Trendfahrzeuge 08.10.2021, 12:25 Uhr

E-Trottis: Das ist in der Schweiz erlaubt

E-Trottinetts sind mittlerweile überall in Schweizer Städten zu sehen. Doch was ist mit den E-Trottis erlaubt und wofür kassiert man eine Busse? Was verlangen Verleiher? Und was passiert, wenn man mit dem E-Scooter in die Agglomeration fährt?
(Quelle: Lime)
In vielen unserer Städte sind sie immer häufiger und zahlreicher zu sehen: E-Trottinetts. Die bunten E-Scooter von Verleihern wie Lime, Circ (ehemals Flash), Bird, Tier oder mittlerweile auch Voi prägen auch hierzulande das urbane Bild. Doch was ist in der Schweiz erlaubt – und was nicht?

E-Scooter fahren: Das gilt in der Schweiz

Grundsätzlich gelten in der Schweiz für E-Trottinetts die gleichen Regeln wie für Velos. E-Trottis fallen unter die Kategorie Leicht-Motorfahrrad. Das bedeutet: Das Trottoir ist tabu – die Benutzung von Velowegen ist zwingend, so will es das Gesetz.
Die E-Scooter benötigen Licht, eine Glocke sowie Bremsen und Sie dürfen mit ihnen maximal mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometer pro Stunde (km/h) fahren; mit (elektrischer) Tretunterstützung dürfen die Flitzer mit bis zu 25 Kilometer pro Stunde unterwegs sein. Die Antriebsleistung der Motoren darf 500 Watt nicht übersteigen. Ein Helm ist nicht obligatorisch, aber empfohlen. 
Lesen Sie auch das Merkblatt des Bundesamts für Strassen ASTRA [PDF] oder von der Stadt- und Kantonspolizei Zürich (Webseite und PDF-Download).

Dafür gibt es Bussen

Beispiele:

  • Mehr als eine Person fährt mit dem E-Trottinett.
  • Ein Kind unter 14 Jahren nutzt ein E-Trotti. Oder ein/e 14- bis 16-Jährige/r fährt damit ohne Führerausweis der Kategorie M (Töffliausweis) oder G (landwirtschaftliche Fahrzeuge). Ab 16 Jahren ist übrigens kein Führerausweis mehr nötig.
  • Sie fahren mit dem Gefährt z.B. auf dem Fussgängerweg.
  • Sie fahren mitten auf der Strasse, anstelle des rechten Strassenrandes.
Wie häufig die Stadtpolizei Zürich Bussen wegen E-Trottis verteilt hat, ist leider nicht verfügbar. Da E-Trottinetts nicht als separate Kategorie erfasst werden, ist dazu keine Statistik erhältlich.
Auf der Webseite der Stadtpolizei Zürich sind Merkblätter (Trendfahrzeuge) verfügbar. Sehen Sie sich auch das Video der Stadtpolizei Zürich an, wie man das E-Trotti richtig benutzt.

Diverse Verleiher am Start

Lime startete vor über drei Jahren in Zürich (PCtipp berichtete) und ist heute auch in Basel zu finden. Im Januar 2019 mussten über 500 E-Trottinetts vom Anbieter wegen technischer Probleme eingezogen werden, wie «Tages-Anzeiger» berichtete. Im September 2019 wagte Lime einen Relaunch in Zürich (PCtipp berichtete). Im Januar dieses Jahres startete Lime das E-Scooter-Sharing in Winterthur. Die Flotte in Winterthur besteht laut einer Mitteilung aus dem neuen E-Scooter-Modell Lime-S Gen-3.
Der E-Scooter-Verleiher Tier ist 2021 in Bern, Basel, St. Gallen, Winterthur, Zug und Zürich vertreten.
Das Berliner Start-up Circ (ehem. Flash) war vor zwei Jahren in Baar, Basel, Cham, Winterthur, Zug und Zürich vertreten. Circ wurde Anfang 2020 vom US-Sharing-Anbieter Bird aufgekauft. Bird ist 2021 in Basel, Winterthur und Zürich zu finden.
Der schwedische E-Scooter-Verleiher Voi startete im Mai 2020 mit 800 E-Trottis in Zürich ist ebenfalls in Winterthur vertreten. In Zürich arbeitet Voi mit den SBB zusammen. Voi bietet übrigens eine digitale Fahrschule für E-Scooter an. Mit der Yumuv-App kann man Voi-Scooter mieten. Lesen Sie hier mehr zu unserem Yumuv-Mobilitäts-App-Test.

Apps mit Info zu E-Trottinetten

Die SmartWay-App der SBB ist seit April 2021 nicht mehr in Betrieb. Sie zeigte in der Vergangenheit z.B. E-Scooter von Tier oder Voi.
Die App ZüriMobil der Zürcher Verkehrsbetriebe Zürich zeigt derzeit eher E-Bikes an. Nebst Publibikes finden Sie auch E-Sharing-Geräte von Tier, Bird oder Voi.
Links die ZüriMobil-App, mitte/rechts Google Maps mit Tier-/Voi-Infos
Quelle: Screenshots/PCtipp.ch
Auch in Google Maps finden Sie mittlerweile E-Scooter in der Nähe, um zum Bahnhof zu düsen, beispielsweise in Zürich finden Sie in den Routeninfos auch E-Trottis von Lime, mittlerweile finden Sie auch Geräte von Tier oder Voi.

Nix für die Agglomeration

Sie sollten mit den E-Trottinetts übrigens die Stadt nicht Richtung Agglomeration verlassen.
Tier arbeitet mit einem IoT-Modul, das über GPS jederzeit sendet, wo sich der Scooter befindet. Verlassen Sie also den Stadtbereich, dann bremst das E-Trotti auf Schrittgeschwindigkeit. Der erlaubte Bereich sei in der App deutlich erkennbar, wurde uns von einem Tier-Sprecher versichert. Ein Beenden der Fahrt ist nicht möglich, man kann nur innerhalb der zugelassenen Zone parkieren und dort über die App die Fahrt beenden – und bis dahin bezahlt man.
Zum Beispiel bei Bird stoppt das Gefährt sogar (wenn auch nicht abrupt). Die Geschwindigkeit verringert sich langsam bis zum Stopp. Erst, wenn Sie wieder ins Fahrgebiet kommen, können Sie normal weiterfahren. Auch hier: Die Kosten pro Minute laufen derzeit weiter, bis man die Fahrt innerhalb des erlaubten Gebiets beendet.

Verleiher: Das kosten die E-Trottis in der Schweiz

Stand Oktober 2021

Beispiel: Eine Fahrt vom Zürcher Sihlcity bis zum Zürich Hauptbahnhof (ca. 2,6 km) dauert laut Google Maps ungefähr 10 Minuten.
Bird (ehem. Circ)
  • Kosten: Fr. 1.– Freischaltgebühr (bei jeder Fahrt) und Fr. 0.45 pro (angefangene) Minute. Ausserdem steht in der App, dass bei Fahrtbeginn ein Pfand in Höhe von Fr. 3.- abgebucht werden kann.
  • Von den vier genannten Angeboten ist Bird somit der teuerste. Eine geplante Fahrt Zürich-Sihlcity zum Zürich HB würde rechnerisch somit Fr. 5.45 kosten (inkl. Freischaltgebühr).
Lime
  • Kosten: Fr. 1.– Freischaltgebühr (bei jeder Fahrt) plus Fr. 0.40 pro (angefangene) Minute. Die oben genannte Fahrt Zürich-Sihlcity zum Zürich HB würde mit Lime rechnerisch somit Fr. 5.– kosten (inkl. Freischaltgebühr).
  • Laut App bezahlt man keine Freischaltgebühren, wenn man Lime Premium verwendet. Derzeit kann man ein Gratis-Test-Abo nutzen.
Bird und Lime in Zürich
Quelle: Screenshots/PCtipp.ch
Tier
  • Kosten: Fr. 1.– Freischaltgebühr (bei jeder Fahrt) plus Fr. 0.40 pro Minute. Die oben genannte Fahrt Zürich-Sihlcity zum Zürich HB würde mit Tier rechnerisch somit, wie bei Lime, Fr. 5.– kosten (inkl. Freischaltgebühr).
Voi
  • Kosten: Fr. 1.– Freischaltgebühr (bei jeder Fahrt) plus Fr. 0.39 pro Minute. Die oben genannte Fahrt Zürich-Sihlcity zum Zürich HB würde mit Voi rechnerisch somit Fr. 4.90 kosten (inkl. Freischaltgebühr).
Tipp: Voi hat eine eigene digitale Fahrschule für E-Scooter entwickelt. Wer die Voi-Fahrschule absolviert, erhält pro Kapitel einen Credit. Geht man alle 5 Kapitel durch, hat man am Ende also 5 Credits, was 5 Franken entspricht. Damit können Sie etwa 10 Minuten fahren. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Fahrschule-Artikel.
Tier und Voi.
Quelle: Screenshots/PCtipp.ch

(Dieser Artikel erschien erstmals im August 2019 und wurde am 08.10.2021 aktualisiert.)



Kommentare

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sommer68
08.10.2021
Was ist mit hirnlos abgestellten Trottis, die den Weg verstellen, und oft Stolperfallen sind. Wer haftet bei verursachtem Schaden, der Mieter oder der Verleiher?

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re460
08.10.2021
Was ist mit hirnlos abgestellten Trottis, die den Weg verstellen, und oft Stolperfallen sind. Wer haftet bei verursachtem Schaden, der Mieter oder der Verleiher? Das ist eine gute Frage. Wir haben eine Bekannte, die Blind ist und sich ständig auf falsch abgestellte Trottis ärgern muss. Spollte sie einmal über eines stolpern, könnte es teuer werden. Ich nehme an, dass der Trotti-Vermieter haftbar gemacht wird, der dann, wenn bekannt, auf den Mieter zu gehen kann.

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Gaby Salvisberg
08.10.2021
Die Verleiher dürften aufgrund der GPS-Daten genau wissen, wo ihre Fahrzeuge stehen und wer diese zuletzt gemietet hat. Schliesslich müssen sie diese ja auch regelmässig zu Wartungszwecken wieder einsammeln. Manchmal ist auch Vandalismus nicht auszuschliessen, etwa wenn vernünftig parkierte Trottis von irgendwelchen betrunkenen Deppen anderswo hin verfrachtet werden. PS: Ich benutze selbst keine E-Scooter; nur mein eigenes "menschbetriebenes" Trotti.

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Nundedie
08.10.2021
Was sollte mich bei diesen imho stolzen Preisen dazu bringen, so ein Trottinet zu benutzen anstelle des Trams?

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Kovu
08.10.2021
Ich finde den Wildwuchs dieser Miet-Trottis eine absolute Katastrophe. Nicht nur weil man als Fussgänger von vielen Benutzern beinahe über den haufen gefahren wird, sie werden auch noch völlig achtlos abgestellt und liegen gelassen - ohne an andere Leute zu denken welche die Wege ebenfalls benutzen (ganz zu schweigen von der Umwelt). Solche Geschäftsmodelle sollten verboten werden. Zumindest hätten die Benutzer mehr Achtung und Respekt vor den Fahrzeugen, wenn sie sie selber bezahlen und pflegen müssten - und dann wäre das Problem automatisch viel kleiner.

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Claudia Maag
12.10.2021
Was ist mit hirnlos abgestellten Trottis, die den Weg verstellen, und oft Stolperfallen sind. Wer haftet bei verursachtem Schaden, der Mieter oder der Verleiher? Hallo sommer68 Ich habe mal bei einem E-Trotti-Verleiher nachgefragt und heute eine Antwort erhalten. Bei Voi heisst es, man habe eine Haftpflichtversicherung, welche für Nutzerinnen und Nutzer automatisch bei Fahrtantritt in Kraft tritt. ABER: In den von dir beschriebenen Fällen haftet der Verursacher, bzw. die Verursacherin, sprich: Diejenigen, die das E-Trotti verkehrswidrig "parkieren" oder umstossen. Voi schreibt: "Deshalb haben wir in Punkto Vandalismus eine Null-Toleranz Politik und gehen allen uns bekannten Fällen nach. Nötigenfalls gemeinsam mit der Polizei. Ausserdem haben wir Teams auf den Strassen, die verkehrswidrig abgestellte Scooter umparken." Liebe Grüsse, Claudia

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gucky62
12.10.2021
Das die Dinger überall hingedtellt werden ist leider traurige Realität. Da wurden die Dinger mitten auf dem Veloweg abgedtellt, bzw. Einfahrt zu disem. In der Nacht höchst gefährlich. Oder in Zu/Ausfahrten, usw. Wir haben auch immer wieder Fälle das die Dinger bei uns auf dem Areal abgestellt werden (Privatareal der Liegenschaften). Wenn dann der Vermieter/Inhaber kontaktiert wird, gibts zwischen keinerlei Reaktion oder Interessiert uns nicht. Naja irgendwann mal werden wir die Dinger einkassieren Und wegsperren. Die Anbieter nerven hier zunehmend. Due Nutzer aber genauso. Zu faul das Zeugs richtig zu parkieren. gruss Daniel