verwende und das Thema unter einem anderen Artikel kürzlich bereits diskutiert wurde, hätte ich nun noch eine Frage. Leute hatten ja berichtet, dass sie die neuen AGB bereits mit einem Popup abnicken mussten, welches keine Schaltfäche zur späteren Bearbeitung der Zustimmung aufwies. Heisst diese "Verschiebung" nun, dass eh bereits 95% Zwangszustimmungen vorliegen und die anderen fünf Prozent eigentlich reine Nichtnutzer dieser App sind?

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Bictech
07.02.2021
Selbst die EU ist ausserhalb der EU: nach dem ersten Wirbel um die neuen AGB hat WA das neu so "präzisiert": - es gilt nur für Business-Accounts jedoch kann jeder problemlos diesen benutzen; die Benutzung ist sogar nötig, wenn ich z.B. Abwesenheitsmeldungen einrichten will - "wir" sind "sowieso" bei WA in Irland angehängt und somit gelten die EU Regeln Im Kleingedruckten auch der angepassten AGB steht jedoch, dass WA zur Erfüllung der Aufgaben die Server von FB in den USA benutzt und dass jeweils die lokalen Datenschutzregeln gelten. Glaubt irgend jemand, dass damit gemeint ist, dass auf FB Servern in den USA nach EU Datenschutzregeln gearbeitet wird.

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malamba
07.02.2021
Glaubt irgend jemand, dass damit gemeint ist, dass auf FB Servern in den USA nach EU Datenschutzregeln gearbeitet wird. Der Mehrheit kümmert sich nicht um Datenschutz bzw. es ist ihnen auch egal, was mit ihren Daten weiter gemacht wird.