Google I/O 19.05.2021, 08:15 Uhr

Google zeigt Text- und Videokommunikation der Zukunft

An der Entwicklerkonferenz I/O zeigte der Internetriese mit LaMDA eine intelligente Dialogsoftware sowie mit «Project Starline» ein besonders lebensechtes Videokonferenz-System. Ausserdem verschmelzen Google Wear OS und Samsung Tizen.
An der diesjährigen Google I/O gab es ein ausgewähltes Live-Publikum aus den eigenen Reihen
(Quelle: Google)
Nahezu lebensechte Videokonferenzen und Software, die eine Unterhaltung führen kann: Google hat Technologien demonstriert, mit denen der Internet-Riese die Zukunft prägen will. Zugleich gab Google auf seiner Entwicklerkonferenz einen Ausblick auf die nächste Version des dominierenden Smartphone-Systems Android und stellte neue Funktionen zum Schutz der Privatsphäre in seinen Diensten vor.
Zu letzteren gehört die Möglichkeit, die Suchanfragen-Historie der vergangenen 15 Minuten zu löschen. Ausserdem wird man in der Foto-App einzelne Ordner mit Passwortschutz einrichten können – zum Beispiel für Aufnahmen von Dokumenten.
Der Internet-Konzern veranstaltet die Konferenz Google I/O in diesem Jahr angesichts der Corona-Pandemie in einem Online-Format. Anders als bei vielen anderen solchen Veranstaltungen wurde die Präsentation nicht vorab aufgezeichnet, sondern am Dienstag live von einer kleinen Bühne zwischen Gebäuden der Firmenzentrale in Kalifornien übertragen. Einige Google-Angestellte mit Masken besorgten in sicherer Entfernung zueinander als Zuschauer den Applaus.

Viel KI allenthalben

Google legte besonderen Fokus auf Fortschritte bei der Entwicklung von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. So wurde die Software «LaMDA» («Language Model for Dialogue Applications») demonstriert, die eine Unterhaltung mit einem Menschen führen kann. Die Antworten seien dabei nicht vorgegeben, sondern würden von dem Programm auf Basis vorhandener Informationen erzeugt, betonte Google-Chef Sundar Pichai. Google führte zwei Beispiele für einen Dialog vor: Die Software schlüpfte dafür erst in die Rolle des Planeten Pluto und dann eines Papierfliegers. Sie beantwortete dabei etwa Fragen danach, ob es schon Besucher auf dem Planeten gab oder wie weit das Papierflugzeug schon einmal geflogen ist.
An der Dialog-Technologie werde noch geforscht, sie solle mit der Zeit aber in diverse Produkte wie den Sprachassistenten Google Assistant einfliessen, sagte Pichai. Der Konzern will dabei sein Wissen über die Welt insgesamt immer stärker über Sprache nutzbar machen. So soll es in Zukunft etwa ausreichen, dem Kartendienst zu sagen, man würde gern zum Ziel eine Route mit einem schönen Blick auf Berge nehmen, damit eine entsprechende Strecke ausgewählt wird.

Lebensechte Videokonferenzen

Künstliche Intelligenz kommt auch beim «Project Starline» zum Einsatz, mit dem Google Unterhaltungen per Video revolutionieren will. Bei dem System werden Menschen und Lichtverhältnisse von mehr als einem Dutzend Kameras und Sensoren erfasst. Übertragen werden die Bilder auf neu entwickelte Bildschirme, die Details besonders realistisch wiedergeben sollen.
Eine Journalistin des Magazins «Wired», die das System vorab testen konnte, bestätigte den Eindruck, der Gesprächspartner sitze einem direkt gegenüber. Zugleich lasse der Effekt nach, sobald man nicht von der richtigen Stelle auf das Display schaue, schränkte sie ein. Laut Google wurde an der Technologie schon seit mehreren Jahren gearbeitet – und weitere Jahre der Entwicklung seien nötig.
Eine weitere Neuerung: Android bekommt in der nächsten Version, die zum Herbst erwartet wird, unter anderem verbesserte Datenschutz-Einstellungen sowie eine stärkere Personalisierung auch beim Aussehen.

Google und Samsung kombinieren Wearable-Betriebssysteme Tizen und Wear OS

Quelle: blog.google
Im Geschäft mit Computer-Uhren tun sich unterdessen Google und Samsung zusammen, um besser mit dem Marktführer Apple Watch zu konkurrieren. Samsung wird seine nächsten Smartwatches nicht mehr mit dem hauseigenen Betriebssystem Tizen ausstatten, sondern auf Googles Plattform Wear OS umsteigen.
Zugleich soll Wear mit Tizen-Elementen zu einem übergreifenden System weiterentwickelt werden. Auch die Google-Marke Fitbit ist mit an Bord. Via Twitter sprechen die Unternehmen von einer «vereinten Plattform» für Wearables. Der Name für die Plattform wird angepasst und soll nur noch Wear heissen. Offenbar bedeutet dies das Ende für Samsungs Wearable-Betriebssystem Tizen. Bisherige, auf Tizen basierende Smartwatches sollen aber weiterhin von Samsung Software-Support erhalten.
Google spricht in diesem Blog-Eintrag (engl). von Apps, die dank neusten Prozessoren bis zu 30 Prozent schneller laden, von flüssigen Animationen und Bewegungen auf der Benutzeroberfläche sowie einer längeren Akkulaufzeit.
Das Verwalten von Aufgaben per Smartwatch soll dank neuer Navigationsfunktionen noch einfacher werden
Quelle: blog.google
Wear OS ist ein Ableger von Android für smarte Wearables. Genauso wie Android steht es Herstellern frei zur Verfügung und wurde unter anderem von Anbietern sogenannter Fashion-Uhren wie Fossil gut angenommen. Doch anders als Android konnte es nicht den Markt erobern – die Apple Watch liegt seit ihrem Start 2015 in Führung.
So soll man per Wischen zwischen den Apps (Tiles) wechseln können
Quelle: blog.google
In den kommenden Wochen folgen auch die Entwicklerkonferenzen von Facebook und Apple, ebenfalls in einem Online-Format. Für die Tech-Riesen sind die jährlichen Veranstaltungen traditionell eine wichtige Gelegenheit, einen Einblick in ihre Strategie zu geben. Üblicherweise kommen dafür Tausende Software-Entwicklerinnen und -Entwickler und Medienschaffende ins Silicon Valley. Angesichts der Corona-Pandemie müssen die Konzerne nun schon im zweiten Jahr in Folge auf Online-Veranstaltungen ausweichen.



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