News 21.05.2015, 11:46 Uhr

So bändigen Sie Systemdienste in Windows

Auf Windows-PCs sind viele Systemdienste und weitere Dienste aktiv. Welche das sind, und wie man sie in den Griff bekommt, zeigen wir in diesem Artikel.
Bei den Windows-Systemdiensten handelt es sich um Programme bzw. Prozesse, die im Hintergrund vom Betriebssystem ausgeführt werden. Sie werden in der Regel automatisch geladen und ausgeführt. Leider hat noch immer eine grosse Zahl von Entwicklern die schlechte Angewohnheit, bei einzelnen Programmen keine saubere Deinstallationsroutine zu implementieren. Wie Sie unbekannte Leerlaufprozesse erkennen und wie Sie mit den Windows-Systemdiensten umgehen sollten, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.
Wenn schon nach einer ersten Systeminstallation merkwürdige Prozesse unbekannter Herkunft auffallen, lohnt sich ein kurzes Durchforsten
Zu Windows-XP-Zeiten gabs noch so allerlei abenteuerliche Anleitungen, wie man Leerlaufprozesse entfernen kann. Seit dem Erscheinen von Windows 7 und Windows 8 ist das jedoch besser geworden. Trotzdem gibt es immer wieder Gründe, die Systemdienste und deren Ausführung zwischendurch zu überwachen.

Vier Ansichten der Windows-Dienste

Unter Windows 7 und Windows 8 gibt es mindestens drei Hilfsmittel/Ansichten der Systemdienste, die man kennen sollte.
  • Allgemein: CTRL+ALT+DEL und Auswahl Taskmanager: Reiter Dienste
  • Windows 8: mittels Windows- und X-Taste, Sprung zum Task Managerund Auswahl Dienste
  • Aufruf mittels Windows- und R-Taste, gefolgt von der Eingabe des Befehls services.msc
  • Hilfsprogramm «msconfig»: Aufruf mittels Windows- und R-Taste, gefolgt vom Befehl: msconfig
msconfig: eine mögliche Ansicht der laufenden Prozesse, mit der guten Option, wichtige Windows-Prozesse auszuklammern
Wie Sie mit den Windows-Diensten umgehen, erklären wir Ihnen auf den folgenden Seiten.
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Umgang mit Systemdiensten

So gehen Sie mit den Systemdiensten um

services.msc offeriert eine komplexere Ansicht mit allen Prozessen, egal ob laufend oder nicht, und gibt Aufschluss über deren Abhängigkeiten
Befindet man sich in der Systemkonsole (via services.msc), öffnet sich bei Doppelklick auf den jeweiligen Dienst ein Fenster, während ein Rechtsklick ein Kontextmenü hervorbringt, mit dem der Anwender einen Dienst starten oder anhalten kann. Ein genauerer Blick auf den Eigenschaftendialog präsentiert im Reiter «Allgemein» die Möglichkeit, den sogenannten Starttyp des jeweiligen Programms anzuzeigen. Welche Auswahlmöglichkeiten Ihnen dabei zur Wahl stehen und was sie bedeuten, dazu hier eine Übersicht:
Wollen Sie einen anzuhaltenden Prozess überwachen, empfiehlt sich manuelles Starten, damit notfalls Windows bei Fehlfunktionen trotzdem den fehlenden Dienst wieder initiiert
Automatisch: Dienst startet mit dem Start von Windows
Automatisch (Verzögerter Start): Dienst startet kurz nach dem Booten von Windows
Manuell: Dienst wird nicht automatisch gestartet. Wichtig: Das Windows-System ist trotzdem dazu in der Lage, einen auf «manuell» gesetzten und nicht gestarteten Dienst zu starten, wenn dieser beispielsweise von einem anderen Dienst benötigt wird!
Deaktiviert: Dieser Dienst wird nie gestartet - selbst dann nicht, wenn er zum Funktionieren des Windows-Systems notwendig ist. Der Dienst und das dazu gehörende Programm sind aber immer noch auf dem System installiert!
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Verdächtige Prozesse entlarven

Auf der Suche nach verdächtigen Prozessen

Entdecken Sie nun im Alltag einen verdächtigen Dienst, der Ressourcen beansprucht, besteht die sicherste Möglichkeit primär in einer Websuche, um zu verstehen, ob der Prozess erforderlich ist. Tauchen dann schon in Herstellerforen diverse Meldungen auf, die Gewissheit über den erforderlichen Prozess geben, ist ja schon mal gut. Eine weitere Suche erübrigt sich ab diesem Punkt.
Immer gut: Starten Sie einfach eine kurze Websuche nach verdächtigen Prozessen und schauen Sie in den Foren der Hersteller
Zusätzlich überprüfen lässt sich die Wichtigkeit eines Prozesses über die Registerkarte Abhängigkeiten (via services.msc).Mit dieser Auskunft allein können jedoch nicht in jedem Fall alle Anwender gleich etwas anfangen. Um die Unwichtigkeit bzw. Wichtigkeit weiter eingrenzen zu können, sollten noch mindestens zwei weitere Hilfsmittel in Betracht gezogen werden.
Nicht jeder versteht jeden Hauptprozess und dessen Kindprozesse, wenn die Bezeichnungen ohnehin nicht gleich offensichtlich sind (wie hier im Bild)
Als drittes Hilfsmittel beobachtet man am besten, was passiert, wenn der Prozess nicht ausgeführt wird. Um keine schwerwiegenden Abstürze oder länger anhaltende Fehlfunktionen zu riskieren, setzt man nun über die Registerkarte Allgemein den Prozess vorläufig auf manuell. Der Vorteil: Windows wird den Dienst wieder ausführen, falls dem Betriebssystem auf einmal ein wichtiger Systemprozess fehlt. Ist die Funktionalität des Betriebssystems weiterhin einwandfrei, kann der Dienst nach eigenem Ermessen und eigener Verantwortung endgültig deaktiviert werden. Wie man gute von überflüssigen oder gar störenden Prozessen erkennt, lesen Sie auf der nächsten Seite.
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Störende Prozesse ausfindig machen

Microsoft-Dienste ausblenden

Die entscheidende Frage bei der Suche nach revelanten und nicht relevanten Prozessen ist: Wie sehe ich auf Anhieb Dienste, die nicht von Windows als Systemprozesse benötigt werden? Dazu bedient man sich am besten der Ansicht via msconfig (siehe oben). Unter dem Reiter Dienste der Systemkonfiguration finden Sie das Kästchen für Alle Microsoft-Dienste ausblenden.
Blenden Sie via msconfig die Kernel-Systemprozesse von Windows aus, um schneller die verdächtige Prozesse zu finden
Nun werden nur noch Dienste angezeigt, die nicht direkt zu den Kernprozessen des Betriebssystems gehören. Gut möglich, dass Sie nun bestimmte Prozesse sehen, die eine nähere Untersuchung verdienen.
Was macht zum Beispiel der Monitortreiber oder die Shareware-Version eines deinstallierten Videoschnittprogramms unter den laufenden Diensten? Dienste, die unter «Unbekannt» aufgeführt werden, sollten Sie genaustens unter die Lupe nehmen. Auch hier gilt: Starten Sie kurz eine Websuche nach dem Dienst und legen Sie ihn nur vorläufig «manuell» still, bis Sie überprüft haben, ob danach noch alle Programme funktionieren.
Wichtig: Bevor Sie einen verdächtigen Dienst aufs Eis setzen, lohnt sich gelegentlich das Überprüfen von Programmen, die Windows eventuell bei jedem Start vom Autostart-Ordner lädt.
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So säubern Sie den Autostart.

Autostart ausmisten

Öffnen Sie den Task-Manager und verifizieren über den Reiter Autostart, welche Programme Windows eventuell bei jedem Windows-Start automatisch startet. Sei es vielleicht auch deswegen, weil ein Programm bei einer Installation nicht richtig darüber informiert hat. Entdecken Sie Prozesse von Anwendungen, die ohnehin nicht beim Windows-Neustart geladen werden sollen, rufen Sie den Autostart-Ordner mittels Windows+R-Taste, gefolgt vom Systembefehl shell:startup auf.
Schauen Sie auch im Autostart-Ordner, welche Programme beim Systemstart nicht gestartet werden sollen: Wenn Sie diesen nicht finden, geht das über diesen Systembefehl
Danach können Sie die Autostart-Programme in Ruhe ausmisten, indem Sie die betroffenen Verknüpfungen einfach löschen.
Information
Die «Windows-Dienst»-GuillotineWenn Sie einen Dienst nicht nur deaktivieren, sondern endgültig aus dem Windows-System entfernen wollen, gibt es eine Kommandozeilenanweisung, die wirklich störende Dienste endgültig löschen kann.Beachten Sie: Wenn Sie einen wichtigen Dienst löschen, können einzelne Programme danach nicht mehr funktionieren. Wenden Sie diese Option also nur mit Bedacht auf Fälle an, bei denen Sie wirklich wichtige Abhängigkeiten ausgrenzen konnten.Um einen hartnäckigen Prozess endgültig aus den Windows-Systemdiensten zu verbannen, rufen Sie über CTRL+R und mittels Eingabe von cmd das Kommandozeilenfenster auf. Folgendes Programm löscht einen nicht mehr erforderlichen Dienst: sc delete Für den Vorgang muss der Anwender über Adminprivilegien verfügen oder diesen bei Aufforderung zustimmen. Am einfachsten findet man den genauen Namen eines Dienstes über dessen Eigenschaftsfenster innerhalb der Systemkonsole (via services.msc), da die Namensgebungen je nach Ansicht verwirrend sind.

Autor(in) Simon Gröflin


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