Test Google Home Speaker
Google-Lautsprecher mit Gemini: Endlich richtig smart.
Das haben sie allerdings mit Apple gemein: Die «anderen Kalifornier» treten im Bereich der KI bestenfalls auf der Stelle, während der Abstand zu konkurrierenden Systemen immer grösser wird. Wir haben zu Hause zwar einige Apple HomePod mini verstreut; doch die sind so verständnislos, dass sie nur noch genutzt werden, um die Aussentemperatur abzufragen oder einen Timer zu stellen. Alles andere endet im Zorn. Ob sich das im Verlauf dieses Jahres ändert? Das muss sich erst noch zeigen. Apple steckt knietief in der Bringschuld.
Umso grösser war die Freude darüber, wie hervorragend der neue «Google Home Speaker» für 99 Franken funktioniert. Der Umgang mit ihm ist eine wahre Freude. Er versteht, interpretiert und antwortet so, wie wir es eigentlich vor Jahren von einem «smarten Lautsprecher» erwartet haben. Aber es dauerte bis heute, dass dieses Marketing-Versprechen eingelöst wurde.
Nebenbei: Auch die alten «Google Nest Mini» lassen sich Googles KI Gemini nutzen, da der Google Assistant unterdessen abgeschaltet wurde. Für die Aktualisierung braucht es lediglich die aktuellste Version der «Google Home»-App auf dem Smartphone sowie ein privates Google-Konto – also kein Workspace resp. Business-Konto.
Einrichtung und Sprache
Der Google Home Speaker kommt mit einem fest montierten Kabel mit USB-C-Stecker. Ein dazu passendes Netzteil gehört erfreulicherweise zum Lieferumfang. Leider ist es mit der Liebe zum Detail bei Google nicht weit her, denn auch beim dunkelgrauen Modell hängt ein weisses USB-Kabel am Hintern.
Offenbar wollte niemand das Design bis zum Ende durchdenken.
PCtippDas Netzteil liefert 30 Watt – und darunter ist nichts zu machen. Bei einem schwächeren Stromspender startet der Lautsprecher nur rudimentär, tadelt einem in mehreren Sprachen und verlangt das Original-Netzteil. Ein fremdes Netzteil mit deutlich mehr Leistung ist hingegen kein Problem.
Die Einrichtung ist ein Klacks und dürfte Apple-Anwendern wohlbekannt sein. Die Google-Home-App für iOS oder Android wird geöffnet und der Lautsprecher mit Strom versorgt. Sobald er bereit ist, wird sein Auftritt in der App gemeldet und ein Assistent führt durch die Einrichtung.
Zur iOS-Version oder Android-Version
Installation – die Installation ist nahezu ein Selbstläufer, wenn ein Assistent durch die wenigen Schritte führt.
PCtippAngenehm im Umgang
Optisch und bei der Verarbeitung des Gewebes ist unverkennbar, von wem sich Google inspirieren liess: von Apples HomePod mini. Google verzichtet allerdings auf ein Display auf der Oberseite. Für manuelle Interaktionen wird auf das Gewebe getippt, durch das die LEDs hindurchscheinen. Sprachinteraktionen werden durch den leuchtenden LED-Ring im Fuss angezeigt. Für sich betrachtet wirkt der Google Home Speaker schick und dezent. Im direkten Vergleich präsentiert sich das Apple-Gegenstück allerdings etwas flauschiger und hochwertiger.
Zufälle gibt’s; links der Google Home Speaker, rechts ein Apple HomePod mini.
PCtippDas Mikrofon
Was jedoch vom Fleck weg begeistert, ist die Qualität des Mikrofons. Die Erkennung von «Hey Google!» funktioniert hervorragend, genauso wie das Erkennen der Fragen und Anweisungen. Gerade bei diesem Punkt kann man auch bei teuren smarten Lautsprechern danebengreifen. Einige müssen förmlich angebrüllt werden, damit sie sich zu einer Reaktion bequemen.
Nach kurzer Zeit wurde ich, trunken von so viel Verständnis, allerdings ein wenig übermütig – und prompt liess die Erkennung dramatisch nach. Dieses vermeintliche Problem ist leicht zu lösen: Zwischen «Hey Google» und der Anfrage braucht es eine winzige Pause von einer halben Sekunde, damit sich die Kugel angesprochen fühlt.
Die Erkennung
Es empfiehlt sich, mit dem Lautsprecher Hochdeutsch zu sprechen. Zwar wird grundsätzlich auch Schweizerdeutsch verstanden, aber dann sind die Antworten mehr als durchwachsen. Das kann allerdings mit der Aussprache und dem Dialekt variieren, sodass sich eine Testreihe auf jeden Fall lohnt.
Multiroom-Audio: eher nicht
Was im Test nicht funktionierte, war die Einrichtung einer Multiroom-Umgebung. Der Versuch, mehrere Lautsprecher zu einer Gruppe zusammenzufassen, wurde mit der lapidaren Meldung «Keine Geräte in diesem Netzwerk gefunden», was schlicht falsch ist: neben zwei Google-Lautsprechern tummeln sich im Netz noch weitere Lautsprecher mit Google Cast, die allesamt von der Spotify-App gefunden und bespielt werden. Irgendwo in der Home-Umgebung von Google ist also ein Hund begraben; da ich aber nicht mit dem Finger auf den Schuldigen zeigen kann, fliesst das nicht in die Wertung ein.
Die Klangqualität
Beim Ton haben wir den Google-Lautsprecher direkt mit einem Apple HomePod mini verglichen, der für seine Leistung geradezu verehrt wird – immer in Anbetracht seiner Grösse, versteht sich. Die Resultate sind überdeutlich: Trotz seines kleineren Volumens lässt der HomePod mini dem Google-Lautsprecher keine Chance. Die Höhen sind klarer und die Bässe klingen wirklich nach Bass – und weniger nach Kellertreppe.
Wohlverstanden: Auch der Google Speaker Home taugt als Küchenlautsprecher und bietet eine durchwegs akzeptable Qualität – dessen ungeachtet ist auch hier ist das Bessere des Guten Feind. Google punktet also mit Gemini, kann beim Sound aber nicht ganz mithalten. Der HomePod mini klingt hingegen deutlich besser, führt aber in eine kognitive Sackgasse.
Ein Abo fördert die Intelligenz
Der Lautsprecher selbst bringt keine Intelligenz mit, sondern ist auf eine Internetverbindung zu den Google-Servern angewiesen – abgesehen vom Aufruf «Hey Google». Da alle Befehle über die Google-Server abgewickelt werden, erreichen neue Funktionen automatisch sämtliche Lautsprecher. Für delikate Situationen, in denen lauschende Geräte ein ungutes Gefühl vermitteln, lässt sich das Mikrofon über den Schieber auf der Rückseite stummschalten.
Der Schalter trennt das Mikrofon, gut signalisiert durch den orangen LED-Streifen.
PCtippWenn der Lautsprecher ohne jedes Abo genutzt wird, verhält sich Gemini wie eine klügere, verständnisvolle Variante des alten Google Assistant. Fragen werden schnell und zuverlässig beantwortet. Folgefragen sind möglich, aber dazu muss der Lautsprecher erneut mit «Hey Google» aktiviert werden. Dabei weiss Gemini, was gerade besprochen wurde und nimmt den Gesprächsfaden an dieser Stelle auf.
Der Smarthome-Aspekt
Bevor wir zu den Abos kommen, muss der Google Home Speaker 2026 etwas deutlicher eingeordnet werden. Wie der Name schon vermuten lässt, soll er mehr als nur ein Audio-Ausgabegerät sein, sondern bei Bedarf als Steuerzentrale von Google Home agieren – also der direkten Konkurrenz zu Apple Home, Home Assistant, Homey und wie sie alle heissen.
Aus diesem Grund agiert der Lautsprecher gleichzeitig als Thread Border Router, der Geräte nicht nur über Thread, sondern auch über Matter, Wi-Fi 6 oder Bluetooth steuert. Zigbee wird hingegen nicht unterstützt; stattdessen lassen sich solche Geräte über eine entsprechende Bridge (wie Philips Hue), über Matter resp. Wi-Fi einbinden. Und schliesslich kann der Lautsprecher selbständige Automationen anstossen oder Geräte aus der Ferne steuern. Ausserdem lassen sich Videos aus Überwachungskameras ansehen, wenn auch nur im Livestream.
Der kleine Lautsprecher ist gleichzeitig ein Thread Border-Router und stellt sich für die Verwaltung des Smarthomes zur Verfügung.
PCtippWie intelligent der Lautsprecher jedoch tatsächlich ist, hängt auch davon ab, ob die Kreditkarte gezückt wird. Und jetzt wird’s abwechslungsreich.
Abo 1: Google Home Premium (Standard)
Der Kauf des Geräts enthält ein sechsmonatiges Probe-Abo von «Google Home Premium (Standard)». Danach kostet es 10 Franken monatlich oder 100 Franken jährlich. Damit wirkt der Umgang mit Gemini deutlich natürlicher. Für einen fliessenden Dialog wird der Lautsprecher mit «Hey Google, lass uns reden» geweckt. Danach wird mit der kleinen Kugel geplappert, ohne erneut den Weckruf auszusprechen.
In Google Home wiederum erhöht sich die Videospeicherung aller Kameras auf 30 Tage. Ausserdem sind intelligentere Benachrichtigungen möglich, indem eine Kamera zum Beispiel ein Paket oder eine Person erkennen kann.
Abo 2: Google Home Premium (Advanced)
Kommt das Abo mit dem Anhängsel «Advanced», profitiert nur noch das Smarthome – und zwar für 18 Franken monatlich oder 180 Franken jährlich. Es bietet alle Standard-Vorteile, erweitert den Videospeicher auf 60 Tage Ereignisverlauf ermöglicht eine zehntägige Daueraufzeichnung. Dazu gesellen sich tiefere KI-Funktionen für die Videoaufzeichnung mit täglichen Zusammenfassungen oder der Möglichkeit, den Videoverlauf per Sprache zu durchsuchen, etwa so: «Wann wurde das Paket geliefert?»
Dieses Abo bietet also für die Verwendung mit dem Google Home Speaker keine nennenswerten Vorteile, sondern ist für Umgebungen gedacht, die sich primär auf Google Home als Smarthome-Steuerung stützen.
Abo 3: Google AI Pro (Cloud & KI)
Dieses Abo könnte die erste Wahl sein, für alle, die Gemini auch ausserhalb des Smarthomes für KI nutzen. Dafür werden 17 Franken monatlich fällig, ohne die Option, den Preis mit einem Jahresabo zu drücken. Darin enthalten ist «Google Home Premium (Standard)», das eigentlich 10 Franken kostet.
Vor allem aber wird Gemini im Browser aufgewertet, indem das Modell Gemini 3.1 Pro freigeschaltet wird. (Oder zumindest hiess das Modell so, als diese Zeilen geschrieben wurden.) Dazu kommen ein gewaltiges Kontextfenster von bis zu 1 Million Tokens, die Bilderzeugung mit «Nano Banana Pro» und die Videogenerierung mit «Veo».
Kurz: Mit diesem Abo werden im Browser deutlich mehr und umfangreichere Möglichkeiten mit Googles KI Gemini geschaffen. Das Abo für den Google Speaker nimmt man dabei eher beiläufig mit.
Fazit
Der Google Home Speaker überzeugt mit Gemini. Die Erkennung funktioniert ausgezeichnet und die Tonqualität ist in Anbetracht seiner Grösse nicht zu verachten, auch wenn sie nicht an die Konkurrenz aus Cupertino heranreicht.
Der grösste Nachteil ist die Grenze, die Google zum Abo zieht: Wer auf ein Abo verzichtet, bekommt in Sache Intelligenz keine nennenswerten Vorteile zum alten Google Nest mini geboten, der sich unterdessen ebenfalls mit Gemini versteht. Wer sich hingegen zum Abo durchringt, wird mit einer ganzen Reihe an Smarthome-Funktionen beworfen, für die es in vielen Fällen gar keine Verwendung gibt.
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