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Smarte Brillen in der PCtipp Übersicht

Schlaue Brillen stehen weltweit in den Startlöchern, um in unserem Alltag einzuziehen. Was das genau heisst und was Sie darüber wissen müssen, lesen Sie hier. 
© ChatGPT

Hinweis: Dieser Artikel stammt aus der Printausgabe des PCtipp. Dinge können sich also mittlerweile bereits geändert haben.

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Noch vor wenigen Jahren galten smarte Brillen als gescheitertes Experiment. Besonders Googles erster Anlauf mit Google Glass sorgte zwar für viel Aufmerksamkeit, die Google-Brille verschwand aber schnell wieder vom Markt. Heute ist die Ausgangslage eine andere: Die Hardware ist kleiner, leistungsfähiger und vor allem alltagstauglicher geworden.

Ein zentraler Treiber ist die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Moderne Systeme können Bilder erkennen, Sprache verstehen und in Echtzeit reagieren. Genau das macht smarte Brillen interessant: Sie bringen diese Fähigkeiten direkt ins Sichtfeld. Gleichzeitig investieren grosse Technologiekonzerne wieder massiv in diesen Bereich. Viele Branchenbeobachter sehen darin die nächste logische Technologie – nach Smartphone und Smartwatch.

Was sind smarte Brillen?

Trivial ausgedrückt, handelt es sich um tragbare Computer, die in eine Brille integriert sind. Der Funktionsumfang variiert je nach Modell deutlich. Aktuelle Geräte lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen:

Bild 1: Sieht aus, wie eine Sonnenbrille, kann aber Musik abspielen: die Mijia Audio Smart Glasses von Xiaomi

© PCtipp
  • Einfache Smart Glasses sehen aus wie normale (Sonnen-)Brillen und konzentrieren sich auf Basisfunktionen, Bild 1. Dazu gehören zum Beispiel Musik hören, telefonieren oder das Aufnehmen von Fotos und Videos. Die Technik steckt meist in den Bügeln, sodass die Geräte relativ unauffällig bleiben.
  • Deutlich weiter gehen die sogenannten AR-Brillen (Augmented Reality). Sie können Informationen direkt in das Sichtfeld einblenden, beispielsweise Navigationshinweise, Nachrichten oder Übersetzungen, Bild 2. Im Unterschied zu VR-Brillen (Virtual Reality) bleibt die reale Umgebung dabei jederzeit sichtbar; sie wird lediglich ergänzt.

Bild 2: Smarte AR-Brillen werden oft auch als AI Glasses bezeichnet. Sie blenden Informationen direkt in das Sichtfeld ein

© PCtipp

Was bringen die Brillen?

Der grösste Unterschied zum Smartphone liegt darin, dass Informationen nicht mehr aktiv abgerufen werden müssen. Statt auf das Handy zu schauen, erscheinen die Informationen genau dort, wo Sie ohnehin hinschauen.

Besonders deutlich wird das bei der Navigation. Statt eine Karte auf dem Display zu verfolgen, sehen Sie Abbiegehinweise direkt im Sichtfeld, Bild 3. 

Bild 3: Smarte Brillen können bei der Navigation unterstützten

© PCtipp

In der Theorie ist das natürlich unglaublich praktisch. Ebenfalls ist es um einiges sicherer als die klassische Navigation, weil der Blick auf der Umgebung bleibt und man nicht auf ein Smartphone starrt.

Auch im Alltag zu Hause ergeben sich neue Möglichkeiten. Beim Kochen können etwa Schritt-für-Schritt-Anleitungen direkt im Sichtfeld eingeblendet werden, während Sie beide Hände freihaben. Ähnlich funktioniert das bei Reparaturen oder beim Zusammenbauen von Möbeln. 

Spannend ist zudem die Verbindung mit KI. Erste Systeme erkennen Objekte oder Texte und liefern dazu passende Informationen, Bild 4. Sie richten den Blick auf eine Menükarte in einer fremden Sprache und erhalten direkt eine Übersetzung eingeblendet. Oder Sie schauen sich ein Gebäude an und bekommen Zusatzinfos. Der Griff zum Smartphone entfällt komplett.

Auch im Berufsalltag steckt viel Potenzial. In der Logistik können Mitarbeitende zum Beispiel Lagerinformationen direkt sehen. Im Handwerk lassen sich Arbeitsschritte visualisieren, ohne dass Unterlagen konsultiert werden müssen. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert Fehler.

Bild 4: Auch smarte Brillen kommen heute nicht mehr ohne KI aus. So etwa die Brille aus dem Hause Xiaomi, die den Namen AI Glasses trägt

© PCtipp
Welche Nachteile gibt es?

So vielversprechend die Technik ist – sie hat aktuell noch klare Grenzen. Ein häufiges Problem ist die Akkulaufzeit. Viele Geräte halten nur wenige Stunden durch, was für einen ganzen Arbeitstag kaum reicht, Bild 5.

Hinzu kommt, dass der Funktionsumfang bei vielen Modellen noch eingeschränkt ist. Oft stehen Audiofunktionen und einfache Kameras im Vordergrund, während echte AR-Anwendungen bislang in der Entwicklung sind. In vielen Fällen bleibt das Smartphone weiterhin notwendig, weil die Brille allein nicht alle Aufgaben übernimmt.

Auch der Tragekomfort spielt eine Rolle. Zwar werden die Geräte immer unauffälliger, doch nicht jedes Modell eignet sich für den ganzen Tag. Und für Brillenträger sind zusätzlich Korrekturgläser nötig.

Bild 5: In smarten Brillen steckt viel Technik. Das geht zulasten des Akkus

© PCtipp
Datenschutz im Alltag

Ein besonders heikler Punkt ist der Umgang mit Daten. Smarte Brillen verfügen oft über Kameras und Mikrofone, die permanent einsatzbereit sind. Für das Umfeld ist nicht immer erkennbar, ob gerade aufgenommen wird.

Das führt zu einer neuen Dimension bei Datenschutzfragen. Während Smartphones sichtbar genutzt werden, verschwinden Aufnahmen hier in einem alltäglichen Gegenstand. Das kann das Vertrauen im öffentlichen Raum beeinträchtigen.

Soziale Akzeptanz

Eng damit verbunden ist die gesellschaftliche Akzeptanz. Schon beim ersten Versuch 2014, als Google eine smarte Brille testweise auf den Markt brachte, gab es Widerstand. So wurde die Brille in Bars oder Kinos verboten. Ähnliche Diskussionen dürften wieder aufkommen.

Ob sich die Technologie durchsetzt, hängt deshalb nicht nur von der Technik ab, sondern auch davon, wie gut sie in soziale Normen integriert werden kann.

Ablenkung und Sicherheit

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Ablenkung. Wenn Informationen ständig im Sichtfeld erscheinen, kann das die Konzentration beeinträchtigen. Besonders im Strassenverkehr ist das problematisch. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Balance zu finden: nützliche Informationen zur richtigen Zeit, ohne Überforderung.

Abhängigkeit

Smarte Brillen könnten zudem die Abhängigkeit von grossen Plattformen weiter verstärken. Die Geräte sammeln sehr persönliche Daten, zum Beispiel wohin Sie schauen oder wie Sie sich bewegen. Diese Informationen sind für Unternehmen äusserst wertvoll, machen den gläsernen Konsumenten aber noch transparenter.

Was bringt die Zukunft?

Die Entwicklung schreitet schnell voran. Neue Modelle werden leichter, leistungsfähiger und optisch unauffälliger. Ziel ist es, dass smarte Brillen kaum noch von normalen Brillen zu unterscheiden sind. Unter anderem will Google in diesem Jahr gleich zwei Modelle auf den Markt bringen. Mark Zuckerbergs Meta-Brille ist bereits einer der Vorreiter in diesem Segment, Bild 6.

Gleichzeitig wird die Integration von künstlicher Intelligenz weiter zunehmen. Künftige Geräte könnten als permanente digitale Assistenten fungieren, die Sie im Alltag begleiten und unterstützen, ohne dass Sie aktiv eingreifen müssen.

Auch die Unabhängigkeit vom Smartphone dürfte wachsen. Langfristig ist denkbar, dass smarte Brillen viele Aufgaben übernehmen, die heute noch das Handy erledigt.

Bild 6: Meta hat mit Oakley sogar eine Sportbrille auf den Markt gebracht

© PCtipp

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