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Lesedauer 3 Min.

Telekom testet fliegende Mobilfunkzellen im Wechselbetrieb

Die Deutsche Telekom hat erstmals zwei fliegende Mobilfunkantennen so eingesetzt, dass sie sich bei der Netzversorgung nahtlos abwechseln. Eine zusätzliche Satellitenverbindung bindet die Flugzeuge direkt an das Mobilfunkkernnetz an.
Fliegende Mobilfunkzellen

Die Deutsche Telekom und Primoco UAV haben zwei unbemannte Flugzeuge als fliegende Mobilfunkantennen im nahtlosen Wechselbetrieb getestet

© Deutsche Telekom/Primoco UAV

Bei einem Feldversuch in Tschechien haben die Deutsche Telekom, T-Mobile Tschechien und der Flugzeughersteller Primoco UAV eine unterbrechungsfreie Mobilfunkversorgung aus der Luft demonstriert. Dafür kamen zwei unbemannte Flugzeuge des Typs Primoco One 150 zum Einsatz, die abwechselnd als fliegende Mobilfunkzellen fungierten.

Smartphones verbanden sich während des Tests automatisch mit der jeweils aktiven Zelle. Nach Angaben der Telekom liefen sowohl Telefonate als auch Datenverbindungen während des Wechsels ohne Unterbrechung weiter.

Betrieb auch über längere Zeiträume

Der Einsatz von zwei Fluggeräten soll eine kontinuierliche Versorgung ermöglichen. Während sich eines der Flugzeuge am Boden befindet und betankt wird, kann das zweite die Mobilfunkversorgung übernehmen. «Der entscheidende Vorteil beim Einsatz von zwei Fluggeräten des Typs Primoco One 150 liegt in der durchgehenden Versorgung rund um die Uhr», erklärt Ladislav Semetkovský, CEO von Primoco UAV. Die Lösung könne insbesondere in Krisensituationen relevant sein, in denen eine zuverlässige Kommunikation dauerhaft verfügbar sein müsse.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Telekom nach eigenen Angaben eine fliegende Mobilfunkantenne in einem kommerziellen Live-Netz eingesetzt. Der aktuelle Versuch sollte nun zeigen, ob sich mehrere Fluggeräte ohne Unterbrechung ablösen können.

Satellit ersetzt zusätzliche Bodenstation

Zusätzlich waren die Flugzeuge mit einer Satellitenanbindung ausgestattet. Darüber wurden die fliegenden Antennen direkt mit dem Mobilfunkkernnetz verbunden. Eine zusätzliche Bodenstation für die Anbindung des Mobilfunkstandorts war damit nicht erforderlich.

Das erweitert die möglichen Einsatzgebiete der Technik. Fliegende Mobilfunkzellen könnten künftig dort eingesetzt werden, wo terrestrische Infrastruktur fehlt, beschädigt wurde oder kurzfristig nicht genügend Kapazität bietet. Als Beispiele nennt die Telekom Waldbrände, Überschwemmungen und Grossveranstaltungen in abgelegenen Regionen.

Auch eine Priorisierung bestimmter Nutzergruppen sei möglich. So könnten verfügbare Netzkapazitäten in einer Einsatzlage etwa bevorzugt für Rettungs- und Sicherheitskräfte bereitgestellt werden.

Praxistest bei Trailrunning-Veranstaltung

Durchgeführt wurde der Feldversuch beim Trailrunning-Event «Běhej lesy» in den Brdy-Bergen. Die Laufstrecke liegt in einem Landschaftsschutzgebiet mit begrenzter Mobilfunkversorgung. Im Start- und Zielbereich setzte die Telekom zusätzlich einen kompakten mobilen Mobilfunkmast ein. Entlang der Laufstrecke übernahmen die beiden fliegenden Antennen die Versorgung. Rund 1.900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten dadurch während der Veranstaltung Zugang zum Mobilfunknetz erhalten.

Die Flugzeuge operierten nach Angaben der Telekom in einer Höhe von zwei bis drei Kilometern. Dabei versorgten sie ein Gebiet von bis zu 20 Quadratkilometern mit LTE und 5G. Zum Einsatz kamen Standardfrequenzen aus terrestrischen Mobilfunknetzen. Über einen 10-MHz-Kanal seien Datenraten von bis zu 100 Mbit/s erreicht worden. Die verwendeten Flugsysteme verfügten zudem bereits über umfangreiche europäische Zulassungen.

«Innovation entsteht dort, wo neue Technologien unter realen Bedingungen überzeugen», sagt Jaroslav Holiš, Senior Manager Research & Trials bei der Deutschen Telekom. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nun in die weitere Entwicklung einer resilienten Mobilfunkversorgung für besondere Einsatzlagen einfliessen.

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