Wo gehört das hin? 30.10.2020, 11:20 Uhr

Test: Apple iPhone 12

Das beste und schönste Smartphone, das Sie sich nicht kaufen sollten.
Das iPhone 12 ist gemäss IP68 wassergeschützt bis zu einer Tiefe von 6 Metern für bis zu 30 Minuten
(Quelle: Apple Inc. )
Das iPhone 12 findet zu seiner alten Form zurück – und das ist wörtlich zu verstehen. Es lehnt sich an die Designsprache an, die 2010 mit dem iPhone 4 eingeführt und dem iPhone 5 fortgesetzt wurde. Für Veteranen: Das iPhone 4 war jenes Gerät, dessen hochgeheimer Prototyp von einem jungen Apple-Ingenieur in einer Bar vergessen wurde.
Diese Form gilt bei vielen Fans (und auch bei mir) als die schönste bei den iPhones. Doch die Zeiten ändern sich. Das iPhone 4 wirkt bereits gegenüber dem regulären iPhone 12 geradezu winzig. Und was sich 2010 noch griffig anfühlt, ist heute fast ein wenig zu kantig – erst recht, wenn man es einem Handschmeichler wie dem iPhone 11 gegenüberstellt.
Das iPhone 12 liegt gut in der Hand, aber es fühlt sich nicht so gut an wie der rundliche Vorgänger
Quelle: PCtipp.ch

Die nackte Wahrheit

Zum Lieferumfang des iPhones gehört neben dem Draht für den SIM-Schacht gerade einmal das Ladekabel von USB-C zu Lightning. Apple begründet diesen Schritt mit dem Umweltschutz und betont dabei, dass die meisten Leute mehr als genug Netzteile rumliegen haben. Das mag bei USB-A-Netzteilen stimmen; aber bei USB-C-Netzteilen ist das keineswegs sicher. Wenn das iPhone 12 jedoch nicht das erste Apple-Gerät im Haus ist, dann stehen die Chancen immerhin gut, dass ein Lightning-Kabel mit USB-A-Anschluss herumliegt.
Trotzdem wäre es wohl klüger gewesen, bei den Netzteilen schon vor ein oder zwei Jahren auf USB-C umzusteigen – und nicht ausgerechnet dann, wenn die Dinger aus dem Lieferumfang entfernt werden. Und warum liefert Apple bei der neuen Apple Watch weiterhin ein Ladekabel mit USB-A mit? Scheinbar weiss manchmal auch in Cupertino die Linke nicht, was die Rechte tut.
Tipp: Wenn Sie für das iPhone 12 ein USB-C-Ladegerät kaufen (müssen), sollten Sie zum neuen 20 W USB‑C Power Adapter von Apple greifen. Er ist zurzeit wohl das einzige Netzteil, das auch den neuen MagSafe-Ladeadapter unterstützt, der sich im Test nicht nur mit Ruhm bekleckert hat.
Der MagSafe zickt herum, wenn nicht das neuste Apple-Netzteil verwendet wird
Quelle: PCtipp.ch
Die Kopfhörer wurden ebenfalls weggelassen. Doch wenn man die schiere Menge an AirPods in der Öffentlichkeit betrachtet, scheint das kein Verlust zu sein.

Das Display

Das iPhone 12 kommt mit einer Display-Diagonale von 6,1 Zoll. Für die Anhänger kleiner Smartphones gibt es zwar das iPhone 12 «mini» mit 5,4 Zoll; doch wer ein grösseres Display will, muss zum iPhone 12 Pro «Max» greifen und damit auch die Geräteklasse wechseln.
Das HDR-fähige Display liefert einen höheren Kontrast und eine doppelt so hohe Spitzenhelligkeit von 1200 Nits. Der Kontrast des OLED-Displays liegt bei 2’000’000:1 und unterstützt die HDR-Standards Dolby Vision, HDR10 und HLG. So viel zu den beeindruckenden technischen Eckdaten.
Das Display ist eine Wucht, keine Frage. Im direkten Vergleich zum iPhone 11 Pro leistet es auch sichtbar mehr – allerdings erst beim zweiten Hinsehen. Apple stellte uns Original-Aufnahmen aus dem iPhone 12 Pro mit intakten Metadaten für den direkten Vergleich zur Verfügung, die natürlich alle unter den bestmöglichen Bedingungen und mit einem Heer von Assistenten und Beleuchtungstechnikern aufgenommen wurden – aber daran ist nichts auszusetzen.
Der erste Gedanke: Das sieht ja ziemlich gleich aus.
Nach 20 Sekunden und einigen Vergleichfotos: Doch, es gibt einen deutlich sichtbaren Unterschied. Während die Farben «nur» ein wenig besser sind, liefert das Display des iPhone 12 mehr Feinheiten. So zeigen die Wolken auf dem iPhone 12 mehr Details; vor allem in den helleren Bereichen, ohne dabei an Zeichnung zu verlieren. Jeder Versuch, den Unterschied zu fotografieren, scheiterte jedoch: zu gering.
Das Display punktet in erster Linie bei HDR-Aufnahmen. Die Unterschiede zum Vorgänger sind gegeben, aber der Wow-Effekt wird wohl bei vielen Aufsteigern ausbleiben. Denn das Display des iPhone 11 war ebenfalls überragend, sodass die aktuelle Ausführung eher von den Gourmets unter uns geschätzt werden.
Doch warum wurde kein 120-Hz-Display verbaut? Oder wenigstens ein 90-Hz-Display? Apple selbst äussert sich natürlich nicht dazu, sodass den Spekulationen Tür und Tor geöffnet sind. Eine populäre Theorie besagt, dass das 5G-Modul und ein 120-Hz-Display zusammen den Akku zu schnell leergenuckelt hätten. Andere glauben gelesen zu haben, dass Samsung innerhalb nützlicher Frist nicht genügend Displays in dieser Qualität bauen konnte.
Zugegeben, auf dem iPad Pro ist das 120-Hz-Display ein Traum: Alles wirkt so flüssig, so geschmeidig. Bei einem Smartphone ist der Effekt jedoch nicht ganz so gross, weil eine viel kleinere Displayfläche bewegt wird. Ein 120-Hz-Display im iPhone wäre zwar eine feine Sache; doch ein 60-Hz-Display ist weit weg von «unzumutbar». Aber das liegt im Ermessen des Einzelnen.
Das Display wird neu von einem «Keramik-Schild» von Corning geschützt. Apple spricht von einer «4x better drop performance», also einer viermal höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber Sturzschäden. Und nein, diese Aussage haben wir nicht auf die Probe gestellt.


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