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Freeware, Adware, Shareware - was ist was?

Was ist eine Adware, und ist eine solche immer böse? Und was ist mit Donationware oder Cardware gemeint? Diese und weitere Software-Formen einfach erklärt.

von Gaby Salvisberg 17.06.2015

Manche Software-Hersteller bieten einzelne Programme komplett gratis an, um für die Fähigkeiten ihres Unternehmens zu werben. Andere ziehen den Nutzern mittels Demoversionen den Speck durchs Maul und wiederum andere überlassen es dem Anwender, ob und wie er sich bei ihm revanchiert. Nicht jedes Wort, das auf «-ware» endet, muss etwas Positives bedeuten. Und umgekehrt ist auch eine «Adware» nicht in jedem Fall schlecht.

Die folgenden Begriffe sollten Sie kennen, auch wenn nicht alle Anbieter gut ersichtlich hinschreiben, worum es sich bei diesem oder jenem Download genau handelt.

Vollversion: Dies heisst bloss, dass in dieser Programmversion alle Funktionen enthalten sind, die der Anbieter in dieses Programm bisher einzubauen bereit war. Auch Gratisprogramme können Vollversionen sein. Sogar werbeunterstützte Programme (Adware) wären als Vollversionen denkbar. Die meisten Open-Source-Programme sind Vollversionen. Recht beliebt ist auch, nebst der kostenpflichtigen Vollversion eines Produkts eine kostenlose oder stark vergünstigte Lightversion anzubieten. Siehe nächsten Punkt.

Lightversion: Das ist der teils stark abgespeckte kleine Bruder einer Vollversion. Während Vollversionen üblicherweise anspruchsvolle Benutzer ansprechen, die von ihrer Software einen grossen Funktionsumfang und Business-Fähigkeiten erwarten, richtet sich die Lightversion häufig an Privatanwender. So bleiben in der Lightversion eines Programms oft Funktionen auf der Strecke, die im Geschäftsumfeld intensiv genutzt werden, etwa Datenbank-, Netzwerk- oder Zusammenarbeitsfunktionen oder Spezialfunktionen für professionellen Druck. Von einigen Anwendungen gibt es kostenlose Lightversionen, von anderen gibt es welche, die im Vergleich zur Vollversion deutlich billiger daherkommen.

Freeware: Leider inzwischen ein etwas zu weit gefasster Begriff für kostenlose Software im Allgemeinen. Viele Anbieter bezeichnen alles als Freeware, was nicht zeitlich eingeschränkt ist und wofür der Anwender kein Geld bezahlt. Sehr viele Freeware gehört allerdings in die Kategorie Adware. 

Es gibt natürlich Entwickler, die echte Freeware abgeben, ohne eingebaute Werbung, ohne Zahlungsaufforderungen, ohne Spionage-Tools, ohne Registrierzwang. Das trifft auf die meisten Open-Source-Programme zu. Viele der Freeware-Entwickler bitten auf ihren Webseiten oder in einem der Installationsdialoge um einen freiwilligen finanziellen Beitrag. Die Funktion der Software hängt aber nicht davon ab - allerhöchstens aber deren Weiterbestehen. Nutzen Sie eine Freeware intensiv, dann besuchen Sie doch mal die Webseite des Entwicklers und halten dort nach einem PayPal-Button oder einer anderen Bezahlmöglichkeit Ausschau. Das gilt auch für Browser-Add-Ons, wie zum Beispiel Snap Links Plus.

Adware: Oft auch als «werbeunterstützte Software» bezeichnet. Klassische Adware sähe so aus: Statt Geld für ihr Produkt zu verlangen, bauen die Entwickler in ihre Software ein kleines Werbefenster ein, das entweder dauernd zu sehen ist oder beim Start kurz erscheint. Sie vermieten dieses Fenster an Werbetreibende oder machen darin selbst Werbung für eigene kostenpflichtige Produkte oder Dienstleistungen. Das muss nicht zwingend schlecht sein, solange zwei wichtige Punkte gewahrt bleiben: Erstens sollte der Anbieter dafür sorgen, dass sich über dieses Werbefenster keine Schädlinge einschleusen können. Zweitens sollte er über das eingebaute Werbemodul keine Nutzerdaten sammeln, sonst wäre es eher Spyware. 

Manche Adware kommt mit teils unnützen zusätzlichen Toolbars und Ähnlichem von Drittanbietern daher. So zum Beispiel die Java-Runtime, die den Nutzern seit Jahren die Ask-Toolbar aufschwatzen will. Andere bündeln im Installer die Toolbar eines Antivirenherstellers mit hinein. Wenn die Ads (für engl. «Advertisements», Werbung) in Form solcher «mit-gebündelter» Software daherkommen, lassen sich solche Zusatzmodule aber meistens in einem der Installationsdialoge ausknipsen, sodass sie gar nicht erst installiert werden.

Registerware: Eigentlich kein offiziell verwendeter, aber ein treffender Begriff für eine weitere Software-Kategorie, die sich selbst als Freeware bezeichnet. Sie bezahlen diese Software nicht in Geld, sondern mit Ihren Daten. Vor dem Download, während der Installation oder beim ersten Start des Programms müssen Sie sich zwingend via Web beim Anbieter registrieren. Der Anbieter erhält von Ihnen also mindestens eine Mailadresse, wenn nicht noch mehr Daten - je nach Art der auszufüllenden Pflichtfelder auf dem Formular.

Open Source: Das bedeutet, dass der Quellcode des Programms öffentlich bereitsteht und von jedem interessierten Entwickler eingesehen und für eigene Zwecke selbst angepasst werden darf. Auch wenn die meiste Open-Source-Software in vollem Umfang gratis ist, muss das nicht auf alle zutreffen. 

Cardware: Eine Freeware bzw. gratis benutzbare Software, aber der Autor hätte gerne, dass Sie ihm - kein Witz! - eine Ansichtskarte schicken. Sehr ähnlich ist auch das folgende, nämlich:

Donationware: Auch deren Autor verschenkt die Software im Prinzip. Aber er wünscht sich, dass Sie an eine gemeinnützige Institution eine Spende in beliebiger Höhe entrichten. Manchmal listet er auch auf, welche Organisationen er gerne begünstigt hätte.

Shareware: Wie der Name sagt (engl. «share» bedeutet teilen), soll diese Software geteilt werden. Aber die Nutzer sind angehalten, nach Ablauf einer Testphase (z.B. 30 Tage) die Software entweder zu kaufen oder zu deinstallieren. Früher verhielt sich Shareware so, dass sie nach Ablauf der Probierphase bloss gelegentlich eine Aufforderung zum Kauf einblendete; zum Beispiel jeweils beim Start des Programms. Weil zu viele Nutzer eine Shareware danach trotzdem ohne zu bezahlen weiterverwenden, sind einige Shareware-Anbieter dazu übergegangen, nach 30 Tagen wichtige Funktionen stillzulegen. Damit wird eine Shareware faktisch zur Demoversion. Die Grenzen sind also auch hier fliessend.

Test- oder Demoversion: Die Testversion einer Software dient dazu, sie vor einem Kauf ausprobieren zu können. Damit sich nun nicht alle vor einem Kauf drücken, schränken die Anbieter die Lauffähigkeit der Testversionen auf die eine oder andere Weise ein. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Am beliebtesten ist das Einstellen aller Funktionen nach einer Weile – vielleicht 15, 30 oder 90 Tage nach dem Installationszeitpunkt. Auch recht beliebt ist das generelle Einschränken einzelner Funktionen in der Testversion: Die Software ist zwar endlos benutzbar, aber man kann z.B. keine Dateien über einer bestimmten Grösse (z.B. Clips über einer bestimmten Länge) erstellen. Oder es wird in den damit erstellten Produkten immer ein Herstellerlogo als Wasserzeichen eingeblendet. Erst beim Kauf der Lizenz und Eingabe des Schlüssels lassen sich solche Beschränkungen aufheben.

Die «Schwarzhüte»

Die folgenden Begriffe bezeichnen Programme, die das Ziel verfolgen, dem Benutzer auf die eine oder andere Weise zu schaden. Darum wird natürlich kein Hersteller der Welt so ehrlich sein und seine eigenen Erzeugnisse so bezeichnen. Eher wird er behaupten, sein tolles «Tool XY» sei eines aus einer der oben erwähnten Kategorien.

Spyware: Diese Software behauptet von sich selbst normalerweise, sie sei schlicht Freeware oder sie sei «werbeunterstützt». Aber im Gegensatz zu jener beobachtet sie das Nutzerverhalten und übermittelt Aufzeichnungen dazu an den Hersteller. Dazu gehören zum Beispiel die besuchten Webseiten oder vielleicht sogar Tastatureingaben in der Anwendung selbst. Viele Programme aus dem Adware-Bereich enthalten auch Komponenten, die sich Spyware-ähnlich verhalten und den Benutzer ausspionieren. 

Weil das Sammeln solcher Daten ohne Nutzereinverständnis illegal wäre, müssen die Hersteller es wenigstens in die Lizenz- bzw. Nutzungsbedingungen schreiben. Dabei greifen sie tief in die Euphemismuskiste: So ist vom Sammeln anonymer Nutzungsdaten die Rede, anhand derer man das «Nutzungserlebnis steigern» wolle. Kann sein, dass es sogar stimmt; kann aber auch sein, dass sie an Personendaten kommen wollen.

Wenn der Anbieter nicht bloss zur Einblendung von Werbung, sondern in krimineller Absicht eine Spyware einbaut, handelt es sich eher um ein Trojanisches Pferd. Das könnte dann sogar Passwörter ausschnüffeln, Mailverkehr abfangen und Ähnliches.

Malware: Ein richtiger Schädling, der nichts anderes im Sinn hat, als den Nutzer zu erpressen, seine Daten zu klauen oder zu löschen, vielleicht in sein Onlinebanking einzubrechen oder Ähnliches. Die meiste Schadsoftware, die nicht als Virus oder Wurm gilt, wird landläufig als Malware bezeichnet. Dazu gehören auch die zuvor erwähnten Trojaner.

Scareware: Auch eine Art Malware, von «to scare», zu Deutsch ungefähr «erschrecken». Sie zeigt zum Beispiel komplett erlogene Informationen zu einem nur scheinbar vorhandenen Virenbefall an. Den Nutzern, die darauf hereinfallen, versucht die Scareware, für einige Dutzend Franken eine komplett nutzlose Software anzudrehen, die den angeblichen Virenbefall behebe. 

Ransomware: Eine der übelsten Malware-Sorten überhaupt, denn «ransom» ist Englisch und bedeutet Erpressung. Einmal installiert, nimmt die Erpresser-Software einige oder alle Dateien des Nutzers oder gar die ganze Festplatte als Geisel. Die Kriminellen verschlüsseln hierbei die gekaperten Daten, sodass ohne Schlüssel kein Zugriff mehr darauf möglich ist. Es erscheint eine Lösegeldforderung. Wenn man die angegebene Summe bezahle, erhalte man den elektronischen Schlüssel, um die Dateien wieder zu befreien und wieder darauf zugreifen zu können. Leider gibt es viele Leute, die bezahlen - und die dafür sorgen, dass sich das Geschäft für die Erpresser lohnt.

Nebenbei: Sollte Ihnen das mit der Ransomware passieren, trennen Sie den PC vom Netz und wenden Sie sich (über einen anderen PC) an den Hersteller Ihrer Antivirensoftware. Vielleicht hat er ein Mittel dagegen. Wenn nicht, bleibt nichts anderes übrig, als alle internen Festplatten des betroffenen PCs komplett zu löschen, zu formatieren und Windows neu aufzusetzen. Das ist ein Grund, weshalb man erstens immer wieder ein Backup der eigenen Daten erstellen sollte. Und zweitens sollte dieses Backup getrennt vom PC aufbewahrt werden. Sobald nämlich ein mit Ransomware infizierter PC eine angestöpselte Harddisk entdeckt, kann es um die auf ihr liegenden Daten ebenfalls schon geschehen sein.

Tipp: Im PCtipp 7/2015 finden Sie einen ausführlichen Artikel mit nützlichen Hinweisen und Tipps zum Installieren und Deinstallieren von Software. Die neue Ausgabe steht schon vor der Tür: Ab morgen wird PCtipp 7/2015 an die AbonnentInnen versandt und ab dem kommenden Dienstag (23. Juni) finden Sie das Heft am Kiosk.


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