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Was wurde eigentlich aus «Dr. Solomon's Anti-Virus Toolkit»?

Ein kleiner Blick zurück in die Frühzeit des Personal-Computing-Zeitalters. Erinnert sich noch wer an die einst beste Antivirensoftware?
© (Quelle: Photofunia.com)

Meine erste selbstgekaufte Antivirensoftware hiess Dr. Solomon's Anti-Virus Toolkit. Ich verfolgte damals akribisch die Berichte der Testlabore und Fachmagazine, die dem Produkt stets Bestnoten gaben. Irgendwo – es war vielleicht in einem CompuServe-Forum – las ich einen Text von Doctor Alan Solomon zum Thema «False Positives» (Viren-Fehlalarme). Darin stellte er schlüssig klar, warum jeder Fehlalarm fast genauso viel Ärger verursacht wie ein echter Schädling. Bei mir, der damals frischgebackenen PC-Supporterin, hat er damit offene Türen eingerannt.

Die Updates der Virendefinitionen erfolgten damals auf Disketten, die alle paar Monate via Briefpost bei mir zu Hause eintrafen. So etwas wie «Internet» hatte ich zwar schon, aber anfangs eigentlich nur in Form eines grauenhaft teuren CompuServe-Zugangs.

Dann folgten zwei Schocks für die zufriedene «Doctor Solly»-Kundin, die ich war.

Schock Nr. 1: «Updates via Internet, gehts noch?!»

Irgendwann versiegte der Quell der Definitionsupdates via Disketten. Die Kundschaft wurde vor neue Tatsachen gestellt: Ab jetzt sollte es die Definitionsupdates nur noch via Internet geben. «Ausgerechnet via Internet!» schimpfte ich konsterniert. «Da holt man sich doch schon beim Download mehr Viren, als man damit jemals entfernen könnte!» So viel jedenfalls zu meiner damaligen Haltung gegenüber dem Haifischbecken (das es ja immer noch ist …) namens World Wide Web. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich an einer um diese Zeit herum stattfindenden Orbit-Computermesse den Stand des Doctor-Solly-Herstellers «S & S International» aufsuchte, um mich genauer zu erkundigen und mir die Sache erklären zu lassen.

Falls mich die Erinnerung nicht trügt, erfuhr man anfangs via Newsletter oder durch Webseitenbesuche von neuen Updates, die manuell heruntergeladen werden mussten. Antivirensoftware hat erst später angefangen, sich selbstständig um den Download der Virendefinitionen zu kümmern.

Schock Nr. 2: McAfee kauft «Doctor Solly»!

Neben Norton (Symantec) war McAfee (damals ein Produkt von Network Associates International, kurz NAI) stets der grösste Konkurrent der Doctor-Solly-Produkte gewesen. Den beiden US-Firmen waren die hervorragenden Testresultate von Dr. Solomon's Anti-Virus Toolkit ein Dorn im Auge. Im Jahr 1997 hat NAI sogar behauptet, der britische Hersteller schummle in den Tests: Wenn Doctor Solly eine Infektion mit mehr als zehn Viren erkannte, schaltete sich automatisch eine Heuristik-Funktion ein, die zwar das System verlangsamte, dafür aber in der Lage war, Schädlinge aufzuspüren, die nicht in Form von Virenmustern bekannt waren. Eine Infektion mit zahlreichen Schädlingen war ein übliches Szenario in den Testlaboren.

Offenbar war NAI aber dennoch erheblich an der Solly-Technologie interessiert. Wohl aus diesem Grund hat McAfee bzw. NAI im Jahr 1998 beschlossen, mir den nächsten Schock zu versetzen: Sie haben Dr. Solomon's Software aufgekauft.

Der Produktname verschwand und für mich begann eine Antivirus-Odyssee, die erst seit relativ kurzer Zeit geendet hat, da man auch unter Windows für gewöhnlich nicht mehr zwingend eine solche Software braucht (und wenn, dann greife ich zu einem Produkt aus Finnland).

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