Test: Fujifilm X-E1

RAW-Verarbeitung und Bildqualität

RAW-Verarbeitung
Zu den wenigen Schwachstellen der X-E1 gehört die RAW-Verarbeitung. Fujifilm liefert mit der Kamera nur die rudimentärsten Programme mit. Da wäre einmal «MyFinePix Studio» – eine (zu) simple Bildverwaltung, die nur für Windows angeboten wird. Geschenkt. Die zweite Software trägt den Namen «RAW File Converter EX» und zählt ganz bestimmt zu den 50 hässlichsten Programmen, die seit der Erfindung des Transistors entwickelt wurden.
So nicht: der RAW-Converter von Silkypix
Der RAW-Converter der Version 3 wird für Mac und Windows mitgeliefert und stammt aus dem Hause Silkypix. Als Käufer der X-E1 kommt man in den zweifelhaften Genuss eines vergünstigten Updates auf Version 5, und zwar für 155 Franken statt für 227 Franken. Der RAW-Converter sollte unbedingt einmal ausprobiert werden damit man anschliessend weiss, dass um jeden Preis eine Alternative her muss.
RAW-Alternativen gesucht
Der X-Trans-Sensor wird jedoch zurzeit nur von wenigen Softwareherstellern unterstützt. Tatsächlich bereitet sein eigenwilliges Layout den meisten Software-Herstellern Kopfzerbrechen – oder sie sind einfach nicht gewillt, viel Arbeit in eine relativ kleine Zielgruppe zu investieren.
Zum einen wäre da natürlich Adobe zu erwähnen. Der Platzhirsch bei der Bildverarbeitung unterstützt den X-Trans-Sensor ab Lightroom 4.2 respektive Photoshop CS 6 mit Camera RAW 7.2. Allerdings schaffte es Adobe trotz mehrerer Updates bis jetzt nicht, die RAW-Dateien der Fujifilm einwandfrei zu entwickeln. Im Web wird an allen Ecken Kritik laut, die sich entweder auf einen sehr unschönen Weichzeichner-Effekt bei Schärfen bezieht, oder auf einen heftigen Magenta-Farbstich bei den Spitzlichtern.
Doch zum Glück gibt es auch eine Alternative. Die Profisoftware Capture One 7 zeigt, was sich aus den RAW-Dateien der X-E1 herauskitzeln lässt. Die Pro-Version kostet ca. 280 Franken, das leicht reduzierte Capture One Express 7 kostet etwa 84 Franken. Von beiden Programmen bietet der Hersteller PhaseOne voll funktionstüchtige Demoversionen an.
Capture One Pro ist zurzeit das Beste, das einem Fuji-Fotografen widerfahren kann
Danach verdüstert sich der Himmel. Apple (Aperture & iPhoto), DxO (Optics Pro) und fast alle anderen Hersteller von Bildverarbeitungsprogrammen hinken hinterher. Allerdings gibt es auch Wege, um diesem RAW-Dilemma zu entkommen, indem der Entwicklungsprozess in Lightroom oder Capture One vorgenommen wird, während die fertigen JPEGs in einer beliebigen Bildverwaltung gespeichert werden.
Bildqualität
Die RAW-Frage tritt allerdings in den Hintergrund, sobald man die ersten JPEGs aus der Kamera am Bildschirm betrachtet. Die Qualität lässt sich nur dann angemessen beschreiben, wenn man tief in die Kiste mit den Superlativen greift. Die Schärfe schwankt irgendwo zwischen «fantastisch» und «unglaublich» (getestet mit dem 35-mm-Objektiv). Wer auf Pixel-Peeping steht, darf sich auf viele schöne Stunden vor dem Monitor freuen.
Die Begeisterung über die Bildqualität wird zusätzlich angefacht, wenn man beginnt, die eingebauten Filmsimulationen durchzuspielen. Die X-E1 bietet in den Standard-Einstellungen weiche, zarte und fast schon langweilig-neutrale Bilder, die auf der Farbgebung des Fuji-Films «Provia» basieren. Allerdings lassen sich die Werte für den Kontrast, die Sättigung und mehr anpassen, so dass man sich einen eigenen Stil erarbeiten kann.
Zusätzlich kann die X-E1 neun weitere Filmsorten simulieren. Diese umfassen Fuji-Filme wie zum Beispiel den bunteren «Velvia» oder den weichen «Astia». Natürlich fehlt auch eine Schwarzweiss-Umsetzung nicht, die wahlweise durch einen simulierten Gelb-, Rot- oder Grünfilter ergänzt wird. Diese Filmsimulationen sorgen dafür, dass die Bilder an analoge Aufnahmen erinnern, vom fehlenden Korn einmal abgesehen. Die so vermittelte Stimmung erreicht man mit den meisten anderen Kameras höchstens bei der Nachbearbeitung.
Simulationen, von oben nach unten: Neg. High, Velvia, Schwarzweiss mit Gelbfilter
Wer seinen eigenen Stil für die JPEG-Aufnahmen sucht, hat leichtes Spiel: Dazu wird einfach ein Foto im RAW-Format aufgenommen und anschliessend in der Kamera unterschiedlich entwickelt, weil Filmsimulationen und alle anderen Einstellungen nachträglich angewendet werden können. Anschliessend speichert die X-E1 die Ergebnisse als JPEGs in der Kamera, so dass sie sich später am Rechner vergleichen lassen.
Aufnahmen in der Dämmerung
Noch bei 6400 ISO hält sich das Rauschen in engen Grenzen, so dass im Dämmerlicht das Blitzgerät in der Tasche bleiben kann. Auf Wunsch wird die Empfindlichkeitseinstellung von der ISO-Automatik übernommen, die wahlweise zwischen 400 und 6400 ISO arbeitet. Wird die Empfindlichkeit manuell vorgegeben, lassen sich ISO-Werte zwischen 100 und 25’600 ISO wählen, allerdings nur im JPEG-Format. Im RAW-Format schrumpft die Spannweite auf Werte zwischen 200 und 6400 ISO.
Leider ist es nicht möglich, in der ISO-Automatik die längste erlaubte Verschlusszeit vorzugeben. Wenn man alles der Kamera überlässt, wählt die ISO-Automatik tendenziell zu lange Verschlusszeiten, was oft in verwackelten Aufnahmen endet. Es bleibt zu hoffen, dass diese banale Funktion endlich mit einem Firmware-Update nachgereicht wird.
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