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Lesedauer 6 Min.

«Entgoogeltes» Smartphone Murena 2 im PCtipp-Test

PCtipp hat das datenschutzfreundliche Handy mit Kill-Schalter ausprobiert. Was daran spannend ist und was die Autorin enttäuscht hat, erfahren Sie in diesem Test.

Rückseite mit 3-fach-Kamera des Murena 2

© (Quelle: Murena)

Murena, die Marke, die bereits ein ent-googeltes Smartphone lanciert hat (PCtipp-Test gibts hier), hat im Oktober 2023 den Nachfolger, das Murena 2, vorgestellt. Das nötige Kleingeld für die Massenproduktion sammelte das Unternehmen erfolgreich über eine Kickstarter-Crowdfunding-Kampagne.

Wer Murena-Handys noch nicht kennt: Murena-Smartphones sind Telefone mit dem Betriebssystem /e/OS. Kurz gesagt, ist es ein «entgoogeltes» Android-OS. Das Android-OS ist quelloffen, ohne dass Google-Apps oder -Dienste auf die persönlichen Nutzerdaten zugreifen können. Seit vergangenem Jahr gibt es auch eine e/OS-Version vom Fairphone 4.

Das Murena 2 nach der Inbetriebnahme: App Lounge statt Play Store, Galerie statt Google Fotos, Karten statt Google Maps, Mail statt Gmail und Open Camera statt eine Herstellerspezifische Kamera-App

© Quelle: cma/PCtipp.ch

Die Inbetriebnahme geht relativ flott vonstatten, wenn man mit Android vertraut ist. Da man jedoch nicht – wie die meisten das machen dürften – Google-Konten und -Dienste zwischen altem und neuem Gerät synchronisiert, dauert das Herunterladen und Einloggen bei zahlreichen Apps seine Zeit. Aber alle Apps, die ich verwende – zum Beispiel Microsoft Teams, SBB Mobile, LinkedIn, Twint etc. konnte ich via App Lounge herunterladen und ohne Probleme verwenden.

Was e/OS-Neulinge erwartet: App Lounge statt Play Store, Galerie statt Google Fotos, Karten statt Google Maps, Mail statt Gmail und Open Camera anstelle einer Hersteller-spezifischen Kamera-App. Hierüber habe ich bereits beim Test des Murena One detailliert berichtet. Mehr dazu finden Sie über diesen Link (siehe Google-App Alternativen).

Positiv zu erwähnen ist übrigens die Service-Dauer: Die Betreiber schreiben auf der Webseite, man sei bemüht, mindestens 5 Jahre lang Software-Updates und Sicherheits-Patches zur Verfügung zu stellen.

Unterschiede Murena One und Murena 2 (Specs)

Die Unterschiede sind leider schnell zusammen gefasst. Das Murena 2 kommt im 6,43-Zoll-Format und ist somit im Vergleich zum Vorgänger minimal kleiner (Murena One: 6,53"). Das Handy mit Super-AMOLED-Display misst 15,79 × 7,33 × 0,78 Zentimeter (Murena One: 16,18 × 7,69 × 0,89 cm) und ist mit 182 Gramm minimal leichter (One: 186 g). Der Hauptunterschied sind die Kill-Switches.

Kill-Switches

Speziell ist eine Privacy-Switch-Taste, die es Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, Mikrofon und Kamera auszuschalten. Ausserdem ist das Smartphone mit einem Trennungsschalter ausgestattet, der alle Netzaktivitäten unterbrechen und Geräusche abschalten kann, um sich vor Ablenkungen zu schützen: Keine eingehenden Anrufe, keine Benachrichtigungen, keine störenden Geräusche. Das klingt schon mal ziemlich cool.

Der Trennungsschalter des Murena 2

© Quelle: Murena

 

Auch beim Display wurde optimiert: Neu wird ein FHD+-Super-AMOLED-Display (Auflösung: 2400 × 1080 Pixel) verbaut. Beim Murena One war es noch ein IPS-LCD-Display (Auflösung: 2242 × 1080 Bildpunkte).

Zu den Kameras: Beim Murena 2 erhalten Hobbyfotografen eine 25-MP Front- und eine Dreifach-Rückkamera (64 MP, 13 MP und 5 MP) für Fotos und Selfies. Murena hat somit die Kameras ein wenig besser ausgerüstet (One: 25 MP Selfiecam, 3 Rückkameras mit 48-, 8- bzw. 5-Megapixel-Sensoren).

Beim Nachfolger arbeitet ein 2,1-GHz-Octa-Core-Prozessor mit 8 GB RAM (One: Mediatek Helio P60-CPU, 4 GB RAM). Ansonsten: Beide verfügen über 128 GB internem Speicher, 4G (LTE), Dual-SIM und eine nicht austauschbare Batterie.

Erfahrungen mit dem Murena 2

Was mir gefallen hat

Kurz: Das Highlight waren für mich die beiden Kill-Schalter (Datenschutz- und Trennungsschalter).  Das Murena 2 verfügt seitlich je über einen kleinen, physischen Schalter.

Der Datenschutzschalter

Wenn Sie den runden Datenschutzschalter (linke Seite) nach unten schieben, wird die Hardwareverbindung der Kameras und Mikrofone des Geräts unterbrochen. Der Schalter erzeugt eine Schaltungssperre – laut Murena soll dies verhindern, dass Kamera und Mikrofon gehackt werden können.

Nö, Ihre Handykameras sind nicht futsch. Sie haben (wohl aus Versehen) nur die Privacy-Switch-Taste aktiviert

© Quelle: cma/PCtipp.ch

Der Trennungsschalter

Ist der Trennungsschalter aktiviert (rechte Seite), wird automatisch der Flugmodus aktiviert und das Telefon stummgeschaltet. Keine eingehenden Anrufe, keine Ablenkungen. Diesen Schalter habe ich geliebt. Es ist zeitsparend und ich gönne mir zwischendurch eine Flugmodus-Phase, wenn ich konzentriert arbeiten muss – oder einfach mal eine Pause vor der digitalen Welt haben will. Die beiden Killschalter werde ich vermissen.

Wenn Sie diesen Screen sehen, ist der Trennungsschalter aktiv. Und Sie können gleich mit Googles Chrome-Dino spielen (was ein wenig ironisch ist auf einem de-googled Smartphone)

© Quelle: cma/PCtipp.ch

Bei den Kameras merkte man tagsüber, dass es ein leichtes Upgrade gab. Bei Fotos bei Nacht jedoch nicht, da ist das Murena 2 noch immer etwas überfordert. Da man Open Camera verwendet, kann man einige Sachen einstellen, allerdings gibt es keine Hersteller-KI, die einem zum Beispiel einen Nachtmodus anbietet.

Wie beim Vorgänger hielt der Akku eineinhalb bis zwei Tage durch – je nach Nutzung – was ein guter Wert ist

Was mich nicht überzeugte

Diese Liste ist zu meinem Bedauern relativ lang. Ein Smartphone im Herbst 2023 mit 4G statt 5G? Geht gar nicht. Zudem war die Telefonverbindung nicht nur mangelhaft, sondern echt mies, worüber sich mehrere Personen beschwert haben. Bluetooth 5 wäre auch fällig gewesen (nur BT 4.2).

Es dauert eine Weile, bis man Kontakte importiert und alles eingerichtet hat (soll ja ohne Google-Dienste gehen). Privatsphäre: Daumen hoch. Nutzerfreundlichkeit: Ist noch so lala, hat also noch Luft nach oben für Neulinge. Details hierzu finden Sie im Test des Murena One.

Willkürlich wurde auf dem Handy-Display «Orange State» angezeigt. Angeblich war das Gerät entsperrt worden und konnte nicht mehr als vertrauenswürdig betrachtet werden. Mal passierte es, nachdem ich die SIM-Karte eingelegt hatte, mal als der Handyakku leer war und einmal einfach so – als es auf dem Home-Office-Pult lag. Unschön.

Das erste Mal setzte mein Herzschlag kurz aus, doch ich sah diesen Screen leider mehrfach

© Quelle: cma/PCtipp.ch

Warum übrigens das erste Modell über einen 4500-mAh-Akku verfügte, der Nachfolger aber nur über 4000 mAh, das wissen die Götter. Der Speed ist akzeptabel, leider dauert das Öffnen von Apps eine Weile.

Verfügbarkeit und Preis • Fazit und Kaufberatung

Verfügbarkeit und Preis

Derzeit kann man das Murena 2 auf indiegogo.com vorbestellen. Je nach Pre-Sale-Version ist es ab Fr. 433 (Pre-Sale von 10 %, Stand 3.11.23) zu erwerben. Im Murena-Shop soll es ab dem ersten Quartal 2024 verfügbar sein. Die Lieferung erfolgt ab Januar 2024. Murena liefert in die Schweiz, Europa, UK, USA und Kanada.

Fazit und Kaufberatung

Ich bin ein Fan der Kill-Schalter. Die hätte ich jetzt gerne auf all meinen künftigen Smartphones. Auch das Display überzeugte sowohl beim Arbeiten als auch Filmeschauen. Der Sound war OK.

Während man beim Erstling bei 4G (LTE) mit Goodwill noch ein Auge zudrücken konnte, ist im Herbst 2023 ein neues Smartphone ohne 5G definitiv nicht mehr akzeptabel. Leider ist auch nur Bluetooth 4.2 statt 5 an Bord.

Bei der Bewertung schwankte ich lange zwischen 3,5 und 4 Sternen. Denn das Murena 2 ist eigentlich erst ab Januar 2024 offiziell erhältlich. Ich habe somit ein frühes Modell getestet. Aber ich kann nur das bewerten, was ich erlebt habe. Und neben einigen veralteten Spezifikationen störte mich vor allem die Qualität beim Telefonieren und in Videocalls (Empfang/Ton). Mehrere Personen am anderen Ende sagten, die Verbindung sei «sehr schlecht», meine Stimme erklang oft verzerrt oder verspätet. Für ein Telefon leider inakzeptabel.

Dennoch: Sowohl /e/OS als auch das Murena 2 haben viel Potenzial. Hoffentlich bessert Murena beim mobilen Empfang noch nach.

Kaufberatung

Wer ein Murena One besitzt, muss den Nachfolger nicht gleich kaufen – zu gering sind die Unterschiede. Wer allerdings beim Smartphone viel Wert auf Privatsphäre legt, dem dürfte nicht nur das datenschutzfreundliche – entgoogelte – Betriebssystem gefallen, sondern hauptsächlich die beiden Killswitches. Für mich sind sie das Highlight des Murena 2. Noch ist das Murena 2 eher für Neugierige und Technikfans, die ohne Google leben wollen. Vieltelefonierer sollten sich woanders umsehen.

Testergebnis

Pros + Cons

  • Datenschutzschalter
  • Trennungsschalter
  • besseres Display
  • etwas bessere Kameras
  • Privatsphäre
  • werbefrei
  • App Lounge
  • Open-Source Kartendienst
  • 5 Jahre Updates/Patches
  • Nur Bluetooth 4.2 (statt 5)
  • nur 4G (statt 5G)
  • schlechte Telefongesprächs-Qualität
  • mehrfach «Orange State» angezeigt
  • Kameras bei Nacht
  • nur via Hersteller beziehbar (ab Q1 2024)

Details:  Murena 2, 6,43-Zoll Super-AMOLED-Display (FHD+: 2400 × 1080 Pixel) entgoogeltes Android-OS, 2 physische Schalter: 1 für Privatsphäre (Kamera/Mik), 1 Trennungsschalter (Konnektivität deaktivieren), 128 GB Speicher, microSD: erweiterbar um bis zu 512 GB, 4G (LTE), Netzbetreiber freigeschaltet, Dual-SIM (nanoSIM+nanoSIM oder nanoSIM+microSD), Fingerabdrucksensor, NFC, High-Speed-Charging 18W, Batterie nicht austauschbar, ohne Google Apps, dafür App-Lounge-Store, Murena Cloud, OS: e/OS v1.15

Preis:  Ab Fr. 479 auf Indiegogo.com

Infos: 
Vorverkauf via Indiegogo.com

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