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Lesedauer 4 Min.

Reparaturkosten: Schon 100 Euro bringen viele Haushalte ans Limit

Wenn Kaffeemaschine oder Fernseher kaputtgehen, wird es für viele Verbraucher schnell eng: Mehr als ein Drittel kann nur bis zu 100 Euro für ungeplante Reparaturen aufbringen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Spezialversicherers Wertgarantie.

Die finanziellen Möglichkeiten für unerwartete Reparaturen von 34 Prozent der befragten sind äusserst begrenzt.

© (Quelle: EMGenie)

Die Zahlen sind eindeutig: 34 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland können unerwartete Ausgaben für defekte Elektrogeräte nur in Höhe von bis zu 100 Euro problemlos stemmen. Weitere 24 Prozent schaffen es gerade noch, 200 Euro aufzubringen. Jeder Zweite macht sich derzeit Sorgen um hohe Rechnungen, wenn Fernseher, Kaffeemaschine oder Waschmaschine den Dienst versagen. Das geht aus der aktuellen Studie „Reparieren statt Wegwerfen“ hervor, die der Spezialversicherer Wertgarantie seit 2020 in mehreren Erhebungswellen durchführt.

Die finanzielle Verunsicherung ist gross – und nimmt weiter zu. Fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) rechnen damit, dass die Reparaturkosten für Elektrogeräte in den nächsten Jahren weiter steigen werden. Angesichts hoher Inflation und teurer Ersatzteile können somit bereits kleine Defekte zu einem finanziellen Problem werden. Die Folge: Viele Geräte werden gar nicht erst repariert, sondern entsorgt.

„Die aktuelle Studie zeigt eindringlich, dass Sorgen um ungeplante Reparaturkosten für viele Verbraucher real sind“, sagt Konrad Lehmann, Vorstand bei Wertgarantie. „Doch gerade die gesicherte Möglichkeit zur Reparatur ist der entscheidende Hebel, um unsere Umwelt zu entlasten und den Lebenszyklus von Geräten nachhaltig zu verlängern.“

355.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr

Die Konsequenzen für die Umwelt sind massiv. Laut der Studie entstehen in Deutschland jedes Jahr allein durch nicht reparierte Elektrogeräte 355.871 Tonnen Elektroschrott – das entspricht 8,6 Kilogramm pro Haushalt. Besonders alarmierend: Die Verbraucherinnen und Verbraucher unterschätzen das Ausmass dramatisch. Im Schnitt gehen sie von lediglich rund 52.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr aus – fast siebenmal weniger als tatsächlich anfällt.

Die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität zeigt, wie wenig Bewusstsein für das tatsächliche Ausmass des Problems existiert. Dabei wäre gerade hier ein Umdenken dringend nötig: Mit jedem entsorgten Gerät gehen auch wertvolle Rohstoffe verloren, die bei einer Reparatur weiter genutzt werden könnten.

„Wir kennen es alle aus dem Alltag: Kommt es bei einem von uns so selbstverständlich genutzten Elektrogerät zu einem Schaden, stehen wir vor der Wahl – Reparatur oder Neukauf?“, erläutert Lehmann. „Als wichtige Säule einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft tragen Reparaturen entscheidend dazu bei, den Lebenszyklus von Elektro- und Haushaltsgeräten nachhaltig zu verlängern und Umweltbelastungen in Folge der Entsorgung nicht reparierter Geräte – inklusive der enthaltenen Rohstoffe – zu reduzieren.“

Relevanz für den ITK-Handel

Für den ITK-Fachhandel und Systemhäuser ergibt sich aus den Studienergebnissen ein zweischneidiges Bild. Einerseits zeigt die finanzielle Zurückhaltung bei Reparaturen, dass Neukäufe oft die vermeintlich einfachere Lösung darstellen – was kurzfristig das Neugeschäft befeuern kann. Andererseits offenbart die Studie ein erhebliches Potenzial für Reparatur- und Serviceleistungen, wenn diese transparent und zu kalkulierbaren Kosten angeboten werden.

Die wachsende Sensibilität für Nachhaltigkeit und die zunehmende regulatorische Aufmerksamkeit – Stichwort EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur – könnten mittelfristig die Nachfrage nach professionellen Reparaturdienstleistungen steigen lassen. Fachhändler, die hier frühzeitig Kompetenz aufbauen und transparente Preismodelle etablieren, könnten von dieser Entwicklung profitieren.

Zudem spielt das Thema Versicherungsschutz eine wachsende Rolle. Wenn bereits 100 Euro für viele Haushalte eine Belastung darstellen, rücken Schutzprodukte und Garantieverlängerungen stärker in den Fokus – gerade im höherpreisigen Consumer-Electronics-Segment.

Die aktuelle Ausgabe der Studie basiert auf repräsentativen Befragungen von insgesamt 25.553 Personen aus vier Erhebungswellen zwischen 2020 und 2025. Die Schwerpunkterhebung 2025 umfasste 6.870 Verbraucherinnen und Verbraucher, die zwischen Mai und Juni 2025 befragt wurden. Der Fokus lag dabei auf dem Einfluss der aktuellen wirtschaftlichen Lage auf das Reparaturverhalten und die Einschätzung ungeplanter Reparaturkosten.

Die vollständige Studie ist kostenfrei unter https://reparieren-statt-wegwerfen.de/ abrufbar.

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