Landwirtschafts-Simulator 22 (Farming Simulator 22) im Test

Gameplay-Loop

Wer den Landwirtschafts-Simulator noch nicht kennt, fragt sich an diesem Punkt bestimmt: Was genau macht man denn den lieben langen Tag auf dem Hof? Je nachdem, wie schwierig man es sich bei den ersten Einstellungen macht, startet man auf dem Hof mit mehr oder weniger Land, Geld und Ausrüstung. Das beeinflusst vor allem die ersten Monate im Spiel. Da man selbst noch über wenig Land verfügt, ist man anfangs relativ schnell mit der Arbeit auf dem eigenen Hof fertig. Zwei oder drei Felder pflügen, entsteinen, säen und düngen geht schnell vorbei. Der Tag hingegen ist lang. Also vertreibt man sich die Zeit mit Aufträgen von anderen Landwirten im Ort. Diese bieten Aufträge gegen Geld an. Diese sind zwar nicht besonders rentabel, anfangs aber fast die einzige Option, während man der ersten Ernte entgegenfiebert. Also pflügt man halt das Feld des Nachbarn für ein paar hundert Dollar, oder hilft anderswo beim Düngen aus. Bringt man eigenes Equipment, gibt es mehr Geld. Für grössere Aufträge kann es sich aber auch lohnen, Maschinen zu mieten.
Zu Beginn muss man sich oft mit Aufträgen die Zeit vertreiben
Quelle: Screenshot / PCtipp
Wer weniger am Traktorfahren und mehr an der Organisation interessiert ist, kann die meisten Aufträge auch automatisieren. Dafür stellt man einfach eine KI-Aushilfskraft an und lässt diese für einen Hungerlohn die Dreckarbeit machen, während man auf der Farm die Füsse hochlegt und die Sonne geniesst. Fairerweise muss man sagen, dass die KI-Hilfen gar nicht so schlecht bezahlt werden und doch einen ordentlichen Teil des Profits verdunsten lassen. Wer also schnell an Geld kommen will, sollte so viel wie möglich selbst erledigen. Besonders wichtig ist es, die KI-Hilfen nicht aus den Augen zu verlieren. Die KI ist nämlich nicht ganz so intelligent wie man sich das wünschen würde und bleibt öfters mal wegen kleinen Hindernissen hängen und stellt den Betrieb ein. Aber: Der Auftrag wird in diesem Fall nicht abgebrochen, die KI wird also weiterhin bezahlt. Bleibt eine KI-Hilfe hängen, wird man zwar vom Game informiert. In der Hitze des bäuerlichen Gefechts kann die Meldung aber leicht übersehen werden.
Im späteren Spielverlauf kümmert man sich dann mehr um die eigene Farm. Je mehr Land man sich zukaufen kann, desto mehr Arbeit steht an. Dafür braucht es mehr Equipment und dafür wiederum mehr Geld, weshalb man sich mehr Land kauft, um mehr anbauen und ernten zu können, und den Umsatz zu erhöhen. Kapitalismus eben. Eines steht fest: Die Tage, die einem anfangs noch endlos erscheinen, sind schnell vollgepackt mit Arbeit und fliegen nur so dahin. Wie schnell die Zeit vergeht, lässt sich übrigens einstellen und kann das Spiel recht drastisch verändern.
Als neuer Spieler verbringt man viel Zeit hier
Quelle: Screenshot / PCtipp
Wer sich strukturierte, storybasierte Games gewöhnt ist, muss sich beim Landwirtschafts-Simulator vor allem an die nötige Eigeninitiative gewöhnen. Nach einem kurzen Tutorial beim ersten Spielstart wird man direkt vom Zehnmeterturm ins eiskalte Nass katapultiert. Als neuer Spieler steht man dann erst einmal einen Moment vor der Haustüre, starrt auf das Feld hinaus und macht sich bewusst, dass man jetzt selbst wissen muss, wie es weitergeht. Und eben das weiss man als Neuling nicht wirklich. Das Tutorial stupst einen in die richtige Richtung, die Details muss man aber selbst rausfinden. Im Spiel selbst erhält man relativ wenig Hilfe. Das hat auch Giants Software gemerkt und bietet eine ausführliche Tutorial-Webseite an, die bereits auf dem Startbildschirm des Games verlinkt wird. Nicht die eleganteste Lösung, aber bei einem so komplexen Game fast nicht anders machbar. Die Tutorials drehen sich dann hauptsächlich darum, wie Dinge funktionieren. Wie man sie effizient verwendet und dabei nicht Konkurs geht, muss man weiterhin selbst rausfinden, aber das ist ja der halbe Spass des Spiels.

Steuerung & Menüführung

Wie bei vielen PC-Games mit Fahr-Elementen ist ein Controller empfehlenswert. Idealerweise wechselt man aber zwischen Controller und Tastatur/Maus hin und her (fliegende Wechsel klappen problemlos). Sobald man sich in ein Gefährt setzt, macht der Controller Sinn. Ausserhalb ist die Präzision der Maus angenehmer. Beim Landwirtschafts-Simulator kommt noch dazu, dass die Steuerung relativ komplex ist und viele verschiedene Knöpfe verwendet. Auf dem Controller ist dafür schlicht kein Platz, weshalb man dann ständig mit Modifikatoren arbeiten muss (z.B. LB halten und dann A drücken, statt eines einzelnen Tastendrucks). Das geht auf der Tastatur leichter. Dafür muss man sich zwei sowieso schon umfassende Tastenbelegungen merken, was auch nicht ohne ist. Glücklicherweise kann man die aktuell verfügbaren Tasten permanent einblenden lassen, was gerade zum Spielbeginn enorm hilft.
Das Interface ist nicht immer ganz einfach zu bedienen
Quelle: Screenshot / PCtipp
Verbesserungspotenzial gibt es bei der Menüführung. Da der Landwirtschafts-Simulator neben der physischen Bauernarbeit auch viel Organisatorisches erfordert, sind Menüs ein grosser Teil des Spiels. Praktisch alle Menüs findet man über das gleiche Hauptmenü hinter der ESC-Taste. Dort schaltet man am linken Rand verschiedene Tabs durch und erhält so Informationen zu verschiedenen Themen. Einige der Panels sind sehr gut gestaltet, andere hingegen verbesserungsfähig. Besonders bei der Karte dürfte es mehr Informationen für Einsteiger geben. Beispielsweise kleine Popups zu den einzelnen Läden und Lokalitäten, die erklären, was dort passiert.



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