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Lesedauer 3 Min.

Chinas Heiratsmarkt findet fast nur online statt

Die klassische Dating-App ist in China nicht mehr gefragt. Wer auf der Suche nach einem Partner ist, begibt sich in Video-Chatrooms, die von sogenannten "Cyber-Matchmakern" moderiert werden, während Tausende in Echtzeit zuschauen und Kommentare abgeben.
© (Quelle: Xiaohongshu)

Die 240 Mio. chinesischen Singles im heiratsfähigen Alter nehmen Angebote wie diese begeistert auf. Die Plattform Xiaohongshu spielt dabei eine zentrale Rolle.

Tian wird zur Partnervermittlerin

Ziel ist es, Menschen dazu zu bringen, sich zu verlieben, zu heiraten und Kinder zu bekommen, gemäss der von Präsident Xi Jinping 2023 ausgegebenen Parole: "Wir sollten aktiv eine neue Art der Ehe fördern und dazu ermuntern, Kinder zu bekommen." Tian Xin ist eine der Cyber-Partnervermittlerin, die seit über einem Jahr virtuelle Gruppendates auf Xiaohongshu live streamt. Ausserhalb Chinas ist Xiaohongshu unter dem Namen Red Note bekannt.

Tagsüber arbeitet Tian in einer Tech-Firma. Nachts verwandelt sie sich in eine Partnervermittlerin, die das Eis bricht, Witze macht, Gespräche moderiert und manchmal auch Beziehungsratschläge gibt. Ihr Account hat über 130'000 Follower. "Einfühlungsvermögen ist das Wichtigste. Man muss sich in das hineinversetzen können, was die Leute sagen", zitiert AP Tian.

Bizeps und Sixpack im Angebot

Um 23 Uhr an einem Wochentag sahen über 800 Zuschauer Tians Video-Chatroom mit chinesischen Popsongs zum Thema Liebe im Hintergrund. Acht Personen waren vor der Kamera zu sehen, ihre Gesichter waren in einem Raster auf dem Bildschirm angeordnet. Ein weiteres Dutzend harrte in einer digitalen Warteschlange aus.

Tian stellte jedem Teilnehmer eine Reihe ähnlicher Fragen: Alter, Gewicht, Grösse, Beruf, Einkommen, Wohnort, Sternzeichen, Hobbys und Anforderungen an einen Partner. "Hast du ein Talent oder eine Fähigkeit, die du uns zeigen kannst?", fragte Tian einen Teilnehmer, einen Sportlehrer. Der Mann zog sein Hemd aus und zeigte Bizeps und Sixpack.

Anschliessend unterhielten sich die Teilnehmer über ihren Alltag und ihre Arbeit. "In Livestreams sieht man mehr als nur Fotos in Profilen. Man kann sehen, wie eine Person spricht und sich verhält", sagt Christine Zhang, die die Dienste der Cyber-Matchmaker nutzt, um einen Ehemann zu finden. Dabei fiel ihr Steve Chen auf, ein Medizinstudent. Vor Hunderten von Zuschauern im Livestream sagte Zhang, dass sie in ihn verliebt sei. Ein Jahr später sind die beiden in einer festen Beziehung.

Laut einem Bericht der chinesischen Datenanalyseagentur iiMedia Research sagen über 30 Prozent der jungen Singles, dass der Arbeitsalltag ihnen keine Zeit für Verabredungen über Dating-Apps lässt. Viele Unternehmen in China verlangen von ihren Mitarbeitern, sechs Tage die Woche jeweils zwölf Stunden zu arbeiten. (pressetext.com)

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