Test: Sony Alpha A6000

Objektiv und Bildqualität

Das Kit-Objektiv

Die Sony α6000 ist als Gehäuse oder zusammen mit dem Zoom 16-50 mm lieferbar. Diese Brennweite entspricht auf Kleinbild umgerechnet 24-75 mm – ein netter Zustupf im Weitwinkelbereich, weil die meisten anderen Kit-Zooms bei 28 mm beginnen. Die Lichtstärke beträgt ƒ3.5-5.6. Diese Werte sind alles andere als spektakulär – aber dafür besticht das Objektiv durch seine leichte und kompakte Bauweise.
Das Objektiv ist die Achillesferse des Kits
Quelle: PCtipp / ze
Die einzigen zwei Bedienelemente sind ein Drehring sowie ein Wippschalter für die Brennweite. Wenn der Autofokus aktiv ist, kann wahlweise über den Drehring oder mit der Wippe gezoomt werden; beim manuellen Fokussieren wird der Ring jedoch für die Scharfstellung verwendet, sodass nur mit der Wippe gezoomt werden kann. Sie ist auch bei Videos die erste Wahl, weil sie die Brennweite gleichmässiger ändert, also das mit der Hand möglich wäre.
Ring und Wippe
Quelle: PCtipp / ze
Leider vermittelt das Objektiv nicht einmal ansatzweise dieselbe Wertigkeit wie die Kamera. So wird der Ring nicht über einen Schneckengang bewegt, sondern über Motoren gesteuert. Das ist heute auch bei anderen modernen Objektiven der Fall und kann in der Praxis sehr gut funktionieren – aber nicht bei der α6000. Der Ring fühlt sich beim Zoomen und bei der manuellen Fokussierung schwammig an. Und wenn man ihn schnell dreht, gibt das Objektiv hässliche Geräusche von sich, als hätte es Sand im Getriebe.

Bildqualität

Auch bei der Bildqualität ist es schwer, ein gutes Haar an diesem Zoom zu lassen. Am weitwinkeligen Ende zeigt es eine unglaubliche tonnenförmige Verzeichnung, die man allerdings erst dann sieht, wenn in Raw fotografiert wird. Tatsächlich könnte man im ersten Moment glauben, dass hier ein Fischaugen-Effekt am Werk war. Dazu kommen extreme Abschattungen in den Ecken (siehe unten links und rechts). Diese verschwinden allerdings, weil das Bild noch in der Kamera beschnitten wird. Hier das Raw-Bild in Adobe Camera-Raw:
Die Raw-Aufnahme in Camera Raw. Man beachte die Stange links und die Mauerkante rechts.
Quelle: PCtipp / ze
Und hier das JPEG aus der Kamera:
Das JPEG, korrigiert durch die Kamera
Quelle: PCtipp / ze
Die Kamera rechnet sich also diese gravierenden Objektivfehler schön, wenn in JPEG fotografiert wird – bei Raw-Aufnahmen werden die Mängel jedoch gnadenlos sichtbar. Einige Raw-Converter sind in der Lage, diese Verzerrungen durch die Objektivprofile in der Raw-Datei zu kompensieren. Dazu gehören auch die aktuellen Versionen von Adobe Photoshop und Lightroom. Doch das ist im Prinzip Augenwischerei.
In der Mitte ist die Bildqualität gerade noch annehmbar, flaut jedoch zu den Ecken hin deutlich ab. Das gilt vor allem für den Weitwinkel-Bereich und verbessert sich erst mit zunehmender Brennweite. Hier eine Aufnahme mit der kürzesten Brennweite von 16 mm. Die Schärfe wurde auf die Tafel gelegt:
Die Übersicht …
Quelle: PCtipp / ze
Und hier der Crop, der die Schwächen deutlich zeigt:
… und der Crop. Auweia!
Quelle: PCtipp / ze
Die Bilder erfahren immerhin eine Aufwertung, weil die Kamera mit knackigen Farben und einem hohen Dynamikumfang punktet. Die Fotos wirken in den Standardeinstellungen zwar ein wenig blass, doch mit der Bildanpassung «Vivid» (lebhaft) entstehen einwandfreie Ferienbilder, die man gerne herumzeigt.
Wenn man es nicht zu genau nimmt, stimmt die Qualität bei unproblematischen Motiven
Quelle: PCtipp / ze
Kurz, diese feine Kamera hätte ein besseres Kit-Zoom verdient. Es ist unverständlich, warum Sony einen solchen Scherbenhaufen zu einer Kamera mitliefert, die sich an die anspruchsvollen Amateure wendet.
Andererseits beträgt der Aufpreis zwischen dem nackten Gehäuse und dem Set gerade einmal etwa 140 Franken – was will man da gross erwarten? Und wenn die Kamera später verkauft wird, holt man einen besseren Preis heraus, wenn ein Objektiv dabei ist. Deshalb die Empfehlung: Die Kamera im Set kaufen, aber nur zusammen mit einem anderen Objektiv – und dann vergisst man das Kit-Zoom am besten, bis die α6000 irgendwann den Besitzer wechselt.

Low-Light-Aufnahmen

Das Zoom ist mit einem integrierten Bildstabilisator ausgestattet, aber auch dieser kann die heute geltenden Standards nicht erreichen.
Hier die Übersicht – eine Freihandaufnahme mit 1/8 Sekunde und einer mittleren Brennweite von ca. 50 mm (KB).
Die Übersicht, aufgenommen mit 1/8 Sekunde
Quelle: PCtipp / ze
Und hier der Crop. Das obere Bild wurde mit dem Sony-Zoom geschossen, das untere mit dem 18-55 mm Standard-Zoom von Fujifilm:
Die Crops: Oben die Sony α6000, unten die Fujifilm X-E2 mit dem Zoom 18-55 mm.
Quelle: PCtipp / ze
Wie Tag und Nacht. Allerdings liegt das nicht daran, dass das Fujifilm-Zoom so wahnsinnig gut ist, denn eine solche Beruhigung schaffen heute auch viele andere Kameras und Objektive. Vielmehr ist die Leistungsfähigkeit des Sony-Stabilisators einfach nicht zeitgemäss. Bei dieser Gegenüberstellung sollte jedoch erwähnt werden, dass das Fujinon-Objektiv etwa das Vierfache kostet.

Rauschverhalten

Die α6000 fotografiert mit einer Empfindlichkeit von bis zu 25’600 ISO, wobei über das ganze Spektrum auch das Raw-Format fotografiert werden kann – ein Plus für alle, die Fotos zum Beispiel mit einer spezialisierten Software in Photoshop entrauschen möchten.
Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit, drei Aufnahmen in schneller Folgen schiessen zu lassen. Anschliessend pflückt sich die Kamera die besten Bildeigenschaften heraus und setzt sie zu einem neuen, besseren Bild zusammen. Das funktioniert einwandfrei, allerdings nur mit JPEG-Dateien; die Raw-Originale werden leider nicht gespeichert.
Im Dämmerlicht wird ersichtlich, dass die hohe Auflösung von 24 Megapixeln hinderlich wird. Bei 800 ISO beginnen feine Details ein wenig zuzuschmieren, wobei sich die Qualität bei 1600 ISO kaum verändert. Bei 3200 ISO ist die Qualität immer noch sehr gut. 6400 ISO sind das Höchste, was man der Kamera zumuten sollte. Alles, was darüber liegt, endet im Matsch. Hier die Übersicht:
Die Übersicht
Quelle: PCtipp / ze
Und hier die verschiedenen Crops:
ISO-Vergleich: Über 6400 ISO wird’s ein wenig garstig
Quelle: PCtipp / ze
Allerdings muss man dem internen JPEG-Konverter zugestehen, dass er das Rauschen sehr erfolgreich unterdrückt. Die Verwendung des Raw-Formates, zusammen mit einer spezialisierten Software, verbessert das Resultat nur unwesentlich.
Kurz, für eine 24-Megapixel-Kamera liefert die α6000 eine überraschend gute Qualität im Dämmerlicht; die Fortschritte bei den Sony-Sensoren erstaunen immer wieder. Trotzdem hätten wir uns bei den höheren ISO-Werten eine bessere Qualität gewünscht und wären dafür auch mit einer tieferen Auflösung zufrieden gewesen.
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