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Von Handyverbot bis KI-Seepferdchen

Handyverbot bis Klasse 7, neue Vorgaben für Social Media und mehr Schutz für Minderjährige im Netz: Die Empfehlungen einer Expertenkommission stossen auf breite Aufmerksamkeit. Nicht alle Vorschläge treffen jedoch auf Zustimmung.
Handyverbot an Schulen

Die Nutzung von Smartphones an Schulen gehört zu den umstrittensten Vorschlägen der Expertenkommission zum digitalen Kinder- und Jugendschutz

© ChatGPT

Wie viel Smartphone verträgt der Schulalltag? Und welche Regeln brauchen Kinder und Jugendliche im Netz? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die unabhängige Expertenkommission «Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt», die jetzt 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt hat.

Das Gremium hat am Mittwoch ein umfangreiches Massnahmenpaket vorgestellt. Es reicht von verbindlicher Medienbildung über sichere Voreinstellungen und Beschränkungen bei Social-Media-Angeboten bis hin zu einem Verbot der privaten Smartphone- und Tablet-Nutzung an Schulen bis einschliesslich Klasse 7. Für die Digitalbranche ist das mehr als Bildungspolitik. Die Vorschläge berühren Themen wie Altersprüfung, Plattformregulierung, Geräteeinstellungen und digitale Kompetenzvermittlung.

Zwischen Schutz und Teilhabe

Die Kommission verfolgt dabei einen breiten Ansatz. Kinder und Jugendliche sollen besser vor Risiken im Netz geschützt werden, gleichzeitig aber digitale Kompetenzen erwerben und an der digitalen Welt teilhaben können. Zu den Vorschlägen gehören unter anderem strengere Anforderungen an Plattformbetreiber, altersgerechte Voreinstellungen, eine stärkere Verankerung von Medienbildung im Schulalltag sowie Unterstützungsangebote für Eltern und Lehrkräfte.

Besonders diskutiert werden dürfte die Empfehlung, die private Nutzung von Smartphones und Tablets an Schulen bis einschliesslich Klasse 7 grundsätzlich zu untersagen. Daneben schlägt die Kommission Massnahmen für den Umgang mit sozialen Netzwerken vor. Diskutiert werden dabei sowohl Altersgrenzen als auch risikobasierte Schutzkonzepte für unterschiedliche Angebote.

Bitkom warnt vor pauschalen Verboten

Der Digitalverband Bitkom begrüsst zahlreiche Vorschläge der Kommission, insbesondere die stärkere Medienbildung. Verpflichtende Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften, digitale Kompetenzen für Kinder und ein fächerübergreifender Umgang mit digitalen Themen seien wichtige Bausteine eines modernen Jugendmedienschutzes.

Zugleich warnt der Verband vor einem «Verbotsreflex». Positiv sei, dass die Kommission Social-Media-Dienste nicht pauschal verbieten wolle, sondern auch einen risikobasierten Ansatz vorschlage. Entscheidend sei, welche Gefahren von einem Angebot tatsächlich ausgehen und welche Schutzmassnahmen daraus folgen.

Kritisch sieht Bitkom dagegen die Forderung nach einem bundesweiten Smartphoneverbot an Schulen bis einschliesslich Klasse 7. Ein solches Verbot gehe an der Realität vieler Schulen vorbei und könne die digitale Gestaltung des Unterrichts erschweren. Statt pauschaler Verbote brauche es Unterstützung für Schulen bei der Umsetzung bestehender Regeln.

Breite Zustimmung von Jugendschützern

Unterstützung erhalten die Empfehlungen dagegen von Akteuren des Kinder- und Jugendmedienschutzes. Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) bezeichnet die Vorschläge als wichtigen Impuls für einen zeitgemässen Jugendmedienschutz. Auch der Kinderschutzbund drängt darauf, die Empfehlungen nun zügig in konkrete Massnahmen zu überführen.

Politisch dürfte die Diskussion damit erst beginnen. Während Einigkeit darüber besteht, dass Kinder und Jugendliche besser geschützt werden müssen, gehen die Meinungen darüber auseinander, wie stark Verbote und Einschränkungen ausfallen sollten. Die einen setzen stärker auf Regulierung und klare Grenzen, die anderen auf Medienbildung, Eigenverantwortung und technische Schutzmechanismen.

Auch für den Handel relevant

Für den TK-Fachhandel sind die Vorschläge nicht nur ein schul- oder familienpolitisches Thema. Neue Vorgaben für Altersprüfung, Jugendschutzfunktionen oder Plattformen können sich mittelbar auch auf Beratung und Kundenkommunikation auswirken. Schon heute wenden sich viele Eltern mit Fragen zu Bildschirmzeiten, Sicherheitseinstellungen oder der ersten Smartphone-Ausstattung ihrer Kinder an den Handel.

Die Empfehlungen der Expertenkommission sind noch kein Gesetz. Sie geben aber einen Hinweis darauf, in welche Richtung die politische Diskussion in den kommenden Monaten gehen könnte. Spätestens mit dem angekündigten Abschlussbericht im Herbst dürfte das Thema weiter an Fahrt gewinnen.

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