App-Tipps
Gutes aus Europa - Software-Alternativen zu US-Produkten
Anwendungen wie ChatGPT, Google Maps, Gmail oder Microsoft 365 gehören für viele Menschen zum digitalen Alltag. Diese Dienste stammen allerdings aus den USA. Spätestens seit Donald Trumps zweiter Amtszeit wird in Europa der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von US-Software immer grösser.
Auch aus Sicht der Privatsphäre gerät US-Software zunehmend in die Kritik: US-Behörden können dank des «US Cloud Acts» jederzeit die Herausgabe von Personendaten bei US-Unternehmen erzwingen, selbst wenn die betreffende Person gar nicht in den Vereinigten Staaten lebt.
Wer Wert auf Datenschutz, europäische Rechtsstandards oder digitale Unabhängigkeit legt, findet heute zahlreiche Alternativen aus Europa und selbst der Schweiz.
KI-Chatbots
Seit dem Erfolg von ChatGPT ist künstliche Intelligenz zu einem festen Bestandteil des digitalen Alltags geworden. Die bekanntesten KIs wie Claude, Gemini oder Grok, stammen allerdings alle aus den USA. Doch auch in Europa sind inzwischen leistungsfähige KI-Assistenten entstanden. Zwar reichen diese nicht immer an die Leistungsfähigkeit der US-Konkurrenz heran, für den Alltag reichen sie aber problemlos aus.
Mistral Vibe
Das französische Unternehmen Mistral AI gilt als einer der wichtigsten europäischen KI‑Anbieter. Mit Vibe (früher Le Chat) bietet die Firma unter mistral.ai/products/vibe einen Chatbot an, der Fragen beantwortet, Texte erstellt, Zusammenfassungen liefert und bei Recherchen hilft, Bild 1. Die Bedienung erinnert stark an ChatGPT, sodass der Umstieg leichtfällt. Ein weiterer Vorteil ist der Fokus auf europäische Datenschutzstandards.
Bild 1: Die europäische Alternative zu ChatGPT & Co. heisst Mistral Vibe und stammt aus Frankreich
PCtippProton Lumo
Der Schweizer Anbieter Proton ist vorwiegend für seine verschlüsselten E-Mail-Dienste bekannt. Mit Lumo (lumo.proton.me) bietet das Unternehmen seit Kurzem auch einen eigenen KI-Assistenten an. Im Vordergrund stehen Datenschutz und Vertraulichkeit. Der Dienst richtet sich vor allem an Nutzerinnen und Nutzer, die sensible Informationen nicht bei grossen US-Plattformen verarbeiten möchten. Beim Funktionsumfang kann Lumo noch nicht überall mit den grössten KI-Modellen mithalten.
Suchmaschinen
Die Firma Google dominiert den Suchmaschinenmarkt seit Jahren. Bekannt ist auch, dass Google (und ebenfalls andere Suchmaschinen) sehr viele Daten sammelt. Glücklicherweise gibt es etliche Alternativen, die nicht nur in Europa gehostet werden, sondern auch viel Wert auf Datenschutz legen.
Qwant
Qwant (qwant.com) stammt aus Frankreich und legt grossen Wert auf Privatsphäre. Nach Angaben des Unternehmens werden keine persönlichen Nutzerprofile erstellt und keine Suchhistorien für Werbezwecke gespeichert. Die französische Suchmaschine bietet ein modernes Design und deckt ausser der Websuche auch Nachrichten, Bilder und weitere Inhalte ab. Für viele Alltagsanfragen liefert Qwant überzeugende Resultate und ist eine gute Alternative zu Google.
Swisscows
Swisscows (swisscows.com) wird in der Schweiz betrieben und wirbt mit einem konsequenten Verzicht auf Tracking, Bild 2. Die Suchmaschine richtet sich auch an Familien und filtert problematische Inhalte stärker als viele Konkurrenten. Die Server befinden sich in der Schweiz, was für datenschutzbewusste Nutzer ein zusätzlicher Pluspunkt sein kann. Bei sehr speziellen Suchanfragen erreicht Swisscows zwar nicht immer die Qualität von Google, für die meisten Alltagssuchen genügt der Dienst jedoch problemlos.
Bild 2: Wer von Suchmaschinen wie Google oder Bing weg möchte, findet mit Swisscows eine datenschutzfreundliche Alternative
PCtippKarten-Apps
Karten- und Navigationsdienste gehören zu den meistgenutzten Smartphone-Apps. Den Markt dominieren Google Maps (vor allem auf Android) und Apple Maps auf dem iPhone. Dabei vergisst man gerne, dass europäische Navigations-Software lange führend war – und auch heute noch mithalten kann. Wer einfach nur eine Navigations-App ohne sonstige Funktionen wie Bewertungen für Cafés oder Läden benötigt, findet gute Alternativen aus Europa.
HERE WeGo
HERE WeGo (wego.here.com) hat seine Wurzeln in Europa und bietet eine vollwertige Navigationslösung für Auto, Velo, Spaziergänger und den öffentlichen Verkehr, Bild 3. Die App enthält Echtzeit-Verkehrsinformationen, Offlinekarten und eine moderne Benutzeroberfläche. Wer von Google Maps umsteigt, findet sich in der Regel schnell zurecht. Besonders für Autofahrer gehört HERE WeGo zu den stärksten Alternativen.
Bild 3: Wenn Sie ohne Schnickschnack navigieren möchten, empfiehlt sich HERE WeGo
PCtippOrganic Maps
Organic Maps (organicmaps.app) basiert auf dem freien Kartenprojekt OpenStreetMap und verfolgt einen datenschutzfreundlichen Ansatz. Die App funktioniert ohne Benutzerkonto und verzichtet auf Tracking. Karten können vollständig offline gespeichert werden, was sie besonders für Reisen, Wanderungen und Velotouren interessant macht. Im Vergleich zu Google Maps fallen einige Zusatzfunktionen nicht ganz so umfangreich aus, dafür punktet die App mit Übersichtlichkeit und Privatsphäre.
Webbrowser
Webbrowser zählen zu den wichtigsten Programmen auf jedem Computer. Wer sich von Google Chrome, Microsoft Edge oder Apples Safari lösen möchte, hat zwei gute Alternativen aus Europa.
Vivaldi
Vivaldi (vivaldi.com) wird in Norwegen entwickelt und richtet sich an Nutzer, die ihren Browser umfassend anpassen möchten. Zahlreiche Funktionen sind bereits integriert, darunter Werbeblocker, Tab-Verwaltung und Datenschutzoptionen, Bild 4.
Trotz des grossen Funktionsumfangs bleibt die Bedienung übersichtlich. Wer viel Zeit im Webbrowser verbringt, findet hier eine der vielseitigsten Alternativen zu Chrome.
Bild 4: Der Vivalid-Browser ist aus Norwegen und nicht nur umfassend anpassbar, sondern schützt auch Ihre Privatsphäre
PCtippMullvad Browser
Der Mullvad Browser (github.com/mullvad/mullvad-browser) entstand in Zusammenarbeit mit dem Tor Project und dem schwedischen VPN-Anbieter Mullvad. Das Hauptziel ist ein möglichst hoher Schutz der Privatsphäre. Viele Einstellungen sind bereits so gewählt, dass Tracking erschwert wird. Dieser Webbrowser richtet sich vor allem an datenschutzbewusste Anwender, die möglichst wenige digitale Spuren hinterlassen möchten.
Office-Software
Microsoft 365 und Googles Workspace vereinen vielerlei Tools auf einer Plattform. Dazu gehören E-Mail, Cloud-Speicher, Dokumente, Kalender, Videochat und Teamfunktionen. In vielen Firmen und auch privat ist es heutzutage das Standardprogramm für den digitalen Büroalltag. Auch dafür gibt es europäische Alternativen – und eine davon stammt sogar aus der Schweiz.
Infomaniak kSuite
Die kSuite des Genfer Unternehmens Infomaniak (infomaniak.com/de/ksuite) kombiniert E-Mail, Cloud-Speicher, Kalender, Videokonferenzen und Office-Funktionen in einem einzigen Paket. Alle Daten werden in der Schweiz verarbeitet, Bild 5. Die Oberfläche ist modern gestaltet und erinnert in vielen Bereichen an bekannte Cloud-Dienste. Für Privatpersonen, Vereine und kleinere Unternehmen ist die Infomaniak kSuite eine der interessantesten europäischen Alternativen zu Microsoft 365 oder Google Workspace.
Bild 5: Mit der kSuite gibt es eine Schweizer Alternative zu den Office-Anwendungen von Microsoft und Google
PCtippNextcloud
Nextcloud (nextcloud.com) ist eine Open-Source-Plattform aus Deutschland und kann entweder auf einem eigenen Server betrieben oder bei einem Hosting-Anbieter genutzt werden. Neben Dateispeicherung bietet Nextcloud Kalender, Kontakte, Videokonferenzen und Dokumentenbearbeitung. Der grosse Vorteil liegt in der Kontrolle über die eigenen Daten. Hostet man Nextcloud selbst, erfordert die Einrichtung zwar etwas mehr Aufwand als bei kommerziellen Diensten, dafür erhalten Nutzer maximale Flexibilität.
ONLYOFFICE
OnlyOffice (onlyoffice.com) setzt auf eine moderne Benutzeroberfläche und eine hohe Kompatibilität mit den Dateiformaten von Microsoft. Dokumente, Tabellen und Präsentationen lassen sich meist ohne grössere Anpassungen austauschen. Die Software eignet sich sowohl für Einzelpersonen als auch für Teams und kann lokal oder in einer Cloud-Umgebung genutzt werden. Wenn Ihnen KI-Funktionen wichtig sind, können Sie seit Neuestem Vibe des französischen Anbieters Mistral integrieren (siehe oben im Artikel).
E-Mail-Anwendungen
E-Mail bleibt trotz Messenger-Diensten ein wichtiger Bestandteil der digitalen Kommunikation – vor allem auf dem PC.
Proton Mail
Proton Mail (proton.me/de/mail) wird in Genf entwickelt und setzt auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das Unternehmen hat sich einen Namen als datenschutzfreundlicher Anbieter gemacht und bietet ausser E-Mail auch Kalender- und Cloud-Dienste an. Die Benutzeroberfläche ist modern und einfach zu bedienen. Eine E-Mail-Adresse lässt sich kostenlos erstellen und nutzen. Dafür erhält man 1 Gigabyte an Speicherplatz. Mehr Speicher gibt es im Abo ab Fr. 3.99 pro Monat (bei jährlicher Zahlung). Wer einen sicheren Ersatz für Gmail sucht, sollte Proton Mail unbedingt näher anschauen.
Tuta
Der deutsche Anbieter Tuta (tuta.com) verfolgt einen ähnlichen Ansatz und legt grossen Wert auf Datenschutz, Bild 6. E-Mails und weitere Inhalte werden verschlüsselt gespeichert. Gleichzeitig bleibt die Bedienung für Einsteiger verständlich. Auch hier gibt es zur kostenlosen E-Mail-Adresse 1 Gigabyte Speicher dazu. Mehr Speicher gibt es ab drei Euro pro Monat (bei jährlicher Zahlung). Tuta eignet sich besonders für Sie, wenn Sie eine schlanke und datenschutzfreundliche E-Mail-Lösung bevorzugen.
Bild 6: Tuta ist ein deutscher E-Mail-Anbieter, der sich ganz dem Datenschutz verschrieben hat
PCtippCloud-Speicher
Cloud-Speicher sind heutzutage auch im privaten Bereich für viele unverzichtbar geworden. So hat man nicht nur von überall Zugriff auf seine Dateien, sondern auch immer ein Backup seiner Daten. Erfreulicherweise gibt es gleich zwei Alternativen aus der Schweiz, mit denen Sie Google Drive, OneDrive & Co. ersetzen können.
Proton Drive
Proton bietet mit Proton Drive (proton.me) einen eigenen Cloud-Speicher an, Bild 7. Wie bei den anderen Diensten des Genfer Unternehmens steht der Datenschutz im Mittelpunkt: Dateien werden Ende-zu-Ende verschlüsselt gespeichert. Dokumente, Fotos und andere Dateien lassen sich zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren und einfach teilen.
kDrive
kDrive (infomaniak.com/de/ksuite/kdrive)stammt von Infomaniak und wird vollständig in der Schweiz betrieben. Der Dienst bietet Dateisynchronisation, Freigaben und Teamfunktionen in einer modernen Oberfläche. Die Integration mit den übrigen Diensten des Unternehmens erleichtert die Zusammenarbeit. Für viele Privatanwender und KMU stellt kDrive eine unkomplizierte Alternative zu den grossen US-Anbietern dar.
Bild 7: Der Genfer Anbieter Proton hat eine ganze Office-Suite im Angebot. Dazu gehört ein Cloud-Speicher
PCtipp
Bild 8: Tatsächlich gibt es einige Passwortmanager aus der Schweiz. Einer ist das Zentralschweizer Tool pCloud Pass
PCtippPasswortmanager
Passwortmanager helfen dabei, sichere und unterschiedliche Kennwörter zu verwenden. Auch hier gibt es Schweizer Anbieter.
Proton Pass
Mit Proton Pass (proton.me/de/pass) hat der Schweizer Anbieter sein Datenschutz-Ökosystem um einen Passwortmanager erweitert. Passwörter, Notizen und weitere Informationen werden verschlüsselt gespeichert. Besonders praktisch ist die Integration mit den übrigen Proton-Diensten. Die Anwendung eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Nutzer.
pCloud Pass
pCloud Pass (pass.pcloud.com) stammt ebenfalls aus der Schweiz und hat seinen Hauptsitz im zugerischen Baar. Passwörter können auf mehreren Geräten synchronisiert und sicher gespeichert werden, Bild 8. Apps sind für alle bekannten Plattformen, inklusive Linux, verfügbar. Die Software konzentriert sich auf die wichtigsten Funktionen und verzichtet auf unnötige Komplexität. Damit ist dieses Tool perfekt für Sie, wenn Sie einen unkomplizierten Passwortmanager suchen.
E-Signaturen
Elektronische Signaturen haben sich in den vergangenen Jahren vom Spezialwerkzeug zum wichtigen Bestandteil des digitalen Büroalltags entwickelt. Verträge, Offerten oder Personalunterlagen lassen sich heute auch in der Schweiz oft vollständig digital und rechtlich bindend unterzeichnen. Wenn Sie dabei nicht auf US-Anbieter setzen möchten, finden Sie sogar Anbieter in der Schweiz. Wir stellen Ihnen zwei vor.
Skribble
Das zürcherische Skribble (skribble.com) zählt zu den bekanntesten Anbietern für elektronische Signaturen in der Schweiz und wird von zahlreichen Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen eingesetzt, Bild 9.
Bild 9: Die Zürcher Software Skribble ist eines der bekanntesten Tools für digitale Unterschriften im DACH-Raum
PCtippDokumente lassen sich mit Skribble direkt online unterschreiben und zur Gegenzeichnung versenden. Dank Unterstützung der Schweizer ZertES- und der europäischen eIDAS-Vorgaben eignet sich Skribble für viele geschäftliche und behördliche Prozesse, die rechtlich bindende digitale Unterschriften erfordern, Bild 10.
Bild 10: Mit sogenannten qualifizierten elektronischen Unterschriften (QES) können unter anderem in der Schweiz rechtlich bindende Verträge digital signiert werden
PCtippDeepSign
DeepSign (deepsign.swiss) mit Sitz im Kanton St. Gallen richtet sich vor allem an Unternehmen, Behörden und Selbstständige. Dokumente lassen sich direkt online unterschreiben und versenden. Praktisch ist die integrierte Identitätsprüfung, wodurch viele Schritte innerhalb derselben Plattform erledigt werden können. DeepSign erfüllt die schweizerischen und europäischen Anforderungen für rechtsgültige elektronische Unterschriften und eignet sich damit auch für offizielle Dokumente und Verträge.
Hintergrund: Geht es ganz ohne US-Software?
Ist ein digitales Leben ganz ohne US-Software möglich? Zumindest teilweise. Für viele Alltagsanwendungen gibt es ausgereifte Alternativen aus Europa und der Schweiz. Wer möchte, kann einen grossen Teil seines Alltags ohne Google, Microsoft oder andere US-Konzerne bestreiten.
Komplett ohne US-Technologie wird es jedoch schwierig. Viele europäische Dienste nutzen amerikanische Hardware, Software-Komponenten oder Cloud-Infrastrukturen. Ausserdem hat man als Laie kaum Chancen, von US-Betriebssystemen loszukommen, da die einzige europäische Alternative zurzeit Linux-Distributionen sind.
Des Weiteren gibt es in Bereichen wie Suchmaschinen, KI oder sozialen Netzwerken bislang nur wenige gleichwertige Alternativen. Für die meisten Nutzer dürfte deshalb eine schrittweise Verringerung der Abhängigkeit realistischer sein als ein vollständiger Verzicht.
Kommentare