Test: Fujifilm X-T3

Eine nahezu perfekte Kamera. Das starke Gesamtpaket bei PCtipp unter der Lupe.

von Klaus Zellweger 25.06.2019

Vom Schriftzug abgesehen, ähneln sich die X-T2 und die neue X-T3 wie Zwillinge. Alle Tasten sind dieselben, nur die Einstellräder sind flacher geworden. Für den Dioptrienausgleich muss das Rädchen ein wenig herausgezogen werden, um seine Position zu ändern. Der Rest ist wie gehabt und das ist gut so: Das Bedienkonzept zu verändern birgt die Gefahr, es zu verschlimmbessern.

Neue innere Werte

Die Änderungen spielen sich im Inneren ab, angefangen beim neuen X-Trans-Sensor der vierten Generation. Der rückwärtig belichtete APS-C-Sensor ist neu mit der vierfachen Anzahl an Phasendetektionspixeln ausgestattet und arbeitet mit einer Auflösung von 26 Mpx, also mit nur 2 Mpx mehr als die X-T2.

Flankiert wird der Sensor vom X-Prozessor 4, der gemäss Fujifilm dreimal schneller als sein Vorgänger sein soll. Zusammen sorgen sie dafür, dass der Autofokus spürbar mehr Reaktionsfreude zeigen soll. Und das tut er! Er findet sein Ziel rasend schnell und bringt eine spürbare Verbesserung gegenüber der X-T2.

Der neue Sensor löst nur unwesentlich höher auf Der neue Sensor löst nur unwesentlich höher auf Zoom© Fujifilm

Gefühlt reicht der Autofokus zwar nicht ganz an das fast schon absurde Tempo der Sony a6400 (Test) heran, aber sein Verhalten war in jeder Situation sehr befriedigend. Das gilt erst recht für Umgebungen mit schwachem Licht, in denen der Fokus schneller gefunden wird. Auch die Gesichtserkennung und besonders die Augenerkennung funktionieren schnell und zuverlässig.

Tempo

Die X-T3 mischt beim Tempo ganz vorne mit. So sind neu Fotoserien mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde möglich, wenn der elektronische Verschluss verwendet wird. Doch selbst mit dem mechanischen Verschluss liegen noch 11 Bilder pro Sekunde in RAW+JPEG drin. Dabei schaufelte die Kamera im Test bis zu 34 Fotos in sich hinein, bevor der Puffer voll war und der Verschluss zu stottern anfing.

Videofunktionen

Auf der Baustelle mit den Videofunktionen waren die Fujifilm-Ingenieure besonders fleissig. Die X-T3 unterstützt jetzt Aufnahmen mit F-Log in 4K bei 60 fps mit der Farbunterabtastung 4:2:0 bei 10 Bit, wenn auf SD-Karte aufgezeichnet wird. Über die direkte HDMI-Ausgabe sind sogar 4:2:2 bei 10 Bit möglich. Die Kompression übernimmt dabei der top-aktuelle HEVC-Codec (h.265). Das sind Werte, bei denen die meisten anderen Kameramodelle weit im Abseits stehen.

Ausserhalb von F-Log sind während der Aufnahme beliebige Filmsimulationen möglich (dazu später mehr). Wenn das Color-Grading jedoch erst später vorgenommen werden soll und F-Log nicht gewünscht ist, bietet sich die flaue Filmsimulation «Eterna» an, die bessere Bedingungen für nachträgliche Korrekturen schafft.

Die X-T3 bietet Anschlüsse für einen Kopfhörer und ein externes Mikrofon. Ein zuschaltbares Zebramuster warnt vor überbelichteten Stellen. Die Bitrate beträgt hohe 200 Mbit pro Sekunde. Wenn jedoch die SD-Karte mitmacht und den V60-Standard oder höher unterstützt, liegen sogar 400 Mbit pro Sekunde drin! Das bedingt allerdings auch einen Rechner, der in der Lage ist, mit so schweren Geschützen umzugehen.

Und damit bringt die X-T3 fertig, was ihre Vorgängerinnen nicht schafften: Sie hat das Vorurteil «Fujifilm ist nur für Fotos, nicht für Videos» endgültig widerlegt.

Design

Über das Retro-Design gibt es nichts mehr zu schreiben, was nicht schon unzählige Mal in den Himmel gelobt wurde. Die mechanischen Bedienelemente wie die Einstellräder oder der Blendenring sind eine Wohltat für alle, die die Nase voll haben von ellenlangen Menüs, in denen grundlegende Funktionen zusammengekratzt werden müssen. Das Gehäuse ist ausserdem gegen Spritzwasser und Staub abgedichtet; allerdings empfiehlt sich in garstigen Umgebungen ein genauso dichtes Objektiv.

Die Haptik und die Ergonomie sind unverwechselbar Die Haptik und die Ergonomie sind unverwechselbar Zoom© PCtipp / ze

Dabei bleibt die Digitalisierung keineswegs auf der Strecke. Die Anzeigen im Display und im Sucher lassen sich bis ins Detail anpassen. Dasselbe gilt für die Tasten, die nahezu beliebige andere Funktionen übernehmen können. Aus gutem Grund sind die vier Navigationstasten auf der Rückseite nicht beschriftet – denn nichts ist störender, als eine falsch beschriftete Taste. Auch das haben die meisten Mitbewerber noch nicht realisiert.

Blitz

Der X-T3 fehlt ein integrierter Blitz; stattdessen gehört ein kleiner Aufsteckblitz zum Lieferumfang.

Display

Auch das Display der X-T3 wurde überarbeitet. Es reagiert jetzt auf Berührungen und bietet dazu detaillierte Einstellungen. So werden über das Display der Fokus festgelegt, durch die Aufnahmen gewischt, das Q-Menü bedient und dergleichen mehr. Das ist bekannte Kost, aber es kommt noch besser: Eine Spreizgeste mit zwei Fingern zoomt im Wiedergabe-Modus flüssig und fast stufenlos in das Bild hinein.

Das Display ist gerade so beweglich, dass es nicht unangenehm auffällt Das Display ist gerade so beweglich, dass es nicht unangenehm auffällt Zoom© PCtipp / ze

Neu ist auch die Darstellung «Dunkles Umgebungslicht», die die Anzeige in ein sattes Orange-Rot taucht. Da fühlt man sich doch fast wie in einer Dunkelkammer. Schade nur, dass die Anzeige ab einer bestimmten Helligkeit nicht automatisch umschaltet.

Aus unerfindlichen Gründen werden Erinnerungen an eine Dunkelkamera wach Aus unerfindlichen Gründen werden Erinnerungen an eine Dunkelkamera wach Zoom© PCtipp / ze

Das Display lässt sich weiterhin um 45 Grad nach hinten oder zu Seite schwenken oder um 90 Grad nach oben – das ist ideal, wenn sich die Kamera in Bodennähe befindet. Video-Bloggern wird das jedoch nicht ganz reichen, denn sie kontrollieren sich gerne komplett im Display – und soweit reichen die Verrenkungen bei der X-T3 nicht.

Die App

Lange Zeit war die App von Fujifilm so hässlich, dass man sie aus ästhetischen Gründen hätte verbieten müssen, denn es gibt für alles eine Grenze. Die neue Version 4.x stimmt jedoch versöhnlich. Vor allem ist sie weit besser, als die Rezensionen im App Store vermuten lassen. Aber das ist eben das Kreuz mit den Altlasten.

Die Einrichtung wird von einem Assistenten begleitet und ist in zwei Minuten erledigt. Dabei koppelt sich das Smartphone (im Test: ein iPhone XS Max) via Bluetooth mit der Kamera. Diese Verbindung ist für die X-T3 lediglich das Startsignal, um ein schnelleres Wi-Fi-Netz zu errichten, über das der Datenaustausch abgewickelt wird. Ab dem nächsten Start der App erfolgt die WLAN-Koppelung automatisch und bietet ungekannten Komfort für iPhone-Besitzer, die bei solchen Verbindungen nicht auf NFC setzen können – doch NFC fehlt bei der X-T3 sowieso.

So getan, zeigt die App, was die Kamera sieht. Ein Tippen verlegt den Fokus auf eine andere Stelle. Auch die Aufnahme-Parameter lassen sich bis ins Detail ändern. Kurz, der Umgang ist jetzt sehr viel angenehmer geworden.

Die App ist in Version 4 kaum wiederzuerkennen Die App ist in Version 4 kaum wiederzuerkennen Zoom© Screenshot / ze

Der Inhalt der Speicherkarte lässt sich in der App betrachten und die Fotos aufs Mobilgerät übertragen. Dabei werden nur JPEG-Dateien unterstützt. Die Auflösung wird ausserdem auf 3 Mpx reduziert, was das Gemüt des Fotografen trübt. Dabei kann die X-T3 die JPEGs sehr wohl in der vollen Auflösung übertragen – aber die Einstellung dazu befindet sich nicht in der App, sondern in der Kamera.

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