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Lesedauer 4 Min.

Digital Detox mit der Apple Watch

Es wird zu einem modernen Bedürfnis, weniger Zeit am iPhone zu verbringen. Paradoxerweise ist das beste Mittel gegen Technik … noch mehr Technik. Denn die Apple Watch hilft dabei, uns von toxischen Gewohnheiten endlich zu lösen.
© ChatGPT

Der überbordende Medienkonsum durch X, Facebook, YouTube oder Instagram kann problematisch werden. Doch das Beiseitelegen des iPhones und selbst das Löschen der Apps bieten keinen zuverlässigen Schutz gegen die ständigen Versuchungen. Der komplette Verzicht auf das Smartphone ist allerdings auch keine Alternative, denn die meisten von uns stecken bis zum Hals im digitalen Alltag – im Guten wie im Schlechten.

Denn auf viele digitale Errungenschaften wollen wir trotzdem nicht verzichten: vom Musikhören über Gespräche bis zur aktuellen Wetterprognose. Doch vielleicht baumelt die perfekte Lösung bereits am Handgelenk. Denn die Apple Watch bietet eine Fülle an Möglichkeiten, mit denen der Alltag auch ohne iPhone bewältigt wird. Gleichzeitig ist das Display viel zu klein für Social-Media-Konsum – und die dazu nötigen Apps werden gar nicht erst für die Apple Watch angeboten.

Vorbereitung ist alles

Damit das iPhone in Zukunft zu Hause und ausgeschaltet bleiben kann, sind einige Vorbereitungen nötig. Viele Apps werden zuerst am iPhone eingerichtet; erst danach funktioniert die Apple Watch autonom. Das iPhone wird danach so umständlich wie möglich weggesperrt. Allerdings soll nicht unterschlagen werden, dass dabei zwei Bereiche auf der Strecke bleiben: die Kamera sowie alles, was im Auto mit CarPlay zusammenhängt.

Ohne LTE läuft (fast) nichts

Die meisten der folgenden Einsatzgebiete verlangen, dass es sich bei der Apple Watch um ein Modell mit eSIM handelt – und eine solche auch installiert ist. Sie wird zum bestehenden Mobil-Abo hinzugebucht. Die Kosten variieren mit der Art des Abos und dem Provider, doch die Aufschläge liegen in den meisten Fällen im einstelligen Bereich.

Tipp: Um zu erfahren, ob Ihre Apple Watch qualifiziert ist, prüfen Sie die Gravur auf der Rückseite. Nur die Modelle mit dem Hinweis «Cellular» bringen diese Voraussetzung mit.

Bild 1: Die AirPods sind in jeglicher Hinsicht die perfekten Begleiter der Apple Watch

© PCtipp

AirPods: beste Freunde

Zahlreiche Anwendungen bedingen eine Tonausgabe: Telefonie, WhatsApp Audio oder natürlich der Musikkonsum. Doch die Wiedergabe über die Lautsprecher wirkt grenzwertig und qualitativ unbefriedigend. Zusammen mit den AirPods fallen Einschränkungen und Hemmungen Bild 1. Gespräche funktionieren prächtig, die Wiedergabe von Musik und Podcasts sowieso. Und die Arme bleiben dabei erst noch locker-entspannt.

Alles, was wichtig ist

Für die Apple Watch stehen unzählige Apps zur Auswahl. Doch nicht alles funktioniert so offensichtlich und zuverlässig wie am iPhone. Hier kommen die wichtigsten Einsatzgebiete.

Messenger und Telefonie

Es versteht sich von selbst, dass Apples Nachrichten-App sowohl für Mitteilungen als auch für SMS verwendet werden kann, Bild 2 A. Genauso funktioniert die Telefon-App für klassische Anrufe und für Gespräche über FaceTime Audio. Nachrichten lassen sich erstaunlich akkurat erfassen, indem sie diktiert werden B. Fehler lassen sich am Schluss über die kleine Tastatur korrigieren. Doch sogar das Schreiben funktioniert zuverlässig, wenn nicht getippt, sondern die Worte durch Wischen geschrieben werden. Die intelligente Erkennung erledigt den Rest.

Tipp: Die Einfügemarke im Text lässt sich mithilfe der Krone punktgenau platzieren.

Bild 2: Apples eigene Nachrichten-App kennt drei Formen der Eingabe

© PCtipp

WhatsApp

Ein Digital Detox ohne WhatsApp ist in unseren Breitengraden schwierig, weil zu viel Berufliches und Privates dranhängt, das sich nicht einfach abstreifen lässt. WhatsApp funktioniert auf der Apple Watch ohne iPhone, Bild 3 A. Nachrichten können sowohl empfangen als auch verschickt werden, allerdings mit einer kuriosen Einschränkung: Es lassen sich keine neuen Empfänger adressieren. Wenn sich also ein wichtiger Kontakt anbahnt, muss eine erste Nachricht anderweitig erfasst werden B: entweder von einem anderen Gerät oder indem das Gegenüber den Chat eröffnet. Danach lässt sich die Konversation direkt an der Apple Watch weiterspinnen.

Tipp: WhatsApp gibt es auch für das iPad und den Mac, sodass hier die Abhängigkeit vom iPhone deutlich reduziert wird.

Bild 3: WhatsApp funktioniert prächtig – falls der Chat bereits angestossen wurde

© PCtipp

Musikhören

Für viele Anwender ist das Streaming von Musik nicht verhandelbar – und auch hier überzeugt die Apple Watch. Selbstredend wird Apple Music auch ohne iPhone unterstützt, doch das gilt nicht automatisch für andere Dienste. TIDAL und Amazon Music lassen sich ebenso verwenden. Beim Platzhirsch Spotify ist der iPhone-freie Zugang über LTE ebenfalls möglich; doch diese Freiheit wird nur den Abonnenten gewährt, Bild 4. In der Gratis-Variante agiert die Apple Watch nur als Fernbedienung des iPhones. Die AirPods als direktes Ausgabegerät zeigen sich hingegen nur bei der zahlenden Klientel.

Bild 4: Spotify bietet beim Musikhören die absolute Freiheit, aber nur für Abonnente

© PCtipp

Reisen im ÖV

Das ist vielleicht das grösste Hindernis. Die SBB-App ist für viele zu einem unverzichtbaren Helfer geworden. Allerdings funktioniert sie (noch) nicht autonom auf der Apple Watch. Auch die beste Alternative Fairtiq dient nur als Verlängerung des iPhones. Das wird sich irgendwann ändern. Doch hier und heute beschränkt sich die Funktion der Apple Watch auf das bargeldlose Bezahlen am Automaten und die Verwaltung der Billette, die zuvor in der Wallet-App am iPhone hinterlegt wurden.

Kontaktloses Bezahlen

Diese Funktion gehört seit jeher zu den Kernkompetenzen der Apple Watch. Nachdem die Kreditkarten via iPhone hinterlegt sind, funktionieren sie völlig losgelöst, Bild 5 A. Twint ist hingegen nicht verfügbar. Doch auch sonst speichert die Apple Watch alles, was bereits an Tickets auf dem iPhone gelandet ist. Neben Kreditkarten sind das auch digitale Hausschlüssel B, Flugtickets, Eintritte und mehr.

Bild 5: Ausser Kreditkarten befinden sich im Wallet auch Tickets und digitale Schlüssel

© PCtipp

Bild 6: Fokusse sind mächtige Verbündete im Streben nach mehr Ruhe

© PCtipp

Siri: Nicht zu unterschätzen

Siri ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Doch meistens schafft sie es, rudimentäre Aufgaben zu übernehmen. Zu meinen persönlichen Favoriten gehören die Erinnerungen: entweder mit einer genauen Zeitangabe («Erinnere mich am Freitag um 13:30 Uhr …») oder bei der Ankunft («Erinnere mich zu Hause …»). Dabei umfasst die Integration alle wichtigen Apple-Apps: «Setze Gurken auf die Liste ‹Einkauf›». Oder: «Öffne die Garage», wenn der Torantrieb in Apple Home integriert worden ist.

Für die maximale Ruhe

Die hier erwähnten Apps zeigen nur einen winzigen, aber wichtigen Ausschnitt aus der Flut der Möglichkeiten. Doch beim Digital Detox geht es nicht zuletzt darum, die Belästigung durch Nachrichten, Mitteilungen oder bestimmten Personen so gut wie möglich zu unterbinden. Letztendlich sollen sich bestimmte Apps überhaupt nicht mehr melden oder den Kontakt auf ein absolutes Minimum reduzieren. Dazu stehen zwei sehr effektive Werkzeuge zur Seite.

Fokusse

Mit granular abgestimmten Fokussen werden Zeiten, Orte und Personen blockiert – oder eben durchgewunken, Bild 6. Dazu wird in den Einstellungen des iPhones der Bereich Fokus aufgerufen und mit einem Tippen auf das Pluszeichen ein neuer Fokus angelegt. Wählen Sie einen der hier angebotenen Fokusse, um ihn an die eigenen Bedürfnisse anzupassen oder tippen sie auf Eigener, um ihn von Grund auf neu zu erstellen. Das hilft auch dabei, ein Gefühl für die Sache zu entwickeln.

Dabei sind die Optionen weitgehend selbsterklärend. Wenn Sie sich zum Beispiel um 18 Uhr aus dem Alltag zurückziehen möchten, beschränken Sie die Apps, die sich ab diesem Zeitpunkt melden dürfen. Dasselbe gilt für Personen. Die Anpassungen gehen so weit, dass die Apple Watch um diese Zeit auch das Zifferblatt ändert – etwa von einer sehr informativen Ansicht zu einer reduzierten Ansicht, die nur noch die Uhrzeit anzeigt.

Die Fokusfilter helfen effizient dabei, Privates und Geschäftliches zu trennen, indem zum Beispiel bei einem fähigen E-Mail-Client nur noch die private Post durchgelassen wird. Doch in vielen Fällen wäre es vielleicht ratsam, den Client komplett aus der Liste der erlaubten Apps zu streichen, denn nur wenige E-Mails dulden keinen Aufschub. Und so weiter. Ein Fokus ist der beste Weg, damit Ruhe einkehrt, ohne dass die wichtigsten Personen und Dienste im Leben ausgeschlossen werden oder dass wichtige Hinweise durch das engmaschige Raster fallen.

Benachrichtigungen

Ab Werk ist die Apple Watch so eingestellt, dass Benachrichtigungen gespiegelt werden. Das heisst: Sind sie auf dem iPhone erlaubt, gilt das auch für die Apple Watch. Der erste Schritt besteht also darin, solche Hinweise zu unterbinden. Das geschieht am iPhone in der App Watch im Bereich Mitteilungen: Hier lässt sich für jede einzelne App festlegen, ob sie sich melden darf – und auf welche Weise. Ab Werk stehen die Einstellungen vermutlich auf Mein iPhone spiegeln, doch das ist schnell geändert.

Der Befreiungsschlag

Zu Beginn mag es ungewohnt sein, sich nur mit der Apple Watch bewaffnet durch den Alltag zu begeben. Allerdings dauert es maximal drei Tage, bis sich der Reiz dieses Konzepts offenbart. Wenn ausserdem die Dienste und Fokusse geschickt ausgewählt werden, fühlt es sich vielleicht sogar an wie eine überfällige Befreiung von zu vielen Zwängen.

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