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iPhone 16: Fotografie in einem neuen Licht

Die fotografischen Stile sind die beste Kameraneuheit des iPhone 16 (Pro) – und sogar ­wichtiger als die neue Taste zur Kamerasteuerung. Nur eines sind sie nicht: selbsterklärend. Die folgenden Tipps zeigen, wie Sie das Beste herausholen.
© (Quelle: Unsplash/Matthieu Joannon)

Schraubfilter fürs Objektiv sind fast so alt wie die Fotografie selbst. Ihre Verwendung reicht weit in die analoge Zeit hinein. Doch wenn im digitalen Zeitalter die Bildwirkung verändert werden soll, stehen zwei andere Möglichkeiten offen: Entweder wird in RAW fotografiert und die Nachbearbeitung aufwendig in einer externen Software nachgeholt. Oder man greift auf Software-Filter zurück, um das Foto in ein neues Licht zu rücken.

Doch für iPhone-Fotografen gibt es noch eine dritte Option, den Einsatz von «fotografischen Stilen». Die Ergebnisse wirken äusserst subtil: Die Fotos zeigen keine Spuren der Holzhammermethoden, mit denen unzählige Apps so lange auf die Bilder eindreschen, bis von der Realität nicht mehr viel übrig ist. Stattdessen sorgen die neuen Stile im iPhone 16 (Pro) für schönere Hauttöne, aber auch für alternative Lichtstimmungen. Und das alles mit viel Feingefühl für das Motiv.

Alte und neue Stile

Apples fotografische Stile sind nicht neu. Sie wurden bereits mit dem iPhone 13 eingeführt und bieten Modifikationen wie Leuchtend oder Warm, die für eine angepasste Lichtstimmung sorgen. Doch das hat seinen Preis: Diese Anpassungen werden von der Image Pipeline mitten im digitalen Entwicklungsprozess eingebettet und lassen sich deshalb nicht mehr rückgängig machen. Wenn ein Bild mit dem Stil Kontrastreich geschossen wird und im harten Sonnenlicht die Schatten absaufen, dann lassen sich diese später kaum oder gar nicht mehr retten.

Das iPhone 16 ändert alles. Die «fotografischen Stile der neuesten Generation» (O-Ton Apple) sind an den Schluss der internen Bearbeitung gerutscht. Deshalb lassen sich die Effekte jederzeit in der Fotos-App ändern oder zurücknehmen. Das setzt lediglich die neuste Systemversion voraus. So lassen sich die Stile zwar nur mit dem iPhone 16 (Pro) einbetten; doch später kann dieser Stil auch auf einem iPhone 13, einem Mac oder einem iPad bearbeitet werden, Bild 1. Und wenn Sie ein Foto aus dem iPhone 16 im originalen HEIF-Format an jemand anders schicken, kann der Empfänger den Stil ebenfalls anpassen.

Bild 1: Die Parameter für Farbe und Ton lassen sich auch Mac nachträglich justieren

© Quelle: PCtipp.ch

Stimmungen und Nuancen

Bild 2: Die Wirkung eines Stils wird in der ­Kamera-App vorab sichtbar

© Quelle: PCtipp.ch

Vielleicht herrscht zu Beginn ein wenig Ratlosigkeit – denn wie die neuen fotografischen Stile einzuordnen sind, erschliesst sich nicht im Detail. Um einen Stil anzuwenden, tippen Sie in der Kamera-App rechts oben auf das Symbol, Bild 2 A, damit die Stile eingeblendet werden. Wischen Sie durch die Stile B, nehmen Sie am «Trackpad» Anpassungen vor und tippen Sie erneut auf das Symbol, um sich wieder der Komposition zuzuwenden.

  • Standard: Der Standard-Stil hört sinnigerweise auf die Bezeichnung Standard: Er zeigt die Farben und Kontraste so, wie wir es bis anhin von einem typischen iPhone-Foto erwartet haben. Wenn Sie keine Lust verspüren, sich mit den Stilen auseinanderzusetzen und einfach nur beim Bewährten bleiben möchten, ist Standard die richtige Wahl.

    Trotzdem verschenken Sie sich nichts, denn ein Stil lässt sich auch im Nachhinein auf ein Foto bügeln; vorausgesetzt, es wurde mit einem iPhone 16 aufgenommen. Das Resultat wird exakt dasselbe sein. Das heisst auch: Es ist nicht möglich, ein Foto ohne Stil aufzunehmen, denn auch Standard ist nichts anderes als ein Stil.

Bild 3: Die Stimmung verändert die ganze Anmutung, hier in der Nachbearbeitung

© Quelle: PCtipp.ch

Stimmung: Wenn Sie von Standard aus von rechts wischen, ändert sich die Stimmung, worauf auch am oberen Displayrand hingewiesen wird. Stimmungen greifen unübersehbar in das Bild ein, wirken auf die ganze Szene und sind am ehesten mit Instagram-Filtern zu vergleichen – allerdings auf einem hohen Niveau. Stimmungen hören auf so klingende Bezeichnungen wie Leuchtend, Dramatisch oder Ätherisch, Bild 3.

Um also einem Sonnenaufgang etwas mehr Wärme einzuhauchen, bietet sich als Ausgangslage Gemütlich an. Umgekehrt führt Ätherisch zu einer bläulichen und damit kühlen Stimmung, wie man sie vor allem im Winter wahrnimmt.

  • Farbnuance: Wischen Sie aus der Grundstellung Standard hingegen nach rechts, landen Sie im Revier der Farbnuancen mit fünf Grundeinstellungen. Deren Namen lauten Roségold, Kaltrosa oder Bernstein. Sie alle wirken stärker auf Hauttöne als auf den Rest der Szene ein.
  • Das semantische Verständnis

    Deshalb sind sie das Herzstück der neuen Stile. Was die Nuancen über gewöhnliche Filter erhebt, ist ihr «semantisches Verständnis»: Ein Himmel wird von der Image Pipeline anders behandelt als Vegetation – und die wiederum anders als Hauttöne. Ein banaler Filter, wie es sie zu Tausenden in Foto-Apps gibt, würde die Anpassungen hingegen auf das ganze Bild klatschen, ohne Rücksicht auf das Motiv der Aufnahme.

    Nuancen richtig einordnen

    Wenn Sie nicht auf Instagram-Effekte aus sind, werden Sie die meiste Zeit mit den Farbnuancen experimentieren, um die bestmöglichen Hauttöne zu finden. Tippen Sie dazu in der Auswahl der Nuancen auf das Symbol unter der Bildvorschau. Jetzt sehen Sie das virtuelle Trackpad und einen Schieberegler.

    • Farbe: Wenn Sie auf dem Trackpad horizontal wischen, verändert sich der Wert Farbe oder ganz einfach die Sättigung. Ganz links wirkt das Bild fast schwarz-weiss, ganz rechts droht es in den Kitsch abzugleiten.
    • Ton: Dieser Wert steuert das Tone-Mapping, also im Prinzip den Kontrast. Mit einem höheren Kontrast werden die Schatten dunkler – das ist für viele Fotografen hochwillkommen: Das iPhone produziert zum Teil so neutrale Fotos, dass sie teils fast etwas saftlos oder langweilig wirken. Doch der Ton-Regler sorgt jetzt für die richtige Würze der Schatten.
    • Palette: Und dann ist da noch der Schieberegler für die Palette. Apple verwendet dazu den Ausdruck Untertöne. Sie wirken sich vor allem auf die Haut aus, während der Rest des Bildes deutlich weniger davon betroffen ist. Wenn das Gesicht durch einen Stil wie Bernstein eine attraktivere Tönung erhält, wirkt sich das nicht im selben Ausmass auf das weisse Hemd darunter aus. Der Schieberegler bietet die Möglichkeit, die Intensität der Änderung zu steuern.

    • Tipp: Ich finde die Bedienung der Regler ungewohnt fummelig, jedenfalls für Apple-Verhältnisse. Auch lassen sich keine numerischen Angaben machen. Deshalb sollten Sie während der Aufnahme nicht allzu viele Gedanken an diese Feinheiten verschwenden und stattdessen die Spontaneität geniessen. Die Details werden später auf dem Sofa geklärt. Allerdings lassen sich die Untertöne, also die Palette, nur am iPhone oder iPad ändern; der Mac ist aus unbekannten Gründen vom dazu nötigen Schieberegler ausgenommen.

    Grundeinstellungen

    Bild 4: Die richtigen Einstellungen verhindern, dass ein Stil zurückgesetzt wird

    © Quelle: PCtipp.ch

    Das iPhone vergisst nach jedem Shooting, welche Werte Sie für die fotografischen Stile verwendet haben. Um das zu verhindern, öffnen Sie in den Einstellungen des iPhones den Bereich Kamera und danach die Kategorie Einstellungen beibehalten. Überzeugen Sie sich, dass der Schalter Fotografischer Stil aktiviert ist, Bild 4. Das birgt zwar ein Restrisiko, dass die nächsten Fotos etwas ungewohnt aussehen; aber da sich die Stile jederzeit ändern lassen, befinden Sie sich auf der sicheren Seite.

    Die zweite Einstellung soll dafür sorgen, dass die Hauttöne auf Anhieb sitzen – und an dieser Stelle wird es ein wenig esoterisch. Öffnen Sie erneut die Einstellungen zur Kamera und tippen weit oben auf Fotografische Stile. Ein Assistent öffnet sich. Anschliessend wählen Sie vier Fotos aus, die Ihren Lieblingsmenschen zeigen, Bild 5. Wählen Sie die Nuance und den Unterton, damit diese Einstellungen künftig zum neuen Standard werden, wenn Sie nichts anderes angeben – aber auch davon kann

    Bild 5: Die bevorzugten Einstellungen für Hauttöne werden zum Standard gemacht

    © Quelle: PCtipp.ch

    jederzeit abgewichen werden.

    Fazit: Experimentierfreude hilft

    Die neuen fotografischen Stile sind eine Wucht, aber sie liefern nicht einfach auf Knopfdruck die besten Ergebnisse. Stattdessen motivieren sie zu risikolosen Experimenten, die sich jederzeit widerrufen lassen. Geniessen Sie also wieder jene Freiheiten, die uns durch die vollautomatische Steuerung der Smartphones genommen wurden. Und es lohnt sich: Noch nie sahen Hauttöne auf dem iPhone so gut aus, während komplette Szenerien ein einem neuen Licht erstrahlen, ohne dass es übertrieben nach Effektfiltern riecht.

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    Apple Fotografie iPhone Software & Tools Smartphone & Apps
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