Tests 12.03.2012, 10:38 Uhr

Test: Nikon Coolpix P510

Die Nikon Coolpix P510 hat ein Objektiv mit 42-fach-Zoom. Kann das gut gehen?
Digicams erhalten zunehmend Konkurrenz durch immer bessere Handy-Kameras. Als Rezept setzen die Hersteller vermehrt auf das, was den Handy-Linsen fehlt: Zoom, Zoom und nochmals Zoom. Auf die Spitze treibt es Nikon mit der aktuellen Coolpix P510, die ein 42-fach-Zoom mit einer maximalen Kleinbild-Brennweite von 1000 mm bietet.
Da fragt man sich: Kann das überhaupt funktionieren? Bekanntlich steigt die Gefahr der Verwackelung mit zunehmender Brennweite. Bei 1000 mm gilt als Faustregel, dass man höchstens noch mit 1/1000 Sekunde belichten kann. Bei wenig Umgebungslicht hat man jedoch mit der hier gebotenen Lichtstärke keine Chance, so kurz zu belichten.
Im Test kam die Nikon Coolpix P510 mit diesem Grundproblem erstaunlich gut zurecht. Vermutlich liegt dies an einem sehr leistungsfähigen Bildstabilisator. Die Automatik wählte im Beispielbild bei Kunstlicht und maximaler Brennweite eine Belichtungszeit von 1/15 Sekunde – damit konnte die Empfindlichkeit auf 800 ISO gehalten werden. Trotz der sehr langen Belichtungszeit ist die Aufnahme nur ganz leicht verwackelt. Videos mit maximaler Brennweite verwackeln nicht so stark, dass man sie nicht mehr anschauen könnte - ein weiteres Indiz für die hohe Leistungsfähigkeit des Stabilisators.
1000-mm-Aufnahme, verkleinert
Die Automatik wählt allerdings sehr viel kürzere Belichtungszeiten, wenn die Lichtverhältnisse es erlauben. Dies selbst dann, wenn die ISO-Zahl etwas angehoben werden muss. Mit der von der Programmautomatik bevorzugten Verschlusszeit von 1/500 Sekunde wäre es zwar möglich, selbst Vögel scharf abzulichten; doch der Autofokus der P510 ist im Telebereich langsam, schnelle Vögel erwischt man damit kaum.
Auch wenn die Kamera das Problem der Verwackelungen weitgehend im Griff hat, entstehen trotzdem nicht besonders scharfe Aufnahmen. Denn die Bildqualität der Kamera ist einfach nicht das Gelbe vom Ei. Wie üblich bei Superzoom-Kameras ist der Sensor winzig (1/2,3 Zoll), und viel Zoom ist normalerweise keine Hilfe bei der Qualität der Optik. Vergrössert man die Fotos auf 100 Prozent, verschwimmen die Kanten teilweise auf groteske Weise und Rauschen ist selbst bei tiefen ISO-Werten erkennbar.
Im maximalen Tele füllt der Mond einen schönen Teil des Bildes aus
Immerhin: Solange man die Fotos nur am Bildschirm betrachtet, kann man die 16 Megapixel auf einen Bruchteil reduzieren – und dann sind die Schwächen oft nicht mehr erkennbar. Zudem darf man nicht vergessen: Wer Aufnahmen mit dieser Zoomstärke in wirklich hoher Qualität will, der braucht eine Spiegelreflexkamera mit einem teuren, grossen und schweren Objektiv, und einem Telekonverter, der das System noch grösser macht und für sich alleine schon so viel kostet wie hier die ganze Kamera. Diese Alternative ist für viele schlicht keine.
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Was die P510 sonst noch kann

Weitere Features

Auch kleine Sujets lassen sich heranholen
Die Kamera bietet kein RAW-Format. Makroaufnahmen sind möglich, aber der Makromodus funktioniert nur bis zur Kleinbild-Brennweite 75 mm. Im maximalen Telebereich liegt die Nahdistanz bei etwa 1,5 Meter. Das reicht immer noch, um Objekte von wenigen Zentimetern formatfüllend abzulichten.
Der automatische Weissabgleich funktioniert sehr gut. Es stehen zwei Automatiken zur Verfügung: normal und eine spezielle Automatik für warmes Licht. Die Kamera kommt trotz eingeschränkter Dynamik recht gut mit reflektierenden Flächen zurecht. Verzeichnungen sind keine zu erkennen; sie werden wohl von der Kamera automatisch herausgerechnet.
Effekt «Gemälde»
Neben den üblichen Aufnahmemodi P, S, A und M sowie Automatik bietet die P510 noch einiges mehr: Eine Szenenautomatik erkennt selbst, welches Motivprogramm gewählt werden muss. Der Nachaufnahmemodus legt mehrere Serienaufnahmen übereinander und liefert einigermassen ordentliche Ergebnisse. Der Gegenlichtmodus funktioniert nur, wenn man den Blitz zuschaltet. Praktisch ist, dass sich Benutzereinstellungen als separaten Aufnahmemodus speichern lassen. Der Rest ist von beschränktem Nutzen, die integrierten Effekte überzeugen nicht. Am ehesten noch der Effekt «Gemälde» der mit dem «Dramatischen Ton» von Olympus vergleichbar ist. Zum Wechseln der Effekte muss ins Menü, obwohl zwei Drehräder funktionslos brach liegen. Effekte lassen sich auch nachträglich anwenden. Auf diese Weise kann man sehr einfach ein Color-Key erstellen (Schwarz-Weiss-Foto mit einer bestimmten Farbe als Farbtupfer).
Der Bildschirm ist beweglich, eignet sich aber nicht für Selbstaufnahmen, denn er kann nicht um 180 Grad gedreht werden. Fürs Umschalten zwischen Bildschirm und elektronischem Sucher gibts eine eigene Taste, aber die Kamera hat keinen Sensor, um dies automatisch zu erledigen. Der Sucher hat kein hochwertiges Bild, ist aber natürlich trotzdem eine Hilfe bei Sonnenlicht und für eine ruhigere Hand.
Fazit: Durch immer bessere Bildstabilisatoren können aktuelle Superzooms wie die Nikon P510 selbst extreme Telebrennweiten bewältigen. Die Bildqualität genügt fürs Betrachten am Bildschirm – mehr aber nicht.

Testergebnis

Sehr starkes Tele, guter Bildstabilisator, treffender Weissabgleich, Verzeichnungskorrektur
Generell mässige Bildqualität, langsamer Autofokus

Details:  24–1000 mm (Kleinbild), f/3–5.9, 16 Mpx, Full HD mit Stereo, GPS, neigbarer LCD, elektronischer Sucher

Preis:  EVP Fr. 518.–, Strassenpreise ab ca. Fr. 430.–

Infos: 
www.nikon.ch

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Autor(in) David Lee



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