Research & Studies
Technikfrust belastet Schweizer auch nach Feierabend
Wenn digitale Werkzeuge streiken, endet der Ärger für viele Menschen nicht mit dem Arbeitstag. In der Schweiz geben 69 Prozent der Befragten an, dass technische Probleme ihre Stimmung nach Feierabend beeinträchtigen. 68 Prozent berichten zudem, dass solche Schwierigkeiten ihr Gefühl der Kontrolle über das Privatleben belasten. Beide Werte liegen über dem Durchschnitt der neun untersuchten Länder: Dort sind es 64 beziehungsweise 63 Prozent.
Das geht aus der am 6. Oktober veröffentlichten Studie «Ctrl Tomorrow» hervor, die Logitech in Auftrag gegeben hat. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen ihre technische Ausstattung erleben und welchen Zusammenhang sie zwischen der Beherrschung digitaler Werkzeuge, ihrem Wohlbefinden und ihren Möglichkeiten sehen. Für IT-Verantwortliche rückt damit neben der Bereitstellung von Technik auch die Erfahrung der Menschen in den Fokus, die damit arbeiten.
Zwischen neuen Chancen und Kontrollverlust
Die Schweizer Antworten zeigen eine Spannung: Trotz der verbreiteten Belastung durch Technikprobleme meinen 82 Prozent, dass Technologie eher neue Chancen als zusätzlichen Druck schafft. Über alle untersuchten Länder hinweg liegt dieser Anteil bei 74 Prozent. 73 Prozent der Schweizer Befragten stimmen ausserdem der Aussage zu, dass Menschen umso mehr vom Leben haben, je besser sie ihre Technik beherrschen.
Deutlich zurückhaltender fällt die Begeisterung für KI aus. In der Schweiz freuen sich 23 Prozent darüber, dass künstliche Intelligenz ihre Möglichkeiten erweitert. Das ist mehr als in Deutschland mit 13 Prozent oder Frankreich mit 12 Prozent. In Indien beträgt der Anteil dagegen 41 Prozent. Offenheit gegenüber Technologie im Allgemeinen bedeutet demnach nicht automatisch Begeisterung für KI.
Weltweit berichten 52 Prozent, dass sie dank der Kontrolle über ihre Technik etwas erreicht hätten, das sie zuvor für unmöglich hielten. In der Schweiz sind es 47 Prozent. Zugleich fühlen sich über alle untersuchten Länder hinweg 46 Prozent bei Technikpannen hilflos, beschämt, erschöpft oder abgehängt.
Logitech entwickelt einen eigenen Kontrollindex
Um die Unterschiede zu erfassen, hat Logitech den «Ctrl Score» entwickelt. Der Index berücksichtigt drei Dimensionen: wie bewusst Menschen ihre Geräte und Werkzeuge auswählen, wie selbstbewusst und offen sie mit Technologie umgehen und ob sie diese als Unterstützung oder als Hindernis für ihre Möglichkeiten betrachten.
Nach dieser Einteilung verfügen weltweit 30 Prozent der Befragten über ein hohes Mass an Selbstbestimmung im Umgang mit ihrer Technik. Logitech bezeichnet die Vorteile erlebter Kontrolle als «Kontrolldividende» und die Belastungen bei Kontrollverlust als «Kontrollsteuer». Es handelt sich dabei um Begriffe und eine Bewertungssystematik des Auftraggebers.
«Unsere Studie ‹Ctrl Tomorrow› zeigt, dass Technologie das Potenzial der Menschen entweder einschränken oder entfalten kann – auf individueller, organisatorischer oder globaler Ebene», sagt Logitech-Geschäftsführerin Hanneke Faber.
Physische Geräte geben ein Gefühl der Kontrolle
Eine besondere Rolle spielt in den Antworten die Hardware. In der Schweiz geben 66 Prozent an, bei der Interaktion mit physischen Geräten das grösste Kontrollgefühl zu erleben. 48 Prozent verlassen sich nach eigener Einschätzung heute stärker auf solche Geräte als noch vor fünf Jahren. Weltweit beträgt dieser zweite Wert 42 Prozent. Die Ergebnisse beschreiben Wahrnehmungen und Selbsteinschätzungen. Sie belegen keine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Technikbeherrschung und Wohlbefinden. Für Unternehmen liefern sie dennoch einen Anlass, bei der Einführung neuer Werkzeuge genauer hinzusehen: Ob Mitarbeitende diese souverän nutzen können und Unterstützung bei Problemen erhalten, gehört ebenso zur Bewertung wie der Funktionsumfang.
Die Schweiz nimmt unter den westlichen Ländern eine Sonderrolle ein. Dort sind immerhin 23 Prozent von KI begeistert.
LogitechStudie «Ctrl Tomorrow»
Die Studie «Ctrl Tomorrow» wurde von der Kommunikationsagentur Burson im Mai und Juni 2026 in den folgenden neun Ländern durchgeführt: USA, Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Australien, Indien, China und Brasilien. Dabei stützt sich die Untersuchung auf eine repräsentative Stichprobe von mehr als 9000 Befragten aus der Allgemeinbevölkerung, einschliesslich einer überrepräsentierten Gruppe von Gamerinnen und Gamern, sowie auf eine separate Umfrage unter 1350 IT-Entscheidungsträgern.
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