Kommentar 21.03.2006, 13:00 Uhr

Kommentar: Evolution statt Revolution

Die Hersteller teurer Hardware denken endlich auch an uns Anwender. Das immense Technik- Know-how wird in einfach bedienbare Geräte und Programme verpackt.
Früher war alles anders, aber nicht unbedingt besser. Auf den CeBIT-Messen vergangener Jahre umrahmten Aussteller ihr mit technischen Raffinessen vollgespicktes Software- und Hardware-Repertoire mit durchsichtigen Fachausdrücken. Einige Kostproben: UMTS, MP3, Hyper-Threading oder auch VoIP - ein schier undurchdringlicher Dschungel an technischem Kauderwelsch rauschte pünktlich zum Messestart mit Vollgas in unsere Köpfe. Die Quittung: Fortschrittliche Ideen wurden vom eigentlich willigen Publikum nur sehr zögerlich übernommen. Zwischen Technik und praktischem Nutzen türmten sich riesige Bollwerke auf.
Die CeBIT 2006 [1] präsentierte sich in einem neuen, anwenderfreundlichen Licht. Im Vordergrund stand der praktische Nutzen: Der MP3-Player spielt auch hochauflösende Filme ab, schiesst exzellente Bilder und taugt sogar fürs Telefonieren. Aus der einzelnen Grafikkarte, dem Mainboard oder der Video-Player-Software entsteht eine komplette Entertainment-Plattform mit Namen Viiv (ausgesprochen Weif), die alles vereint und sich bequem vom Sessel aus per Fernbedienung steuern lässt. Natürlich haben die Hersteller den passenden Grossbildfernseher mit im Programm.
Die Zeiten der Computer-Freaks, die an ihren PCs herumschrauben, scheinen endgültig vorbei: Im Fokus stehen Wünsche des Anwenders, der sich nicht mehr mit komplexer Technik-Fummelei auseinander zu setzen braucht. Inwieweit das Konzept von den Herstellern bereits adaptiert wurde, erkennt man unter anderem daran, dass der simple Ein- und Ausschalter eines Viiv-PCs nicht mehr an der schlecht erreichbaren Rückwand sitzt, sondern - so wie es sich für ein Hi-Fi-Gerät ziemt - auf der Vorderseite angebracht ist. Manchmal finden grosse Revolutionen eben zuerst im Kleinen statt.


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