Testcenter 25.06.2021, 10:45 Uhr

Im Test: Huawei FreeBuds 4

Kurz nach dem Launch der günstigen In-Ears FreeBuds 4i lanciert Huawei schon das nächste Kopfhörer-Modell: Die FreeBuds 4. Wir testen sie auf Herz und Nieren.
(Quelle: Huawei)
Lange hat sich Huawei nicht Zeit gelassen: Wenige Monate nach dem Launch der FreeBuds 4i präsentieren die Chinesen die FreeBuds 4 – als direkte Nachfolger der FreeBuds 3, die im Herbst 2019 erschienen sind – und als Valentinstag-Version in Rot nochmals im Februar 2020. In Insider-Kreisen nur «Babybel» genannt – wegen der kreisrunden, in Rot gehaltenen Ladeschale – werden sie nun von den FreeBuds 4 beerbt. Und siehe da: Etwas entgegen dem gegenwärtigen Trend setzt Huawei auch bei ihrem neusten Audio-Gerät auf die halboffene Hörer-Bauform, bekannt geworden durch Apples AirPods der ersten und zweiten Generation. Dies erstaunt im ersten Moment, ist diese «Architektur» doch wegen besserer Geräuschreduktion und Soundqualität der In-Ear-Modelle praktisch komplett verschwunden – selbst Apple setzt bei seinen AirPods Pro auf In-Ear.
Huawei verspricht jedoch guten Sound und Top-ANC, trotz der halboffenen Bauform und natürlich einen hohen Tragekomfort. Letzteres ist wohl das Pro-Argument für diese Bauform – jedenfalls für mich. Dazu kommt, dass die Kopfhörer, wenn die Musik pausiert oder abgeschaltet ist, problemlos im Ohr behalten werden können, wenn man eine Unterhaltung führt. Hier ist die Dämpfung bei In-Ear-Geräten bereits ein Problem – auch wenn es freilich bei fast allen diesen Geräten einen «Transparenz-Modus» gibt, der die Geräusche ans Ohr transportiert. Aber zurück zu dem FreeBuds 4.
Wie bereits erwähnt, sind die FreeBuds 4 ihren Vorgängern in Bezug auf das Design recht ähnlich. Die Ladeschale ist ebenfalls rund, aber kleiner und leichter und das Gleiche gilt für die Ohrhörer selbst. Letzteres ist allerdings vernachlässigbar – der Grössenunterschied ist in der Praxis kaum wahrnehmbar. Sowohl die Ladeschale als auch die Ohrstöpsel sind wieder aus Kunststoff – in unserem Fall aus mattem Silber (die Hülle) und hochglanz-silbern (die Kopfhörer). Scheint die Sonne rein, sieht man sie schon von Weitem – Geschmackssache, aber ich finde sie recht hübsch. Klar allerdings, dass das ein gefundenes Fressen für Fingerabdrücke ist, vor allem im Sommer.
Die Ladeschale verfügt über eine LED an der Aussenseite. Diese wechselt zwischen roter, gelber und grüner Farbe, je nach Ladestand der Schale und der Ohrhörer selbst. Der Type-C-Port befindet sich an der Unterseite, seitlich findet sich ein Kopplungs-Button. Dieser ist kaum wahrnehmbar, hat er doch nur eine schmale Kante und hebt sich auch farblich nicht vom Rest der Schale ab. Auf der Front findet sich derweil noch das Huawei-Branding. Auffällig ist die leicht «spitzere» Form der Ohrhörer gegenüber dem Vorgänger – gemäss Huawei sei dies einer besseren Geräuschunterdrückung zuträglich.
Angenehm: Das Gehäuse ist klein und trotz Kunststoff solide, das gleiche gilt für die Ohrstöpsel selbst. Setzt man die Stöpsel in die Schale, bemerkt man den «Magnetschnapp», welcher sie dort arretiert.
Das Key-Feature, um es mal so zu nennen, ist der Komfort. Ich weiss vom Kollegen Diggelmann, dass es Ausnahmen gibt, aber grundsätzlich passt die Bauform der IPX-4-zertifizierten Hörer auf die meisten Ohren – man fühlt sich, als trüge man gar nichts im Ohr. Dennoch hört man Musik – und nicht schlecht: Huawei hat leicht grössere Treiber verbaut (14,3 mm). Dieser sorgt für einen klaren Stereoeffekt und der Klang ist gut ausbalanciert. Die Bässe, Mitten und Höhen sind gut abgestimmt und ein präsenter, aber nicht dominanter Bass rundet das Klangbild ab. Einzige Schwäche: Bei höheren Lautstärken werden die Höhen etwas schrill und sind leicht verzogen. Damit wir uns richtig verstehen: Natürlich kann ein TW-Kopfhörer mit offener Bauform nicht mit der Klangtiefe eines WF-1000 XM4 oder dem seines Vorgängers mithalten (schon des grösseren Resonanzköpers wegen) – allerdings holt Huawei hier sehr viel raus – erst recht zu dem Preis. Interessant: Huawei preist die sogenannte «Adaptive Equalizer»-Funktion an – je nach Ohrform sollen die Kopfhörer die Soundkalibrierung umstellen. Da meine Ohrform aber nun mal ist, wie sie ist, ist es schwierig festzustellen, ob der Sound für jemand anders auch anders klingt. Wir werden uns da auf Huaweis Aussage verlassen müssen.
Was für den Sound gilt, gilt auch für die aktive Geräuschunterdrückung. Wenn ein Kopfhörer mit seinen Silikon-Ohrpolstern den kompletten Gehörgang «verstopft», ist es klar, dass da weniger Aussengeräusche ans Trommelfell dringen. Aber dennoch: Huawei schafft es, die ANC-Grenze auf 25 Dezibel anzuheben – nervige Gespräche in der S-Bahn oder «Handysound» anderer Personen werden am Träger der Kopfhörer vorbeigehen. In der Praxis kommt das wohl auch auf den Gehörgang an. Ein bisschen Stille ja - aber wirklich viel filtert die Geschichte nicht raus.



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